Pressemitteilung
17.01.2011

Dortmund. 15.01.2011. Heute haben Sylvia Löhrmann, stellvertretende Ministerpräsidentin des Landes Nordrhein-Westfalen, Peter Junge-Wentrup, Geschäftsführer des IBB Dortmund und Rüdiger Frohn, Staatssekretär a. D. und Vorsitzender des Beirats der Stiftung Mercator die Wanderausstellung „25 Jahre nach Tschernobyl – Menschen – Orte – Solidarität“ in der Dortmunder Stadtkirche St. Petri eröffnet. Die Ausstellung dokumentiert in den kommenden
sechs Monaten an rund 40 Orten in Deutschland, Österreich und den Niederlanden die größte von Menschenhand verursachte Umweltkatastrophe in der Geschichte der zivilen Nutzung der Atomenergie und mahnt gegen das Vergessen und Verdrängen des 26. Aprils 1986.
Schicksale von Menschen stehen im Mittelpunkt
Im Fokus der Ausstellung stehen die Erinnerungen von 30 Zeitzeugen aus der Ukraine und Belarus, die unmittelbar an den Aufräumarbeiten und an der Eindämmung der Katastrophe beteiligt waren. Persönlich werden sie vor Schulklassen und anderen Personengruppen über ihre Erinnerungen berichten. „Wir haben uns ganz bewusst entschieden, die Schicksale von Menschen in den Mittelpunkt zu stellen“, sagte Peter Junge-Wentrup bei der Eröffnung. „Und wir möchten, dass sie selbst zu Wort kommen.“ In Dortmund sind die ukrainischen Zeitzeugen Oleksandr Naumov und Nikolaj Bosyj zu Gast, die 1986 als Mitglieder des Spezialbataillons 731 am havarierten Kraftwerk arbeiteten und bei der Ausstellungseröffnung dem interessierten Publikum berichteten, wie sie die Katastrophe von Tschernobyl erlebt haben. Nach Recherchen des IBB waren mehr als 800 000 Liquidatoren im Einsatz.
Erinnern für eine gemeinsame Zukunft – Anstoß zu einer politischen Debatte
Zum 25. Jahrestag der Katastrophe am 26. April 2011 regt die Ausstellung auch eine intensivere Auseinandersetzung mit der Energiepolitik an. „Unser gemeinsames Ziel mit allen gastgebenden Trägerkreisen ist eine Debatte im Deutschen Bundestag“, so Peter Junge-Wentrup, Geschäftsführer des IBB Dortmund, das den Impuls zur Wanderausstellung gegeben hat. „In allen politischen Debatten spielt die Erinnerung an Tschernobyl bisher keine Rolle“ beklagt Junge-Wentrup. „Wir brauchen die Energiewende hin zu Eneuerbaren Energien und mehr Energieeffizienz“, fordert Junge-Wentrup.
Rüdiger Frohn, Staatssekretär a. D. und Vorsitzender des Beirats der Stiftung Mercator, betonte in seiner Rede: „Tschernobyl hat als erste gesamteuropäische Umweltkatastrophe bisher ungekannten Ausmaßes gezeigt, dass weder die Solidarität der Menschen in Europa noch die Herausforderung einer zukunftsorientierten Umweltpolitik nationale Grenzen kennt. In Erinnerung an die Opfer von Tschernobyl und für die kommenden Generationen ist es uns Verpflichtung und Herausforderung zugleich, Energie-, Umwelt- und Klimapolitik immer wieder neu zu denken.“
Ausstellung mit interaktiven Elementen
Ein multimedialer Teil der Ausstellung dokumentiert mit 58 Fotos von Rüdiger Lubricht, Filmausschnitten aus der Tagesschau und beispielhaften Portraits von europäischen Tschernobyl-Initiativen das Unglück. Noch heute leben fünf Millionen Menschen in Gebieten, die mit mehr als 1 Curie pro km² radioaktiv belastet sind. Rüdiger Lubricht hat seit 2003 regelmäßig die verlassene Stadt Pripjat besucht und in der Umgebung auch Bewohner angetroffen, die der unsichtbaren Gefahr zum Trotz nicht umgesiedelt sind.
Die Nöte der Unglücksopfer kennen aber auch die Hilfsinitiativen in ganz Europa, die seit Anfang der 1990er Jahre intensive Kontakte nach Osteuropa pflegen. Beispielhaft erwähnte Junge-Wentrup die Initiative „Heim-statt Tschernobyl“ mit Sitz in Bünde, die mit Unterstützung von 1500 Freiwilligen in Workcamps mehr als 50 Lehmbau-Häuser für Umsiedler in Belarus errichtet hat. Darüber hinaus baute „Heim-statt Tschernobyl“ mit dem Partnerverein ÖkoDom die ersten zwei Windräder und das erste Niedrigenergiehaus in Belarus.
Die Ausstellung ist als wachsende Ausstellung konzipiert, die persönliche Gedanken und Erinnerungen von Betrachtern aufnimmt und um weitere Dokumente ergänzt werden kann.
Breite Unterstützung von Kirchen und Förderern
Ermöglicht wurde die Ausstellung durch eine breite Unterstützung von kirchlichen und weltlichen, öffentlichen und privaten Förderern, wie der Evangelischen Kirche von Westfalen und Hessen-Nassau, der katholischen Stiftung Renovabis, der Landeszentrale für politische Bildung und der Stiftung Mercator.
Ministerpräsidenten Hannelore Kraft und Matthias Platzeck als Schirmherren
Die Schirmherrschaft für alle elf Ausstellungen in Nordrhein-Westfalen hat Ministerpräsidentin Hannelore Kraft übernommen. Ullrich Sierau, Oberbürgermeister der Stadt Dortmund, unterstützt als Schirmherr die Ausstellung in Dortmund. Als weitere Schirmherren konnte das IBB Matthias Platzeck, Ministerpräsident des Landes Brandenburg, für die Ausstellungsorte im Land Brandenburg sowie Landtagspräsident Dietmar Steinecke für Magdeburg gewinnen.
Bis zum 27. Januar 2011 ist die Ausstellung in Dortmund zu sehen, ab 17. Januar in Hagen und danach in 38 weiteren Städten in Deutschland, Österreich und den Niederlanden.
Über die Ausstellung:
Die Ausstellung „25 Jahre nach Tschernobyl – Menschen – Orte – Solidarität“ ist ein Projekt des IBB Dortmund und Kiew und der Internationalen Bildungs- und Begegnungsstätte „Johannes Rau“ Minsk. Das Projekt wird gefördert durch die Stiftung Mercator in Essen.
Der Dortmunder Trägerkreis der Ausstellung:
Heim-statt Tschernobyl e.V., IBB, Katholisches Forum, Amt für Mission, Ökumene und kirchliche Weltverantwortung der Evangelischen Kirche von Westfalen, Schulreferat, Erwachsenenbildungswerk und Stadtkirche St. Petri der Vereinigten Kirchenkreise Dortmund. Die Ausstellung wird jeweils von einem örtlichen Trägerkreis veranstaltet und mit einem Rahmenprogramm ergänzt.
Partner und Unterstützer:
Die Evangelische Kirche von Westfalen, die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau, die Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen, die Landeszentrale für politische Bildung Nordrhein-Westfalen sowie Renovabis.
Termine der Wanderausstellung im 1. Halbjahr 2011 auf einen Blick:
Beckum 07.01.-14.01.2011
Dortmund 15.01.-27.01.2011
Hagen 16.01.-22.01.2011
Kempten (Allgäu) 06.02.-11.02.2011
Eberbach 06.02.-11.02.2011
Kiel 13.02.-18.02.2011
Rostock 20.02.-26.02.2011
Magdeburg 20.02.-25.02.2011
Braunschweig 27.02.-04.03.2011
Frankfurt/Oder 28.02.-05.03.2011
Eisenhüttenstadt 07.03.-12.03.2011
Leipzig 06.03.-11.03.2011
Münster 13.03.-18.03.2011
Potsdam 15.03.-29.03.2011
Mülheim an der Ruhr 19.03.-25.03.2011
Braunschweig 27.03.-01.04.2011
Gütersloh 27.03.-02.04.2011
Herford 04.04.-08.04.2011
Berlin-Köpenick 03.04.-08.04.2011
Karlsruhe 10.04.-15.04.2011
Zwolle / Niederlande 17.04.-22.04.2011
Hannover 18.04.-24.04.2011
Köln 24.04.-29.04.2011
Wien 02.05.-07.05.2011
Kamen 01.05.-06.05.2011
Rheine 08.05.-13.05.2011
Freising 08.05.-15.05.2011
Bremen 14.05.-20.05.2011
München 16.05.-30.05.2011
Frankfurt/Main 21.05.-03.06.2011
Dresden 01.06.-05.06.2011
Kassel 04.06.-11.06.2011
Gießen 12.06.-18.06.2011
Weimar 21.06.-26.06.2011
Rotenburg/Wümme 25.06.-01.07.2011
Rottweil 04.07.-10.07.2011
Stand Januar 2011 – Aktuelle Informationen unter www.ibb-d.de

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Grenzen überwinden – dieser Leitgedanke ist für das Internationale Bildungs- und Begegnungswerk Ziel und Mittel seiner Arbeit. Weiterbildung und internationale Begegnungen sind seit 1986 seine Markenzeichen. Das IBB Dortmund e. V. ist Träger der Erwachsenenbildung und der politischen Bildung sowie anerkannter Träger der Jugendhilfe.

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Pressesprecher
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