Umweltverträgliche Mobilität in Programmen personenbezogener Förderung und operativer Projekte

  1. Begrenzung des Klimawandels: Eine globale, institutionelle und individuelle Aufgabe

Mit dem Pariser Klimaabkommen hat sich die Weltgemeinschaft darauf verständigt, die menschengemachte globale Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen. Um dies zu erreichen, bedarf es effektiver politischer Rahmensetzungen sowie gesellschaftlichen Rückhalts für diesen umfassenden Transformationsprozess. Hierzu zählt auch die Reduktion des Energieverbrauchs in Organisationen und auf individueller Ebene. Zu dieser gesamtgesellschaftlichen Aufgabe tragen wir bei, indem wir die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Praxis fördern, die Zivilgesellschaft dabei unterstützen, sich fundiert und systematisch für Klimaschutz einzusetzen. Wir tragen bei zur Stärkung einer faktenbasierten medialen Berichterstattung, um zu einem sachlichen öffentlichen Diskurs über Klimawandel und Klimaschutz beizutragen.

  1. Persönliche Begegnungen und internationale Erfahrungen bleiben essenziell

Weltoffenheit ist einer der zentralen Werte der Stiftung Mercator. Sie setzt sich hierfür ein durch die Stärkung des Zusammenhalts in der EU und durch die Förderung internationaler Verständigung insbesondere mit China und der Türkei. Auch für die Zukunft betrachten wir internationale Erfahrungen – gemeinsam verbrachte Arbeits- und Freizeit in Seminaren, das Eintauchen in andere Kultur- und Sprachräume innerhalb wie außerhalb Europas, Arbeits- oder Studienerfahrungen an herausragenden internationalen Institutionen sowie Forschungsaufenthalte im „Feld“ und gemeinsame Projektarbeit – als essenziell. Damit wollen wir den von uns geförderten Menschen tiefgreifende persönliche Entwicklungen sowie exzellente Ausbildung und Forschung ermöglichen. Gleichzeitig möchten wir die von uns angeregte und finanzierte Mobilität künftig klimaschonender und in Teilen auch gezielter als bislang gestalten – indem wir sowohl auf längere, substanziellere Aufenthalte setzen als auch digitale Formate systematisch stärken.

  1. Empfehlungen und Orientierungshilfen für klimaschonende Mobilität

Wir wollen in unseren Programmen Auslandsaufenthalte so nachhaltig wie möglich gestalten. Für die hiermit verbundenen Abwägungen geben wir Geförderten folgende Kriterien und Empfehlungen:

a) Vielfalt in Europa und der Welt explorieren

Wir ermutigen unsere Geförderten ausdrücklich dazu, sich nach Möglichkeit mit der Vielfalt europäischer und außereuropäischer Perspektiven und Kontexte vertraut zu machen. Nicht nur mit Blick auf den Verbrauch fossiler Energien, sondern auch aus inhaltlichen Gründen empfehlen wir, Aufenthalte umso länger zu planen, je weiter ein Zielort geografisch und kulturell von der vertrauten Umgebung entfernt liegt, da hierdurch kulturelle Immersion und substanzieller Erkenntnisgewinn überhaupt erst möglich werden. Wir empfehlen daher, pro 750 Kilometer Flugdistanz mindestens einen Tag am Zielort zu verbringen, und werden entsprechende Planungen mit unserer Förderarbeit tatkräftig unterstützen.

b) Geografische Alternativen in Betracht ziehen

Geförderte sollen bei der Wahl ihrer Reiseziele und Anreisearten den hiermit verbundenen Verbrauch fossiler Energie reflektieren und mögliche Alternativen unter Anlegung strenger Maßstäbe eigenverantwortlich abwägen.

c) Digitale Alternativen gegen inhaltlichen Mehrwert von Vor-Ort-Aufenthalten abwägen

Für Kurzveranstaltungen mit einem Schwerpunkt auf Informationsvermittlung sollten Online-Angebote Präsenzveranstaltungen mit überregionalen Anreisen vorgezogen werden. Die Zunahme an internationalen Online-Veranstaltungen ermöglicht es zudem, Fachkonferenzen zu verfolgen oder ergänzende Kurse im Ausland bei internationalen Expert*innen zu belegen, ohne dass dies in jedem Fall mit physischer Mobilität verbunden sein muss.

d) Keine innereuropäischen Flüge

Wir empfehlen allen Geförderten, Reisen innerhalb Europas nach Möglichkeit mit dem Zug oder in Fahrgemeinschaften zurückzulegen.

e) Kompensation von nicht vermeidbaren Flugreisen

Wir wollen, dass unsere Geförderten nicht zu vermeidende Flugkilometer nach dem Gold Standard der CO2-Kompensation ausgleichen. Wir streben an, allen geförderten Personen und Organisationen Kompensationszahlungen für Mobilität, die im Zusammenhang mit unserer Förderung entstehen, finanziell zu ermöglichen.

  1. Klimaschonende Mobilität durch einen verbindlichen institutionellen Rahmen

Fossil angetriebene Mobilität reduzieren wir zudem durch folgende Vorgaben und Maßnahmen:

a) Reisekostenzuschüsse innerhalb Europas:

Geförderte erhalten keine Kostenerstattung für innerdeutsche und -europäische Flüge, es sei denn, die schnellste Bahnverbindung zwischen den dem Start- und Zielort nächstgelegenen Bahnhöfen beträgt mehr als sechs Stunden. Zuschüsse zu den verbleibenden Flugreisen sind so gedeckelt, dass sich keine finanziellen Vorteile im Vergleich zu Bahnreisen ergeben.

b) Förderung von Flugreisen an Mindestaufenthaltsdauer geknüpft:

Wenn für eine Anreise die Flugzeugnutzung unvermeidlich ist, empfehlen wir, pro 750 Kilometer Flugdistanz mindestens einen Tag am Zielort zu verbringen (s.o.). Fossilintensive Reisen etwa für außereuropäische Kongressbesuche oder Exkursionen von nur wenigen Tagen Dauer werden von uns nicht gefördert.

c) CO2 Kompensationen

Geförderte erhalten auf Vertrauensbasis eine höhere Reisekostenpauschale, wenn sie ihre Flugkilometer kompensieren. Dienstreisen von Mitarbeiter*innen und Ehrenamtlichen gleichen wir nach dem Gold Standard der CO2-Kompensation aus.

d) Digitale Veranstaltungen

Wir setzen unsere Veranstaltungs- und Beratungsangebote bevorzugt digital um.

e) Bustransfers

Wenn Veranstaltungsorte mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur schwer erreichbar sind, organisieren wir Bustransfers von und zu gut angebundenen Bahnhöfen.

Ausblick

Uns allen ist es ein Anliegen, das Bewusstsein für die Folgen fossilen Energieverbrauchs zu stärken, selbstverantwortete und gut informierte Entscheidungen zu ermöglichen und gleichzeitig einen verbindlichen Rahmen für klimaverträgliche Mobilität zu setzen. Von den nunmehr ausgesprochenen Empfehlungen und Positionierungen, der neu eingeführten Mindestaufenthaltsdauer bei Flugreisen sowie einem energischen Ausbau digitaler Angebote versprechen wir uns einen weiteren Veränderungsschub, mit dem wir Verantwortung für die Begrenzung des menschengemachten Klimawandels übernehmen.

Wir erarbeiten ebenfalls zurzeit Richtlinien für umweltverträgliche Mobilität innerhalb unserer Organisation sowie Empfehlungen für geförderte Projekte.

Diese hier präsentierten Regeln für umweltverträgliche Mobilität in Programmen und Projekten personenbezogener Förderung und operativen Projekten sind ein Anfang und als work in progress zu verstehen.