Pressemitteilung
Essen/München, 26.08.2021

Gemeinsam haben heute die Stiftung Mercator und der Verlag C.H. Beck bei einer Veranstaltung im Humboldtforum in Berlin die ersten Bände der neuen Reihe Edition Mercator vorgestellt. Renommierte Expert*innen bringen darin aktuelle gesellschaftliche Themen zur Sprache. Mit der Reihe verfolgt die Stiftung Mercator das Ziel, kompetent über große Herausforderungen unserer Zeit zu informieren und Anstöße für die öffentliche Debatte zu geben.

Die Autor*innen der Reihe sind renommierte Expert*innen, die auch außerhalb der akademischen Sphäre für ihre Positionen eintreten. Sie verbinden die Vermittlung von Basiswissen mit einer allgemeinverständlichen Diskussion gesellschaftlicher Herausforderungen. In Essays will die Reihe neue Denkräume öffnen, ohne dabei den Verkürzungen eines Zeitungsartikels oder den Zwängen einer Fachpublikation zu unterliegen. Die Autor*innen diskutieren ihr Thema pointiert und fokussiert und beschränken sich dabei auf rund 140 bis 200 Seiten.

Die Welt befindet sich in einer Phase der Krisen und Umbrüche. Noch immer grassiert eine globale Pandemie, die Auswirkungen der Klimakrise werden sichtbar, noch immer zerstört die Menschheit die Umwelt und beutet endliche Ressourcen ohne Rücksicht auf kommende Generationen aus. Der Multilateralismus und die westlichen Demokratien werden von neuen Akteuren und Mächten infrage gestellt, während die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter aufgeht. Merklich und unmerklich durchdringt die Digitalisierung alle Lebensbereiche, oft ohne sich moralischen oder rechtlichen Normen zu unterwerfen.

Wenn es darum geht, diese und andere gesellschaftliche Herausforderungen zu verstehen und Vorschläge zu ihrer Bewältigung zu erarbeiten, richtet sich der Blick immer auch auf die Wissenschaften. Die Stiftung Mercator fördert die Entwicklung wissenschaftlich begründeter Handlungsoptionen für gesellschaftliche Herausforderungen und trägt sie in den öffentlichen und politischen Diskurs.

„Uns ist es wichtig, den eigenen Horizont offenzuhalten und resonant zu bleiben für neue Ideen und Themen“, so Dr. Wolfgang Rohe, Vorsitzender der Geschäftsführung der Stiftung Mercator. „Die aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen werden wir nur mithilfe exzellenter Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen bewältigen. Über die möglichen Wege und neuen Perspektiven bedarf es jedoch einer Diskussion, eines gesellschaftlichen Diskurses. Mit der Edition Mercator möchten wir dazu neue Impulse geben.“

„Die Edition Mercator wird kein vorgefertigtes Lagerdenken bestätigen. Ziel ist, dass sich bei den Leserinnen und Lesern ein Überraschungseffekt einstellt, dass sie neben erwartbaren Problemdiagnosen neue, unkonventionelle Sichtweisen kennenlernen“, so Dr. Matthias Hansl, verantwortlicher Lektor beim Verlag C. H. Beck.

 

ALS ERSTE BÄNDE ERSCHEINEN IN DER REIHE EDITION MERCATOR:

Von erwünschten und unerwünschten Reisenden – Die neuen Mauern der Globalisierung

Laut einer gängigen Erzählung werden nationalstaatliche Grenzen in der Globalisierung immer poröser. Grenzüberschreitende Mobilität werde so zu einer universellen Erfahrung – von der Rückkehr nationalistischer Politik allenfalls temporär unterbrochen. Steffen Mau zeigt, dass diese Sichtweise trügt: Grenzen wurden in der Globalisierung von Anbeginn nicht offener gestaltet, sondern zu machtvollen Sortiermaschinen umgebaut. Heute erfüllen sie ihre Trennungsfunktion besser und effektiver denn je. Während der grenzüberschreitende Personenverkehr in den letzten Jahrzehnten stetig zunahm, fand gleichzeitig eine in Wissenschaft und Öffentlichkeit unterschätzte Gegenentwicklung statt: Vielerorts ist es zu einer neuen Fortifizierung gekommen, zum Bau neuer abschreckender Mauern und militarisierter Grenzübergänge. Grenzen wurden zudem immer selektiver und mithilfe der Digitalisierung zu Smart Borders aufgerüstet, und die Grenzkontrolle hat sich räumlich massiv ausgedehnt, ja ist zu einer globalen Unternehmung geworden, die sich vom Territorium ablöst. Der Soziologe Steffen Mau analysiert, wie die neuen Sortiermaschinen Mobilität und Immobilität zugleich schaffen: Für erwünschte Reisende sollen sich Grenzen wie Kaufhaustüren öffnen, für andere sollen sie fester denn je verschlossen bleiben. Während ein kleiner Kreis Privilegierter heute nahezu überallhin reisen darf, bleibt die große Mehrheit der Weltbevölkerung weiterhin systematisch außen vor. nirgends tritt das Janusgesicht der Globalisierung deutlicher zutage als an den Grenzen des 21. Jahrhunderts.

 Steffen Mau lehrt Makrosoziologie an der Humboldt-Universität zu Berlin. Zuletzt sind von ihm die Bücher «Das metrische Wir. Über die Quantifizierung des Sozialen» (2017) und «Lütten Klein. Leben in der ostdeutschen Transformationsgesellschaft» (2019) erschienen. Er wurde 2021 mit dem Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft ausgezeichnet.

 Steffen Mau: Sortiermaschinen – Die Neuerfindung der Grenze im 21. Jahrhundert
192 Seiten | € 14,95 [D] | € 15,40 [A]  |  Bestellen

 

Lässt sich vergangenes Unrecht wiedergutmachen? Restitutionen zwischen Geschichte und Politik

Die Restitution von Kulturgütern gehört zu den brisantesten und meistdiskutierten Themen der letzten Jahre. Lässt sich vergangenes Unrecht durch späte Rückgaben wiedergutmachen? Was muss, was soll, was kann zurückgegeben werden? Welche Schwierigkeiten birgt die Auseinandersetzung mit einer Vergangenheit, die aus der Gegenwart konstruiert wird? In unserem Umgang mit einer historisch belasteten Vergangenheit scheint nicht nur der Geschichte als solcher, sondern auch ganz konkreten Objekten unrecht anzuhaften. Wurden sie geraubt, den Opfern abgepresst oder von ihnen auf andere Weise verloren, so geht man heute, auch viele Jahrzehnte nach ihrem Verlust, zumeist davon aus, dass sie an ihre ursprünglichen Besitzer herauszugeben sind. Welche Parameter, Schwierigkeiten, aber auch Chancen diesen Prozess kennzeichnen, erläutert Sophie Schönberger, Expertin für Kunst- und Kulturrecht, anhand von drei Beispielen, die in Deutschland die aktuellen Debatten in unterschiedlicher Weise prägen: die Restitution von NS-Raubgut, der Umgang mit kolonialen Objekten und schließlich die Entschädigungsforderungen der Familie Hohenzollern.

Sophie Schönberger lehrt Öffentliches Recht, Kunst- und Kulturrecht an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und ist Ko-Direktorin des Instituts für Deutsches und Internationales Parteienrecht und Parteienforschung.

Sophie Schönberger: Was soll zurück? Die Restitution von Kulturgütern im Zeitalter der Nostalgie
160 Seiten mit 24 Abbildungen | € 14,95 [D] | € 15,40 [A]  |  Bestellen


PRESSEKONTAKT VERLAG C. H. Beck

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Besonders aktiv ist der Verlag auf den Gebieten der Geschichte. Antike, Mittelalter, Neuzeit, Zeitgeschichte, deutsche und europäische Geschichte, jüdische Geschichte, Geschichte des islamischen Kulturkreises, Globalgeschichte – das sind Stichworte, die Spannweite und einige Schwerpunkte des historischen Programms aufzeigen. Immer bemüht sich der Verlag, die jeweils besten Kenner als Autoren zu gewinnen. Hervorragende ausländische Autoren werden ins Deutsche übersetzt. Reihen gliedern das Programm und verleihen ihm spezifische Akzente.

Welches Thema auch immer aufgegriffen wird, es ist dem Verlag ein wesentliches Anliegen, hervorragende Kenner und Wissenschaftler dazu zu ermutigen, ihr Wissen, ihre Einsichten, ihr Problembewusstsein einem weiten, nicht spezifisch vorgebildeten Publikum zugänglich zu machen. Insofern ist C.H.Beck ein wissenschaftlicher, aber kein akademischer Verlag.

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