Pressemitteilung
10.07.2011

Peking/Essen, 11. Juli 2011. Was treibt chinesische Künstler heutzutage an? Welche Ziele verfolgten aufklärerische Bildungsreformer aus Deutschland und China, um ihre Mitmenschen zu selbständig denkenden Individuen und verantwortungsbewussten Mitgliedern der Gesellschaft zu erziehen? Den Themen Gesellschaft und Bildung sind die kommenden beiden Salons der Stiftung Mercator im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Aufklärung im Dialog“ gewidmet.
Im April 2011 war die Veranstaltungsreihe „Aufklärung im Dialog“ der Stiftung Mercator als wissenschaftliches Begleitprogramm zur Ausstellung „Die Kunst der Aufklärung“ in Peking eröffnet worden. Die Stiftung Mercator und ihr Partner, das National Museum of China, führen die offiziellen Foren der Reihe auf Initiative des deutschen Botschafters in China und mit Unterstützung des chinesischen Kulturministeriums durch. Davon unabhängig hat sie in eigener Verantwortung eine Reihe von Salons zum Thema initiiert, in denen sich deutsche und chinesische Intellektuelle in den über philosophische, gesellschaftliche und künstlerische Aspekte der Aufklärung austauschen. Die Salonveranstaltungen sind dem klassischen Salon der Aufklärung nachempfunden. Sie sollen Orte für offene Gespräche über Kunst, Kultur und Philosophie sein.
Wir laden Sie herzlich ein zum
Salon: Kunst und Gesellschaft
Yishu 8, Peking
Samstag, 16. Juli 2011, 14.00-16.00 Uhr

Die Auswirkungen der Globalisierung und Marktwirtschaft sind auch in der Kunstszene spürbar, gerade in China. Der Salon „Kunst und Gesellschaft“ widmet sich der Frage, ob Künstler heutzutage zunehmend von materiellen Interessen bestimmt sind. Dr. Simon Groom, Direktor für Moderne und zeitgenössische Kunst der Scottish National Galleries, Edinburgh, und Huang Du, Kunstkritiker und freier Kurator, fragen und diskutieren zusammen mit Shu Kewen, stellvertretende Chefredakteurin der chinesischen Kulturzeitschrift „Sanlian Lifeweek Magazine”, wie Künstler in China und weltweit das Spannungsfeld zwischen materiellem Erfolg, künstlerischem Anspruch und sozialer bzw. politischer Verantwortung bewältigen. Zudem wird erörtert, inwiefern der Westen chinesische Künstler beeinflusst und ob chinesische Künstler dieses Phänomen auch bewusst für ihre soziale Verantwortung nutzen.

Salon: Aufklärung und Bildung
Ullens Zentrum für zeitgenössische Kunst/
Ullens Center for Contemporary Art (UCCA), Peking
Sonntag, 17. Juli 2011, 14.00-16.00 Uhr

Wilhelm von Humboldt, Mitgründer der späteren Humboldt-Universität zu Berlin, und Cai Yuanpei, Direktor der Peking Universität am Vorabend der Chinesischen Aufklärung, trennten zwar zeitlich fast hundert Jahre, ihr Ziel aber war ähnlich: eine grundlegende Reform des Lernens. Haben Cai Yuanpei und die Bildungsreformer der chinesischen Aufklärung lediglich ihre Vorreiter aus Europa nachvollzogen? Dieser Salon widmet sich den Konzeptionen und Reformbestrebungen der europäischen und chinesischen Aufklärung rund um das Thema Bildung. Prof. Peng Zhengmei, Institut für Erziehungswissenschaft, East China Normal University in Shanghai, und Prof. Dietrich Benner, Institut für allgemeine Erziehungswissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin, diskutieren darüber hinaus gemeinsam mit Dr. Wang Peili, Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Köln und des Jesuitenkollegs St. Blasien, über verschiedene Ansätze und interkulturelle Konzeptionen zur Bildung in der Gegenwart.
Stimmen zu den Salons
Dr. Bernhard Lorentz, Geschäftsführer Stiftung Mercator
„Wir glauben, dass der Dialog zwischen China und Deutschland wertvoll ist. Die Salonveranstaltungen der Stiftung Mercator bieten deutschen, europäischen und chinesischen Teilnehmern die Möglichkeit, sich über philosophische, gesellschaftliche und künstlerische Aspekte der Aufklärung und ihre Bedeutung heute auszutauschen.“
Dr. Simon Groom, Direktor, Scottish National Gallery of Contemporary Art, Edinburgh
„Es ist mir ein Vergnügen, die Gelegenheit zu haben, mit Kollegen aus China zu diskutieren und ich bin der Stiftung für ihre Unterstützung dabei besonders dankbar. Ich freue mich, mehr über die spezifischen Gegebenheiten zu erfahren, die derzeit die Gegenwartskultur in China prägen. Dies insbesondere, weil ich aus Edinburgh komme, einer Stadt, die eng mit der Aufklärung verbunden ist, denn in Edinburgh wurden jene Ideen erforscht, die die Werte untermauern, die wir heute für selbstverständlich halten, wenn wir an globale Gegenwartskultur denken.“
Huang Du, Kunstkritiker und freier Kurator, Peking
„Aus dem Blickwinkel der Politökonomie betrachtet, wirken mit dem Eintritt in das 21. Jahrhundert und unter einer erstarkten chinesischen Wirtschaft die Eruptionen und Einflüsse durch die Entwicklung des Kunstmarktes für chinesische Gegenwartskünstler wie ein zweischneidiges Schwert. Einerseits führen diese Einflüsse zu deutlich sichtbaren Veränderungen im Leben dieser Künstler, andererseits werden sie von der Kommerzialisierung der Kunst bestimmt und verlieren dadurch ihre eigene Ideale und Ziele aus den Augen.“
Shu Kewen, stellvertretende Chefredakteurin „Sanlian Lifeweek Magazine”
„Bei meiner Beobachtungsweise von Kunstphänomenen, neige ich dazu, den Begriff der Kunstphänomene eher als Verb, denn als Nomen zu betrachten. Denn die Veränderung der Kunstbewegung und der unterschiedlichen Erforschung in allen Arten von Zivilisationstraditionen führen dazu, dass in dem als Nomen behandelten Überbegriff der Kunst enorme Variationsbreiten existieren. Daher kann man nur vermuten, dass sich Kunst immer in einer ganz bestimmten Gesellschaftsart entwickelt und stets das Muttermal dieser Kultur tragen wird. In dem Fall, in dem Kunst vom Wesen und Ideal her auch andere kulturelle und gesellschaftliche Ansichten beinhaltet, ist dies wohl eher in der persönlichen Besonderheit eines bestimmten Künstlers begründet.“
Über „Aufklärung im Dialog“
Die Stiftung Mercator führt die Veranstaltungsreihe „Aufklärung im Dialog“ als wissenschaftliches Begleitprogramm zur Ausstellung „Die Kunst der Aufklärung“ in Peking durch. Die offiziellen Foren der Reihe veranstaltet die Stiftung in Partnerschaft mit dem National Museum of China. Davon unabhängig hat sie in eigener Verantwortung eine Reihe von Salons zum Thema initiiert, in denen sich deutsche und chinesische Intellektuelle in den kommenden Monaten über philosophische, gesellschaftliche und künstlerische Aspekte der Aufklärung austauschen. Die Stiftung Mercator stellt dafür insgesamt rund 1,5 Millionen Euro zur Verfügung. Das Programm besteht aus fünf Dialogblöcken und umfasst die gesamte Dauer – Frühling 2011 bis Frühling 2012 – von „Die Kunst der Aufklärung“, einer Ausstellung der Staatlichen Museen zu Berlin, der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen München in Zusammenarbeit mit dem National Museum of China. Die Ausstellung wird ermöglicht durch das Auswärtige Amt und gefördert durch die BMW Group.
www.aufklaerung-im-dialog.de
Über „Die Kunst der Aufklärung“
Am 1. April 2011 wurde „Die Kunst der Aufklärung”, eine Ausstellung der Staatlichen Museen zu Berlin, der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen München in Zusammenarbeit mit dem National Museum of China, feierlich in Peking eröffnet. Die umfassende Ausstellung zur Kunst der Aufklärung ist die erste internationale Gastausstellung im wieder eröffneten National Museum of China, das zum größten Museumsgebäude der Welt umgebaut und erweitert wurde. Unter der gemeinsamen Schirmherrschaft von Staatspräsident Hu Jintao und Bundespräsident Christian Wulff ist sie für zwölf Monate in Peking zu sehen. Mehr Informationen unter www.kunstderaufklaerung.de
Presseakkreditierung: Aus Sicherheits- und Platzgründen ist eine Akkreditierung für die Salons notwendig. Während den Veranstaltungen gilt die Chatham House Rule. Interessierte Medienvertreter, die an den Gesprächen teilnehmen wollen, werden gebeten, sich bis zum 14. Juli 2011 unter www.aufklaerung-im-dialog.de/participation für die Salons zu akkreditieren.
Sprache: Der Salon „Kunst und Gesellschaft“ wird englisch-chinesisch, der Salon „Aufklärung und Bildung“ deutsch-chinesisch in die jeweilige Zielsprache simultan übersetzt.
Bei Fragen sprechen Sie uns gerne an:
Nora Neuwinger
Stiftung Mercator      
Kommunikationsmanagerin
Tel.: +49 201 245 22-840
nora.neuwinger@stiftung-mercator.de

Pressekontakt

Jochen Heimberg
Pressesprecher
+49 201 24522-841
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