Pressemitteilung
Essen, 09.08.2013

Das Bild einer erstarkten türkischen Zivilgesellschaft ging um die Welt. Auch die wirtschaftliche und politische Bedeutung der Türkei ist in den letzten Jahren stetig angewachsen. Und doch ist die Wahrnehmung des Landes in der deutschen Öffentlichkeit oft wenig kenntnisreich und nicht immer sehr differenziert. Die Stiftung Mercator hat sich zum Ziel gesetzt, ein zeitgemäßes Bild der Türkei zu fördern. Dazu initiierte sie Ende letzten Jahres eine Ausschreibung für Wissenschaftler in Deutschland, die sich mit einem Forschungsprojekt zur zeitgenössischen Türkei bewerben konnten. Nun stehen die fünf Forschungsprojekte fest, die ab 1. Januar 2014 für drei Jahre von der Stiftung Mercator mit insgesamt 1,5 Millionen Euro unterstützt werden.
"Wir haben dieses Forschungsprogramm ins Leben gerufen, um eine Grundlage für ein zeitgemäßes und differenziertes Türkeibild zu schaffen. Die Türkei ist nicht nur eine Schlüsselregion für Deutschland in einer globalisierten Welt", betont Bernhard Lorentz, Vorsitzender der Geschäftsführung der Stiftung Mercator. "Die etwa 2,5 Millionen Menschen in Deutschland mit türkischer Herkunft schaffen zudem eine enge Verbindung zwischen den beiden Staaten." Da sich dies bisher noch nicht in der akademischen Auseinandersetzung mit der Türkei an deutschen Universitäten widergespiegelt hat, wählte nun eine hochkarätige interdisziplinäre Gutachterkommission fünf Forschungsprojekte aus unterschiedlichen Fachbereichen aus. Insgesamt waren 39 Anträge eingereicht worden. Ausschlaggebende Auswahlkriterien waren, neben der hohen wissenschaftlichen Qualität, u. a. die Aktualität und Relevanz des Themas und inwieweit die Forschungsprojekte zu einem differenzierteren Bild der zeitgenössischen Türkei beitragen können. Die Themen der fünf ausgewählten Forschungsprojekte unterstreichen den interdisziplinären Ansatz des Forschungsprogramms.

  1. "Energieknotenpunkt Türkei – ökonomische Trends und politische Gestaltungsmöglichkeiten" des Energiewirtschaftlichen Instituts und des Instituts für Politikwissenschaft und europäische Fragen an der Universität zu Köln
  2. "Frauenbewegungen im innertürkischen Vergleich. Eine empirische Studie zur Vielfalt von Deutungsmustern und Handlungsmacht zwischen Theorie und Praxis im transnationalen, urbanen und ländlichen Raum" des Fachbereiches Erziehungs- und Bildungswissenschaften der Universität Bremen
  3. "Frühe Kindheit, Entwicklung und Erziehung aus Sicht von Eltern in und aus der Türkei – Eine intra- und interkulturell vergleichende Untersuchung elterlicher Vorstellungen zur Natur und Entwicklung des Kindes sowie seiner Erziehung und Förderung" des Fachbereiches Humanwissenschaften der Universität Kassel
  4. "Geteilte Erfahrung Migration im deutsch-türkischen und türkischen Film" des Instituts für Germanistik an der Universität Hamburg
  5. "Verfassungspolitik in der Türkei" des Instituts für Sozialwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin und der Juristischen Fakultät der Bilkent Universität in Ankara

Austausch fördern – Etablierung einer Koordinierungsstelle
Eine Koordinierungsstelle an einer der teilnehmenden Universitäten soll den Austausch zwischen den Forschungsprojekten koordinieren. Neben der kontinuierlichen Betreuung der Projekte in den Bereichen Organisation und Kommunikation soll die Koordinierungsstelle auch den Dialog zwischen den Teilnehmern durch gemeinsame Veranstaltungsformate fördern. Die Stiftung Mercator will mit ihrem Programm auch zur besseren Etablierung zeitgenössischer Türkeiforschung an den Hochschulen in Deutschland beitragen.
Über die Stiftung Mercator:
Die Stiftung Mercator gehört zu den großen deutschen Stiftungen. Sie initiiert und unterstützt Projekte für bessere Bildungsmöglichkeiten an Schulen und Hochschulen. Im Sinne Gerhard Mercators fördert sie Vorhaben, die den Gedanken der Weltoffenheit und Toleranz durch interkulturelle Begegnungen mit Leben erfüllen und die den Austausch von Wissen und Kultur anregen. Die Stiftung zeigt neue Wege auf und gibt Beispiele, damit Menschen – gleich welcher nationalen, kulturellen und sozialen Herkunft – ihre Persönlichkeit entfalten, Engagement entwickeln und Chancen nutzen können. So will sie Ideen beflügeln. Ihre Arbeitsweise ist geprägt von einer unternehmerischen, internationalen und professionellen Haltung. Dem Ruhrgebiet, der Heimat der Stifterfamilie, fühlt sie sich in besonderer Weise verbunden.

Pressekontakt

Jochen Heimberg
Pressesprecher
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