Pressemitteilung
Essen, 18.03.2013

Welchen Beitrag kann die mystische Tradition des Islams zur neuen Islamischen Theologie in Deutschland leisten? Welche Rolle spielen Sufi-Netzwerke in der Religiosität europäischer Muslime? Und wie lassen sich ethische Richtlinien aus der islamischen Tradition ableiten? Diesen Fragen widmen sich ab April drei muslimische Nachwuchswissenschaftler, mit deren Aufnahme das Graduiertenkolleg Islamische Theologie nun vollzählig ist. Aufgrund der hohen Zahl qualifizierter Bewerber wurde die Anzahl von Doktorandenstellen dabei um eine weitere auf 16 erhöht. Auf sieben Universitäten verteilt forschen die Doktoranden im Rahmen des Graduiertenkollegs, das die wissenschaftliche Expertise Islamischer Theologie in Deutschland vereint.

Mit ihren Forschungsarbeiten decken die Kollegiaten nun die zentralen thematischen Schwerpunkte der sich derzeit etablierenden Disziplin ab. Sie arbeiten unter anderem zu Fragestellungen in der islamischen Religionspädagogik, der Koranexegese und dem islamischen Recht. Neben der Arbeit an ihrer Promotion absolvieren die Nachwuchswissenschaftler ein standortübergreifendes Studienprogramm, das ihnen vertiefende Kenntnisse in der Islamischen Theologie vermittelt. Bereits im Herbst 2011 begannen die ersten sieben Kollegiaten mit ihren Forschungsarbeiten, im Herbst 2012 kamen sechs weitere Doktoranden hinzu.

Folgende Doktoranden wurden in das Graduiertenkolleg aufgenommen:

  • Herr Dara Alani (38) hat in Erbil (Irak), Bern und Bochum Islamwissenschaften und Geschichte studiert. Er untersucht, was die heutige Islamische Theologie von den Ideen muslimischer Mystiker und Philosophen aus dem 12. und 15. Jahrhundert zum religiösen Pluralismus lernen kann. Betreut wird er dabei von Prof. Dr. Reza Hajatpour an der Universität Erlangen-Nürnberg.
  • Frau Almedina Fakovic (26) ist in Wiesbaden geboren und hat in Mainz und Istanbul Philosophie und Ethnologie studiert. In ihrer Dissertation untersucht sie die Rolle islamisch-mystischer Netzwerke in Europa am Beispiel der Bewegung um den indischen Musiker und Sufi Hazrat Inayat Khan. Ihr Projekt wird von Prof. Dr. Erdal Toprakyaran an der Universität Tübingen betreut.
  • Herr Florian Lützen (30) aus Stuttgart hat in Khartum (Sudan), Bremen und Münster Arabistik, Islamwissenschaft und Islamische Theologie studiert. Seine Promotion widmet sich dem Diskurs theologisch-ethischer Normen des Gelehrten Ahmad Ibn ʿAdschibas zu den Lehren des Mystikers as-Sakandari. Betreut wird seine Arbeit von Prof. Dr. Katajun Amirpur an der Universität Hamburg.

„Mit der Aufnahme dreier neuer Kollegiaten ist das Graduiertenkolleg Islamische Theologie nun vollständig besetzt und stellt die zentrale Säule der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses in der Islamischen Theologie in Deutschland dar. Die große Anzahl hoch qualifizierter Bewerber hat dabei die Erweiterung der Doktorandengruppe auf 16 Kollegiaten nahegelegt“, so Prof. Dr. Bernhard Lorentz, Vorsitzender der Geschäftsführung der Stiftung Mercator. Die Stiftung Mercator fördert das Graduiertenkolleg Islamische Theologie über eine Laufzeit von sechs Jahren mit rund 3,6 Millionen Euro.
„Ich freue mich sehr, dass es uns gelungen ist, mit der letzten Bewerbungsrunde nun alle Schwerpunkte des Kollegs abzudecken. Die drei neuen Kollegiaten werden die bisherige Gruppe dabei nicht nur inhaltlich ergänzen, sondern auch methodisch verstärken“, ergänzt Prof. Dr. Erdal Toprakyaran, Sprecher des Graduiertenkollegs und Leiter des Zentrums für Islamische Theologie Tübingen.

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Jochen Heimberg
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