Pressemitteilung
11.06.2012
Mit der „Agora Energiewende“ geht heute ein neues Denk – und Zukunftslabor an den Start: Im „Rat der Agora“ treten Spitzenvertreter aus Politik, Wirtschaft, Verbänden und Wissenschaft dabei gemeinsam in den Dialog über die Umsetzung der Energiewende. Das gaben die Stiftung Mercator und die European Climate Foundation heute in Berlin bekannt. Beide Stiftungen stellen für die Initiative gemeinsam 12 Millionen Euro zur Verfügung.
„Rat der Agora“ berufen
Im „Rat der Agora“ werden hochkarätige Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Verbänden und Wissenschaft regelmäßig zusammenkommen, um sich über die konkrete Umsetzung der Energiewende auszutauschen. Rainer Baake wird die Agora Energiewende als Direktor leiten. Baake hatte als Staatssekretär im Bundesumweltministerium von 1998 bis 2005 maßgeblichen Anteil am ersten Atomausstieg und am Erneuerbare-Energien-Gesetz. Wissenschaftliche Exper-tise wird die fachliche Grundlage für die Arbeit der Agora bilden. Inhaltlich wird sie sich auf den Stromsektor konzentrieren. Fachlich relevante Themen werden gezielt identifiziert und bearbeitet. Hierfür stellen die Stiftungen ein umfangrei-ches Forschungsbudget zur Verfügung. 
Dem Rat der Agora werden angehören:
Bundespolitik
1. Jürgen Becker (CDU), Staatssekretär im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit
2. Ulrich Kelber, MdB (SPD), Stellvertretender Vorsitzender der SPD- Bundestagsfraktion
3. Oliver Krischer, MdB (Grüne), Sprecher für Energie- und Ressourceneffizienz der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen
4. N.N. (Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie)/ N.N. (FDP)
Landespolitik
5. Lucia Puttrich (CDU), Ministerin für Umwelt, Energie, Landwirtschaft  und Verbraucherschutz des Landes Hessen
6. Franz Untersteller, MdL (Grüne), Minister für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft des Landes Baden-Württemberg 
7. Matthias Machnig (SPD), Minister für Wirtschaft, Arbeit und Technologie des Landes Thüringen
8. N.N. (CSU)
Europäische Union
9. Mechthild Wörsdörfer, EU-Kommission, Generaldirektion Energie (DG ENER) Unit A.1 Energy Policy & Monitoring of electricity, gas, coal and oil markets
Bundesbehörden 
10. Jochen Flasbarth, Präsident des Umweltbundesamtes
11. N.N. Bundesnetzagentur
Gewerkschaften
12. Rainer Hoffmann, Vorsitzender des IB BCE Landesbezirks Nordrhein
13. N.N. (IG Metall oder ver.di)
Umweltverbände 
14. Regine Günther, Leiterin Klima- und Energiepolitik WWF Deutschland
15. N.N.
Verbraucherverbände 
16. Holger Krawinkel, Fachbereichsleiter Bauen, Energie, Umwelt des Verbraucherzentrale Bundesverbands e. V.
Netze
17. Boris Schucht, Vorsitzender der Geschäftsführung der 50Hertz Transmission GmbH
18. N.N. (Verteilnetzbetreiber)
Stromintensive Unternehmen
19. Dr. Erk Thorsten Heyen, Vice President Marketing, Sales and Finance, Wacker Chemie AG  
20. Dr. Martin Iffert, Vorstandsvorsitzender der Trimet Aluminium AG
Erneuerbare Energien-Branche
21. Philippe Welter, Herausgeber Photon 
22. Lothar Schulze, Mitglied der Geschäftsführung der Windwärts Energie GmbH
Energiewirtschaft 
23. Vera Brenzel, Vice President Electricity, E.ON AG
24. Hildegard Müller, Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft e. V. (BDEW)
Stadtwerke 
25. Florian Bieberbach, Kaufmännischer Geschäftsführer der Stadtwerke München GmbH
Wissenschaft 
26. Prof. Dr. Ottmar Edenhofer, Stellvertretender Direktor des Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK)/ Direktor Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC)
27. Dr. Hans-Joachim Ziesing, Geschäftsführer AG Energiebilanzen e. V./Mitglied der Kommission der Bundesregierung zum Monitoring der Energiewende
Weltweites Signal: Der Umbau der viertgrößten Volkswirtschaft
„Es geht nicht mehr um das ‚Ob‘, sondern um das konkrete ‚Wie‘ der Energie-wende“, sagte Prof. Dr. Bernhard Lorentz, Geschäftsführer der Stiftung Mercator. „Was wir jetzt brauchen, ist eine gemeinsame Definition der Herausforderungen, ein klares Verständnis möglicher Lösungen und eine konkrete Vorstellung von den nächsten Schritten. Hierfür haben die Stiftung Mercator und die European Climate Foundation die Agora Energiewende ins Leben gerufen.“
„Die Welt schaut auf die Energiewende in Deutschland“, sagte Dr. Johannes Meier, Geschäftsführer der European Climate Foundation. „Wir senden ein Signal an die internationale Politik. Dieses Signal lautet: Der Umbau der viertgrößten Volkswirtschaft der Welt hin zu einer klimaverträglichen Energieversorgung kann gelingen.“
„Die Agora Energiewende wird wissenschaftlich belastbare Pfade aufzeigen, wie die Transformation unseres Stromerzeugungssystems gelingen kann. Diese müs-sen in sich stimmig sein. Wir brauchen einen robusten Korridor“, sagte Rainer Baake.  „Wir verstehen uns als ein überparteiliches Denk- und Zukunftslabor“, so Baake weiter. „Meine Gespräche haben gezeigt, dass das Interesse an einem solchen gruppenübergreifenden Dialog groß ist. Wir brauchen ein gemeinsames Verständnis der Herausforderungen und einen Grundkonsens über in sich schlüssige Lösungen.“
Fraunhofer-Analyse zeigt zukünftige Herausforderungen auf
Nach der Prognose der Bundesnetzagentur werden im Jahr 2022 etwa 220 Giga-watt (GW) installierte Erzeugungsleistung zur Verfügung stehen. Davon entfallen 90 GW auf konventionelle Kraftwerken und 130 GW auf Erneuerbare Energien. Die erneuerbaren Kapazitäten werden sich wiederum zu knapp 90 Prozent aus Windkraftwerken und Solaranlagen zusammensetzen – also Anlagen bei denen sich die Stromproduktion nach dem Wetter richtet. Das hat Folgen für den Ausgleich von Stromangebot und –nachfrage. 
Um die damit verbundenen Herausforderungen für das Funktionieren des Stromsystems zu illustrieren, hat die Agora Energiewende das Fraunhofer-Insti-tut für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES) beauftragt, eine Simula-tion der Einspeisung aus Erneuerbaren Energien für alle 52 Wochen des Jahres 2022 vorzunehmen.
Die Prognose zeigt: Die hohen Anteile von Wind- und Solarstrom führen zu gro-ßen Schwankungen bei der Einspeisung: Es wird Zeiten geben, wo die Erneuerbaren den gesamten Bedarf decken können und Zeiten, bei denen nur geringe Mengen zur Verfügung stehen. An rund 200 Stunden wird die Stromproduktion aus Erneuerbaren Energien den kompletten Strombedarf sogar übersteigen.  
Zieht man den Stromverbrauch ab, der nicht Teil der öffentlichen Versorgung ist (zum Beispiel die Eigenversorgung von Unternehmen) und bezieht die offiziellen Stromsparziele der Bundesregierung mit ein, steigt die Zahl der Stunden sogar noch deutlich an: Dann würde rein rechnerisch in jeder zehnten Stunde durch Sonne, Wind, Wasser und Biomasse mehr Strom produziert, als in dieser Zeit in Deutschland verbraucht wird. Die Fraunhofer-Analyse belegt somit: Steigende Anteile Erneuerbarer Energien bedeuten ein zunehmendes zeitliches Ausei-nanderfallen von Stromproduktion und -verbrauch. 
Aus dieser Analyse leiten sich zentrale Fragen ab, die in den nächsten Jahren zu beantworten sind – mit klugen Konzepten und praktischer Politik: 
  • Wie sieht der residuale Kraftwerkspark mit konventionellen Energieträgern aus, der mit wachsenden Anteilen Erneuerbarer Energien zusammenpasst? 
  • Mit welchem Marktdesign schaffen wir den erforderlichen Umbau des Energiesystems? 
  • Wie dezentral kann und sollte Versorgungssicherheit hergestellt wer-den und in welchem Umfang brauchen wir großräumige Verbünde? 
  • Wie speichern wir künftig Energie, wenn die wetterabhängige Einspei-sung großer Mengen Wind- und Solarstrom die Nachfrage immer öfter übersteigt? 
  • Wie sieht das optimale Zusammenspiel von Erzeugung, Übertragung, Speicherung und Lastmanagement mit Blick auf Klimafreundlichkeit, Versorgungssicherheit und Gesamtkosten aus? 
  • Und wie bindet man das deutsche Energiesystem sinnvoll in den europäischen Energiemarkt ein?

Die Agora Energiewende tritt an mit dem Ziel, Antworten auf diese Fragen herauszuarbeiten.
Weitere Informationen:

• Fragen und Antworten  > siehe Pressemappe
• Kurzlebenslauf von Rainer Baake > siehe Pressemappe
• Analyse des Fraunhofer-Instituts > siehe Pressemappe
Pressekontakt:
Carel C. Mohn
European Climate Foundation, Kommunikationsdirektor
Tel. 030.8471-21191
M. 0172.313 6154
www.europeanclimate.org
Marisa Klasen
Stiftung Mercator
Kommunikationsmanagerin
Tel. 49 (0) 201 245 22 53 
www.stiftung-mercator.de

Pressekontakt

Jochen Heimberg
Pressesprecher
+49 201 24522-841
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