Stiftung Mercator mit neuer Strategie: Digitalisierte Gesellschaft als neues Thema

Beirat der Stiftung verabschiedet Strategie “Mercator 2025”

Pressemitteilung

Essen, 27.10.2020

Die Stiftung Mercator hat sich nach einem Evaluierungs- und Strategieprozess inhaltlich neu aufgestellt. Sie fokussiert ihre Ziele in den kommenden Jahren stärker und erschließt die Auswirkungen der Digitalisierung als neues thematisches Feld. Die Stiftung sieht ihre Rolle darin, gesellschaftliche Transformationsprozesse mitzugestalten. Die neuen Themen, an denen die Stiftung künftig arbeitet, sind Digitalisierte Gesellschaft, Europa in der Welt, Klimaschutz sowie Teilhabe und Zusammenhalt. In allen Themen spielen Fragen der Transformation des gesellschaftlichen Zusammenhalts, der Zukunft der Demokratie und eines funktionierenden Multilateralismus eine wichtige Rolle.

Digitalisierte Gesellschaft

Der Prozess der Digitalisierung stellt der Gesellschaft nicht einfach neue Werkzeuge zur Verfügung, mit deren Hilfe es unverändert weitergeht. Spätestens mit dem wachsenden Einsatz algorithmischer Systeme zeichnen sich die Umrisse eines fundamentalen Umbruchs fast aller gesellschaftlicher Bereiche ab. Die Stiftung Mercator wird sich diesem Wandel in den kommenden Jahren in drei Hinsichten zuwenden: Sie will die Anpassung der normativen Grundlagen des gesellschaftlichen Zusammenlebens unterstützen, sie will die Demokratie gegen negative Folgen der digitalisierten Gesellschaft verteidigen sowie die Fähigkeit und die Bereitschaft zum öffentlichen Diskurs erweitern.

Europa in der Welt

Das Bestehen der Europäischen Union in der Welt hängt von ihrem inneren Zusammenhalt und der klugen Gestaltung ihres Verhältnisses zu anderen Ländern ab. Die Stiftung Mercator fördert die europapolitische Bildung junger Menschen, damit sie die EU verstehen und mitgestalten. Ebenso setzt sie sich für die Einhaltung von Rechtsstaatlichkeit in der Europäischen Union ein. Seit vielen Jahren stehen für die Stiftung China und die Türkei im Fokus. Die Stiftung will weiterhin das Handeln Chinas und der Türkei und die Verfasstheit ihrer Gesellschaften besser verstehen, sowie möglichst vielfältige Verständigungsformate organisieren, die dem Austausch und der Begegnung mit Menschen aus diesen Ländern dienen. Die Stiftung will künftig die Schaffung von Wissen und Ideen über die Rolle Europas in der Welt unterstützen, d.h. auch zur künftigen Entwicklung einer regelbasierten internationalen Ordnung.

Klimaschutz

Die Stiftung Mercator setzt sich dafür ein, dass Deutschland bis 2050 treibhausgasneutral wird. Die Stiftung will dazu beitragen, dass Deutschland und die EU beim Klimaschutz eine globale Führungsrolle übernehmen. Die Stiftung Mercator sieht die Herausforderung, im Zuge der Klimawende sowohl Emissionen zu mindern als auch den Volkswirtschaften Innovations- und Wachstumsimpulse zu geben und soziale Ungleichheit zu vermindern. Dafür will die Stiftung in der kommenden Strategiephase eine solide analytische Grundlage schaffen. Vertieft soll künftig herausgearbeitet werden, welche Auswirkungen der Klimawandel auf verschiedene Lebensbereiche hat, wie beispielsweise Finanzen und Gesundheit. Die Stiftung Mercator will den gesellschaftlichen Rückhalt für den Klimaschutz stärken, indem sie den Austausch zwischen Klimaschutzakteuren und anderen zivilgesellschaftlichen Gruppen fördert, die in bestimmten Aspekten vom Klimawandel betroffen sind. Fortgesetzt wird die Förderung einer faktenbasierten Medienberichterstattung, um der Polarisierung des öffentlichen Diskurses entgegenzutreten.

Teilhabe und Zusammenhalt

Die Stiftung Mercator setzt sich dafür ein, dass alle Menschen in Deutschland, unabhängig von ihrer sozialen und ökonomischen Lage, ihrer kulturellen oder ethnischen Herkunft gleiche Chancen auf Bildung und Teilhabe bekommen. Um diese Chancengleichheit herzustellen, ist es aus Sicht der Stiftung Mercator essenziell, dass sich der Umgang mit Diversität in zentralen gesellschaftlichen Bereichen verändert und das Recht auf chancengleiche Bildung ermöglicht wird. Durch die Stärkung der Akzeptanz von Differenz und Vielfalt aber auch durch den Austausch und die Begegnung von Menschen unterschiedlicher Herkunft will die Stiftung zu einem stärkeren gesellschaftlichen Zusammenhalt beitragen. Sie befördert zudem die Entwicklung tragfähiger integrationspolitischer Ansätze auf Landes- sowie auf kommunaler Ebene, die das Ankommen neu zugewanderter Menschen erleichtern, Zugänge zum Arbeitsmarkt verbessern und dadurch Teilhabe ermöglichen.

Kulturelle Bildung: Stiftung hat ihr Ziel erreicht

Kulturelle Bildung ist kein Schwerpunktthema mehr der neuen Strategie. Mit dem Erreichen ihrer selbst gesetzten Ziele endet das Engagement der Stiftung in diesem Themenfeld. Die Stiftung hat seit 2010 an der Umsetzung ihrer Ziele im Bereich Kulturelle Bildung gearbeitet. Es ist der Stiftung gelungen, die Kulturelle Bildung als Teil der allgemeinen Bildung in den Strukturen und Qualitätsvorgaben aller 16 Bundesländer nachhaltig zu verankern. Damit hat die Stiftung viel für die kulturelle Teilhabe von Kindern und Jugendlichen erreicht, die aus sozialen und ökonomischen Gründen zuvor weniger Zugänge zu künstlerischen Aktivitäten erhielten. Die gewonnenen Erkenntnisse und geknüpften Netzwerke will die Stiftung Mercator bis 2022 in dauerhaft tragfähige Strukturen überführen.

Mit dem Beginn der neuen Strategieperiode endet zum Jahresende auch das Engagement von Winfried Kneip, der seit 2009 die Verantwortung für das Bildungsressort der Stiftung trug, wo er für die Bereiche Integration und Kulturelle Bildung verantwortlich war. Seit 2014 war er Teil der Geschäftsführung der Stiftung. Rüdiger Frohn, Vorsitzender des Beirats der Stiftung würdigte seine Arbeit: "Kulturelle Bildung ist ein Instrument, das in einer vielfältigen Gesellschaft jungen Menschen andere Ausdrucksmöglichkeiten bietet als die rein sprachlichen. Winfried Kneip hat einen großen Anteil daran, dass es heute einen bildungspolitischen Konsens gibt, Kulturelle Bildung als unverzichtbaren Teil allgemeiner Bildung zu verstehen. Er hat mit seinem Team seit 2009 große Fortschritte darin erzielt, kulturelle Bildung in die Schule zu bringen – mit hoher Qualität und vielen Partnern in Politik und Zivilgesellschaft. Er hat so dazu beigetragen, dass wir in diesem Thema konsequent und vor der Zeit unser strategisches Ziel erreicht haben. Im Bereich Integration hat die Stiftung unter seiner Führung ein bundesweites Renommee in den Themen Sprachbildung, Ganztag und Bildungschancen erworben. Ihm gilt daher unser außerordentlicher Dank. Wir wünschen ihm von Herzen alles Gute und freuen uns, dass er unserer Stiftung in ihren Themen weiter verbunden bleibt."