Faktencheck: Wie gefährdet sind die Eisbären?

Nordpolgipfel des Arktischen Rats rückt Symboltier des Klimawandels ins Blickfeld

Pressemitteilung

Berlin, 23.04.2015

Die Website des Arktischen Rates wird in diesen Tagen häufiger angeklickt – am Wochenende tagen die Nordpolanrainerstaaten im kanadischen Iqaluit. Dass einem auf der Website die braunen Augen eines Eisbären entgegenblicken, ist kein Zufall: Kaum ein Tier steht in der Öffentlichkeit so sehr für die Gefahren des Klimawandels wie der Eisbär. Und bei den Tagungen des Arktischen Rates stehen die Klimaveränderungen im Eis als Treiber der politischen Spannungen am Nordpol als Dauerthema auf der Tagesordnung.

Doch stimmt die gängige Verbindungslinie zwischen Klimawandel und Eisbärenschwund überhaupt? Für das Symboltier Eisbär haben zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten belegt, dass seine Lebensräume durch die Erderwärmung zunehmend bedroht sind. Trotzdem hält sich weiterhin die Behauptung, den Eisbären gehe es nicht so schlecht, und ihre Zahl nehme trotz Klimawandel zu. In einem jetzt veröffentlichten Faktencheck ist das Wissensportal klimafakten.de diesen Behauptungen auf den Grund gegangen.

Das Fazit: Die exakte Zahl der Eisbären, die in der arktischen Wildnis leben oder lebten, ist nicht bekannt. Aber es gibt klare Belege dafür, dass schon heute der Klimawandel die Gesundheit der Bestände beeinträchtigt: Weil das Meereis rings um den Nordpol schwindet, wird die Jagd nach Robben schwieriger und damit die Ernährung vor allem des Eisbären-Nachwuchses. In einigen der besser erforschten Lebensräume schrumpfen die Vorkommen bereits – und bei fortschreitendem Klimawandel halten Wissenschaftler das langfristige Überleben des Eisbären für unsicher.

Bestandszahlen und Populationen: Kein Aufwärtstrend in Sicht

Exakte Daten über die weltweite Zahl der in der Arktis verstreut lebenden Eisbären gibt es nicht. Forscher gehen von etwa 20.000 bis 25.000 Tieren aus. Die Behauptung, trotz des Klimawandels habe sich ihre Zahl in den vergangenen Jahrzehnten vervielfacht, ist aber sicherlich falsch. Sie basiert auf einer Schätzung, in den 1950/1960er Jahren habe es weltweit lediglich 5.000 Tiere gegeben – diese Zahl aber wurde rückblickend als zu niedrig revidiert. Hingegen dürfte es den Tatsachen entsprechen, dass durch die Einschränkung der Jagd in den 1960/1970er Jahren die Zahl der Eisbären zunahm. Doch dieser Aufwärtstrend stoppte spätestens ab Ende 1990er Jahre, seit sich in der Arktis die Erderwärmung bemerkbar macht und die Lebensräume des Eisbären zunehmend bedroht sind.

Die Wissenschaft unterscheidet 19 separate Vorkommen (fachsprachlich: "Teilpopulationen"), die sich auf die Regionen rings um den Nordpol verteilen. Ihre Größe reicht von nur rund 150 Tieren im Kane Basin zwischen Grönland und der Ellesmere-Insel im kanadischen Territorium Nunavut bis zu etwa 2500 Tieren in der Barentsee nördlich von Norwegen und Russland. Die "Polar Bear Specialist Group" (PBSG) der Weltnaturschutzunion (IUCN) schätzt in regelmäßigen Abständen die Größe und Entwicklung der Teilpopulationen: Mit Stand 2014 konstatierte sie für drei dieser Populationen einen Rückgang, sechs stufte sie als stabil ein, lediglich eine (noch dazu zahlenmäßig kleine) nahm in ihrem Bestand zu. Für neun Unterpopulationen lagen nicht genügend Daten vor, um verlässliche Aussagen machen zu können. Dabei ist zu beachten, dass sich diese Aussagen auf die kurzfristige Entwicklung beziehen; längerfristig betrachtet (über etwa 25 Jahre), sind auch einige der aktuell als stabil eingestuften Bestände bereits kleiner geworden.

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Carel Carlowitz Mohn
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