Erste Studienpioniere erhalten Stipendium – die Westfälische Hochschule macht den Anfang

Stiftung Mercator und Stifterverband für die deutsche Wissenschaft fördern talentierte Erstakademiker mit insgesamt rund 130.000 Euro, eine von ihnen ist die 21-jährige Mabel de la Rosa

Pressemitteilung

Essen/Recklinghausen, 18.12.2013

Fast 8.000 Kilometer hat Mabel de la Rosa zurückgelegt auf ihrem Weg zur Hochschule und dabei auch so manche Hürde überwunden. Seit September studiert sie nun Internationales Wirtschaftsrecht an der Westfälischen Fachhochschule in Recklinghausen, geboren wurde sie in der Dominikanischen Republik. De la Rosa gehört zu den ersten Stipendiaten der Initiative Studienpioniere der Stiftung Mercator und des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft. „Ich habe hier eine Chance bekommen. Jetzt muss ich Gas geben!“, sagt die 21-Jährige. Neben ihr werden acht weitere Stipendiaten im Rahmen des Programms an der Hochschule gefördert. Alle neun sind Studienpioniere, also die ersten, die in ihren Familien studieren. Damit gehören sie zu einer Minderheit, denn von 100 Nicht-Akademiker-Kindern nehmen nur 23 ein Studium auf, bei Kindern aus Akademiker-Familien sind es mehr als drei Mal so viele.

Bis zu ihrem achten Lebensjahr lebte de la Rosa in der Dominikanischen Republik. Dann zog sie mit ihrem dominikanische Vater und ihrer deutschen Mutter nach Karlsruhe. Dass sie bei ihrer Ankunft kein Deutsch sprach, machte ihr im ersten Jahr Probleme. Dank Sprachförderunterricht erlernte sie aber schnell die Sprache und besuchte nach der Grundschule eine Realschule. Am Ende der sechsten Klasse wurde ihr dann von ihren Lehrern der Wechsel auf ein Gymnasium empfohlen. „Doch meine Mutter wollte lieber, dass ich einen guten Realschulabschluss statt eines nicht so guten Abiturs mache.“ Deshalb blieb sie auf der Realschule.

Die mittlere Reife besteht de la Rosa 2008 mit einem Einser-Abschluss und beginnt eine Ausbildung beim Karlsruher Institut für Technologie. Doch die angehende Industriekauffrau will mehr: „Ich wollte mich weiterbilden. Ich wollte dieselben Chancen haben wie die anderen.“ Sie besuchte dreimal wöchentlich die Abendschule, denn weiterhin Vollzeit zur Schule zu gehen, war finanziell nicht möglich.

Mit der Fachhochschulreife in der Tasche bewarb sich de la Rosa in diesem Jahr für einen Studienplatz in Internationalem Wirtschaftsrecht. Die Talentscouts der Westfälischen Hochschule erkannten sofort ihr Potenzial und ermunterten sie, sich für eines der Stipendien zu bewerben, das die Stiftung Mercator und der Stifterverband für Studienpioniere zur Verfügung stellen. In der Auswahl setzt sie sich durch und wird eine der ersten neun Stipendiaten des Programms. „Durch das Stipendium habe ich so viel Zuspruch bekommen – das bestärkt mich. Leute haben über mich gesprochen und entschieden, dass ich das packe.“ Nicht nur ihr Selbstbewusstsein wurde gestärkt; auch die 300 Euro, die sie nun monatlich bekommt − die eine Hälfte kommt aus dem Topf der Initiative Studienpioniere, die andere vom Bundesbildungsministerium im Rahmen des Deutschlandstipendiums − erleichtern ihr den Alltag.

Cornelia Schu, Leiterin des Themenschwerpunkts Integration, leitet das Projekt Studienpioniere in der Stiftung Mercator. Sie freut sich, dass sich die Hochschule für de la Rosa entschieden hat: „Ihr Beispiel zeigt, dass es auf dem Weg zum Studium für Kinder aus Nicht-Akademiker-Familien viele Hürden gibt, zumal, wenn zuwanderungsbedingt zunächst der Spracherwerb eine Herausforderung darstellt. Daher unterstützen wir mit der Initiative Studienpioniere Hochschulen dabei, solche Talente zu entdecken und dann bis zum erfolgreichen Studienabschluss zu begleiten.“ Neben der Westfälischen Hochschule haben sich neun weitere Fachhochschulen für das Programm qualifiziert und werden im Laufe des kommenden Jahres mit der Rekrutierung von Studienpionieren beginnen.

Über die Initiative Studienpioniere:
Zehn Fachhochschulen aus ganz Deutschland haben sich in einem zweistufigen Auswahlverfahren für die Teilnahme an der Initiative Studienpioniere von Stiftung Mercator und Stifterverband für die deutsche Wissenschaft qualifiziert. Die Fachhochschulen erhalten für eine Laufzeit von bis zu vier Jahren Mittel für je 18 Stipendien in Höhe von monatlich 150 Euro, die sie mit Geldern des Bundes im Rahmen des Deutschlandstipendiums verdoppeln können. Außerdem bekommt jede Hochschule 170.000 Euro Strukturfördermittel, um Konzepte zu verwirklichen, mit denen sie gezielt Personen aus Nicht-Akademiker-Familien für ein Studium rekrutieren und während diesem betreuen können. Die Westfälische Hochschule hat die ersten Stipendien vergeben.

Weitere Informationen und eine Übersicht aller teilnehmenden Hochschulen:
www.stiftung-mercator.de/studienpioniere
www.stifterverband.de/studienpioniere

Bei Fragen sprechen Sie uns gerne an:

Moritz Kralemann
Pressesprecher
Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft
Tel.: +49 (0) 30 322 982-527
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