Sinan Erensü

“Wenn Strom vor Ort produziert wird: Möglichkeiten und Grenzen von Energiegenossenschaften für eine demokratische Energiewende”

Sinan Erensü
Özgür Baykal

Sinan Erensü

Fellowship
IPC Fellowship
Vergebende Institution
Institution, an der das Projekt realisiert wird
Zeitraum des Fellowships
September 2019 - August 2020
Projekt
“Wenn Strom vor Ort produziert wird: Möglichkeiten und Grenzen von Energiegenossenschaften für eine demokratische Energiewende”
Beschreibung des Projektes

Trotz des steigenden Bewusstseins für den Klimawandel ist die Energiepolitik für normale Bürger*innen immer noch etwas, das anscheinend außerhalb seiner Kontrolle liegt. Entscheidungen zur Klimapolitik werden auf internationalen Gipfeltreffen und hinter verschlossenen Türen ohne Einbeziehung der Öffentlichkeit gefällt, was bei den Bürger*innen zu einem Gefühl der Angst und Hilflosigkeit oder zu Indifferenz führt. Grundlegende Praktiken, die eine Bürgerbeteiligung bei der Umsetzung der Klimapolitik erhöhen könnten, wie z. B. zeitnahe Informierung der Bürger*innen oder die Einrichtung von Instrumenten für Feedback und Zustimmung (oder sogar die Einbeziehung in Planung und Budgetierung) werden selbst auf lokaler Ebene eher belächelt oder gar ignoriert.

Bei dieser Forschungsarbeit geht es um die kritische Betrachtung der Distanz zwischen der lokalen Bevölkerung, dem politischen Umgang mit dem Klimawandel und der Umsetzung der Energiewende. Sie beleuchtet die Frage, wie Bürger*innen sich dafür einsetzen können, ihre eigene Energieversorgung mitzubestimmen. Wissenschaftler und Aktivisten haben in jüngerer Zeit das Konzept der Energiedemokratie entwickelt und vorangetrieben, um faire Bedingungen für die Energiewende zu schaffen, historische und räumliche Ungleichheiten auszugleichen, lokale Bedürfnisse zu berücksichtigen, die Bürgerbeteiligung zu fördern und die Kontrolle über Energiesysteme zu dezentralisieren. Trotz ihrer steigenden Beliebtheit ist die Energiedemokratie bisher nicht viel mehr als ein Schlagwort, da praxistaugliche Modelle noch fehlen. Genossenschaften für erneuerbare Energien gehören zu den wenigen Institutionen, mit deren Hilfe eine zukünftige Energiedemokratie ausprobiert, hinterfragt und verbessert werden kann.

Kurzbiografie

Sinan Erensü ist politischer Ökologe und hält einen PhD von der University of Minnesota (2016) und einen MPhil der Cambridge University (2006), beide in Soziologie. Von 2016 bis 2018 war er Keyman Postdoctoral Fellow am Buffett Institute for Global Studies an der Northwestern University, wo er Energiepolitik und globale öffentliche Güter („Global Commons“) lehrte. In seiner Dissertation mit dem Titel Fragile Energy: Power, Nature and Politics of Infrastructure in the ‘New Turkey’ untersucht er die politische Maßnahmen und Energieinfrastrukturen in der Türkei des 21. Jahrhunderts, mit besonderem Schwerpunkt auf Investitionen in kleine Wasserkraftanlagen an der türkischen Schwarzmeerküste und der Basisbewegung gegen diese Anlagen. Darüber hinaus ist er Herausgeber von zwei auf Türkisch erschienenen Büchern: Sudan Sebepler (Gründe für Wasser), in dem in 18 empirisch fundierten Artikeln die politisch-räumliche Rolle von Wasserkraft für die Weiterentwicklung der Türkei untersucht wird, sowie İsyanın ve Umudun Dip Dalgası (Unterton der Hoffnung und des Aufstands), einem Band über die Geschichte der urbanen und ökologischen Konflikte in der Türkei. Aktuell arbeitet Dr. Erensü an einem Manuskript mit dem Titel Authority in Concrete: Infrastructural Politics of Dispossession über das zunehmende Bewusstsein für die Dringlichkeit im Zusammenhang mit der Zweckdienlichkeit, Attraktivität und Fairness öffentlicher Infrastrukturen. Sein Interesse in Forschung und Lehre gilt außerdem der politischen und Umweltsoziologie, dem städtischen und ländlichen Raum, der Entwicklungssoziologie, sozialen Bewegungen, Wasser- und Energieinfrastrukturen und der Enteignungspolitik. Im Rahmen seiner Arbeit als IPC-Mercator Fellow konzentriert er sich auf das Konzept der Energiedemokratie und darauf wie Bürger*innen Anspruch auf Mitgestaltung der Energiepolitik und -produktion erheben können, einem traditionell wenig zugänglichen Bereich der Politik. Dr. Erensü ist Gründungsmitglied und Forschungsdirektor des Mekanda Adalet Derneği (Zentrum für räumliche Gerechtigkeit), einer Non-Profit-Organisation mit Sitz in Istanbul, die sich für die kollektive Schaffung demokratischer, zugänglicher, ökologischer und fairer urbaner und ökologischer Räume einsetzt. Informationen zu seiner Arbeit finden sich auch unter umn.academia.edu/SinanErensü.