Tagen gegen antimuslimischen Rassismus am 1. Juli: Mehr als 20 Organisationen setzen leuchtendes Zeichen gegen Islam- und Muslimfeindlichkeit

Lichtinstallationen erleuchten die Wahrzeichen von Berlin, Hamburg, München, Köln und Dresden mit einer drastischen Botschaft. Ziel ist es, auf die zunehmende Islam- und Muslimfeindlichkeit in Deutschland und die möglichen Folgen aufmerksam zu machen.

Pressemitteilung der MUTIK gGmbH

Berlin, 28.06.2018

Erst im Mai wurde einer Frau in Berlin aufgrund islamfeindlicher Motive ins Gesicht geschlagen. Gegen eine Busfahrerin wird derzeit ermittelt, weil sie einer muslimischen Frau den Hitlergruß gezeigt haben soll. Beleidigungen oder Bedrohungen bis hin zu gewalttätigen Angriffen ereignen sich mittlerweile jeden Monat in Deutschland. Die Hemmschwelle für tätliche Übergriffe sinkt. 1.075 Übergriffe auf Muslim*innen und muslimische Einrichtungen wurden 2017 in Deutschland erstmals als explizit „islamfeindlich“ strafrechtlich erfasst – die Dunkelziffer antimuslimischer Hassverbrechen wird von Expert*innen jedoch wesentlich höher, auf das Achtfache, geschätzt.

Nina Mühe, Projektverantwortliche von CLAIM: „Das Klima und der Ton gegenüber Muslim*innen in diesem Land ist rauer geworden - sei es in Talkshows, auf der politischen Bühne oder in alltäglichen Begegnungen. Offene Islam- und Muslimfeindlichkeit ist Alltag in Deutschland. Die Lichtinstallationen sollen Aufmerksamkeit schaffen für ein trauriges Phänomen, welches den wenigsten Menschen in Deutschland präsent ist. Wir wollen das Thema Islam- und Muslimfeindlichkeit auf die Agenda setzen und auf die menschenverachtenden Wirkungen des Islamdiskurses in Deutschland aufmerksam machen. Immer mehr Menschen scheinen sich durch islamfeindliche Debatten ermutigt zu sehen, Muslim*innen und Menschen, die sie für solche halten, zu beleidigen, zu diskriminieren oder sogar körperlich anzugreifen. Mit Sorge beobachten wir ein Klima der Verrohung in Deutschland, das unser Zusammenleben und schließlich auch unsere Demokratie gefährdet. Es ist Zeit. Wir brauchen mehr Solidarität mit der muslimischen Bevölkerung in Deutschland – jeden Tag. Dafür machen wir uns stark - am 1. Juli und darüber hinaus.“

Der Tag gegen antimuslimischen Rassismus am 1. Juli wurde vom Rat muslimischer Studierender & Akademiker (RAMSA) 2014 ins Leben gerufen. Am 1. Juli 2009 wurde im Landgericht Dresden die schwangere Pharmazeutin Marwa El-Sherbini aus einem islamfeindlichem Reflex ermordet. Eine Tat, die auch international zur Zäsur dafür wurde und deutlich macht welche Auswirkungen Islamfeindlichkeit haben kann.

Ein Bündnis aus mehr als 20 Organisationen engagiert sich in diesem Jahr anlässlich dieses Tages und macht so die Islam- und Muslimfeindlichkeit durch Vorträge, Diskussionsveranstaltungen und Aktionen bundesweit in Saarbrücken, Bremen, Berlin, Köln, Stuttgart oder Solingen zum Thema. Darunter sind: Abrahamisches Forum Deutschland, AntiDiskriminierungsBüro Köln, Antidiskriminierungsnetzwerk Berlin des TBB (ADNB des TBB), Aktionsbündnis muslimischer Frauen in Deutschland e.V. (AmF), Begegnungs- und Fortbildungszentrum muslimischer Frauen e.V., Breaking Up, FAIR international, Netzwerk gegen Diskriminierung und Islamfeindlichkeit (Inssan e.V.), isaar, Junge Islam Konferenz, Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus (KIgA e.V.), La Red, ADAS/Life e.V., minor, NIR - Netzwerk gegen Islamfeindlichkeit und Rassismus Leipzig, RAHMA, Rat muslimischer Studierender & Akademiker (RAMSA), Stiftung für die Internationalen Wochen gegen Rassismus, Mosaik, ufuq.de, Verband binationaler Familien und Partnerschaften, WoW e.V., Zentrum für Europäische und Orientalische Kultur e.V. (ZEOK e.V. ).

Zeynep Çetin, Projektleiterin des Netzwerks gegen Diskriminierung und Islamfeindlichkeit betont: „Allein dem Netzwerk gegen Diskriminierung und Islamfeindlichkeit, der staatlich geförderten Anlauf- und Antidiskriminierungsberatungsstelle von Inssan e.V., wurden 2016 und 2017 insgesamt 225 antimuslimisch motivierte Diskriminierungsfälle aus Berlin gemeldet. Es kann jedoch davon ausgegangen werden, dass die Dunkelziffer weitaus höher anzusetzen ist. Bedrohungen, Benachteiligungen, Beleidigungen und Ausgrenzungen bis hin zu tätlichen Übergriffen gehören zum Alltag vieler Muslim*innen. In vielen Lebensbereichen richtet sich antimuslimische Diskriminierung auffällig oft gegen sichtbar muslimische Frauen*. In unserer Beratungsarbeit erleben wir, dass in unserer Gesellschaft ein Klima herrscht, in dem es für viele Menschen rechtens erscheint, Muslim*innen zu diskriminieren. Um dem grassierenden antimuslimischen Rassismus in unserer Gesellschaft entgegenzuwirken ist es höchste Zeit, dass sich alle, die sich für ein demokratisches Miteinander einsetzen, zusammentun um Betroffene zu unterstützen und sich entschieden mit ihnen zu solidarisieren.“

Weitere Informationen zum Tag gegen antimuslimischen Rassismus unter:
www.allianzgegenhass.de

Über CLAIM: CLAIM ist eine gesamtgesellschaftliche Allianz gegen Islamfeindlichkeit und antimuslimischen Rassismus in Deutschland. Hinter der Initiative steht ein wachsendes bundesweites Netzwerk von derzeit 35 Organisationen und Projekten, die zum Themenfeld Islam- und Muslimenfeindlichkeit arbeiten. CLAIM bündelt Wissen und Aktivitäten und schafft Strukturen zur Aufklärung und Prävention im gesamtgesellschaftlichen Problemfeld.

CLAIM wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ gefördert und ist Teil der Strukturentwicklung zum bundeszentralen Träger im Themenfeld „Prävention von Islam- und Muslimfeindlichkeit und Empowerment von Betroffenen“. CLAIM ist ein Projekt der MUTIK gGmbH im Geschäftsbereich Junge Islam Konferenz Deutschland, gefördert durch die Stiftung Mercator.

Die Inhalte dieser Pressemitteilung geben nicht notwendigerweise die Meinung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) oder die Meinung der einzelnen Allianzmitglieder von CLAIM wieder.

Weitere Informationen zu CLAIM unter www.claim-allianz.de

Für weitere Pressefragen wenden Sie sich gerne an:

CLAIM – Allianz gegen Islam- und Muslimfeindlichkeit

Rima Hanano | Kommunikationsmanagerin

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 Cathrin Sengpiehl
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