Studie: Kooperationen stärken Regionen und die Wissenschaft

Anhaltend positiver Trend: Die Wissenschaftsregion Ruhr nimmt weiter an Bedeutung zu

Pressemitteilung

Essen, 07.04.2016

Wissenschaftsregionen bzw. regionale Kooperationen von Wissenschaftseinrichtungen tragen zur Profilbildung von Hochschulen bei, erhöhen deren überregionale Sichtbarkeit, schonen undbündeln Ressourcen und können handfeste ökonomische Effekte erzielen. Das belegt eine neue Studie von CHE Consult im Auftrag der Stiftung Mercator, die heute veröffentlicht wird.

„Die vorliegende Publikation knüpft an eine Vorgängerstudie aus dem Jahr 2010 an und zeigt uns wertvolle Handlungsempfehlungen für unsere Arbeit im und für das Ruhrgebiet auf. Unser Ziel ist es, durch Vernetzung und Abstimmung von Akteuren und Institutionen den Bildungs- und Wissenschaftsraum Ruhrgebiet nachhaltig zu stärken“, erläutert Dr. Oliver Döhrmann, Projektmanager der Stiftung Mercator, die Motivation für die Studie.

„Die Universitätsallianz Ruhr hat in der Forschung an Substanz gewonnen. Besonders gut gelungen ist es zudem, zusätzliche Studierende auch unter neuen Zielgruppen zu gewinnen. Wissenschaft kann auf diese Weise im Ruhrgebiet der zentrale Treiber für die regionale Entwicklung sein. Allerdings sollte in den kommenden Jahren eine Gesamtstrategie für die Wissenschaftsregion Ruhr forciert werden. Daneben müssen sich die Hochschulen weiter der Herausforderung der zunehmenden Heterogenität unter den Studierenden stellen“, sagt der Leiter der Studie und CHE Consult Geschäftsführer Dr. Christian Berthold.

Ergebnisse der Studie für das Ruhrgebiet

Das Ruhrgebiet steht vor der Herausforderung, den Übergang von Europasgrößter Montanregion - ohne Bildungstradition - in eine national wieinternational wettbewerbsfähige Wissenschaftsregion zu vollziehen. „Wir sinddavon überzeugt, dass Bildung und Wissenschaft die zentralen Schlüssel füreinen erfolgreichen Strukturwandel sind“ – so Oliver Döhrmann. Der politischeWille zur Gestaltung einer gemeinsamen Region ist vorhanden, aber nochausbaufähig, so mangelt es beispielsweise noch an einem Gesamtkonzept zur Entwicklung einer Wissenschaftsregion. Große Erfolge konnten bereits in der Mobilisierung von Bildungsreserven verzeichnet werden. Die hohen Steigerungsraten bei den Studierendenzahlen der Ruhrgebietshochschulen inden letzten Jahren gingen nicht mit einem positiven Wanderungssaldo einher. Dies bedeutet, dass mehr Kinder aus dem Ruhrgebiet und zunehmend auch aus bildungsfernen Schichten sich für ein Studium entscheiden. Hervorzuheben ist zudem der anwachsende Anteil an sogenannten Bildungsausländern – also Studienanfängern mit ausländischer Hochschulzugangsberechtigung – die sich an Hochschulen im Ruhrgebiet eingeschrieben haben. Dies spricht für eine wachsende internationale Reputation der Hochschulen. Um aber auch noch mehr Menschen aus anderen Regionen von den Stärken des Wissenschaftsstandorts Ruhrgebiet zu überzeugen, bedarf es eines tiefgreifenden Imagewandels. Noch immer haftet das Image von Kohl, Stahl und Industrie an der Region. Weiterhin wird deutlich,dass die Zunahme der Professuren an den Ruhrgebietshochschulen mit dem schnellen Zuwachs der Studierendenzahlen nicht Schritt gehalten hat. Dies führt laut Studie zu einem noch immer deutlich verbesserungswürdigen Betreuungsverhältnis. Auch die zur Verfügung stehenden Mittel pro Studierendem fallen im bundesweiten Vergleich eher niedrig aus. Gerade für Regionen wie dem Ruhrgebiet, in denen besondere Anstrengungen zum Heben von Bildungsreserven unternommen werden, sollten jedoch mehr statt weniger Mittel investiert werden.

Im Bereich der Forschung liegen Stärken des Ruhrgebiets insbesondere in den technischen Fächern wie Maschinenbau, aber auch in den Sozialwissenschaften. Dies zeigt sich in im nationalen Vergleich hohen Drittmitteleinnahmen und bereits bestehenden und künftig nochauszubauenden Kooperationen zwischen den Hochschulen und der Wirtschaft. So belegt die Studie, dass die Universität Duisburg-Essen bereits heute zu den drei Hochschulen Deutschlands mit dem höchsten Anteil an Drittmitteln aus Wirtschaft und Industrie gehört.

Hochschulkooperationen im Ruhrgebiet

Die Studie unterstreicht weiterhin, dass Hochschulen verstärkt auch untereinander kooperieren und dadurch einen Mehrwert für sich und für ihre Regionen schaffen. Bekanntestes Beispiel im Ruhrgebiet ist die Universitätsallianz Ruhr (UA Ruhr). Wie auch von der Studie attestiert ist die UA Ruhr eine außergewöhnlich enge und vor allem freiwillige Kooperationbenachbarter großer Universitäten. Als Hauptziele werden die Kooperation und Vernetzung von Forschern, die Erweiterung des Lehrangebots für die Studierenden sowie infrastrukturelle Kooperationen verfolgt. So können die Studierenden beispielsweise Lehrveranstaltungen an allen drei Universitäten belegen und damit aus einem breiten Angebot von insgesamt 50 Fakultätenwählen. Daneben nutzen auch die Fachhochschulen des Ruhrgebiets verstärkt die Chancen der zahlreichen Hochschulen in der Region. In der sogenannten RuhrMasterSchool haben Studierende die Möglichkeit, die Ressourcen und Angebote insbesondere in technischen Masterstudiengängen aller beteiligten Fachhochschulen zu nutzen. Auch in Bezug auf Forschung finden sich mehr und mehr gemeinsame regionale Initiativen, die im Kern den Aufbau hochschulübergreifender Schwerpunkte zum Ziel haben. Diese strategische Seite 3 von 4 Profilbildung in der Forschung der drei UA-Ruhr-Universitäten wird vor allemdurch das Mercator Research Center Ruhr (MERCUR) gefördert. Aber auch die Vernetzung in der Lehre wird zunehmend von MERCUR unterstützt. Übergeordnetes Ziel all dieser Aktivitäten ist die Bündelung und Sichtbarmachung von Potenzialen in Forschung und Lehre, die ein Alleinstellungsmerkmal von kooperierenden Hochschulen bilden. Als kommende Aufgabe kann die weitere Intensivierung der Kooperation zwischen Universitäten und der Wirtschaft sowie den außeruniversitären Forschungsinstitutionen gesehen werden. Des Weiteren sollten die vielen bestehenden einzelnen Aktivitäten durch eine gemeinsame Strategie koordiniert werden, um die Verbindlichkeit und Nachhaltigkeit der Maßnahmen zu erhöhen.

Die Studie steht kostenlos zum Download zur Verfügung:

https://www.stiftung-mercator.de/de/publikation/erfolgsfaktoren-wissenschaftlicher-metropolregionen-2015-datenbericht/

https://www.stiftung-mercator.de/de/publikation/erfolgsfaktoren-wissenschaftlicher-metropolregionen-2015-studie/

 

 

 

 

 

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 Cathrin Sengpiehl
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