Stipendienstudie 2016: Frauen, Arbeiter- und Einwandererkinder sind bei der Stipendienvergabe benachteiligt

Große Unterschiede in den Stipendienchancen.

Pressemitteilung der ItS Initiative für transparente Studienförderung

Berlin/Essen, 13.10.2016

Trotz besserer Noten erhalten Frauen weniger Stipendien als Männer / Auch Studierende mit Migrationshintergrund und Nicht-Akademikerkinder haben schlechtere Chancen auf ein Stipendium / Regionalanalyse zeigt zudem Benachteiligung des Ruhrgebiets.

Die bisher größte Studie zur Stipendiensituation in Deutschland zeigt Benachteiligungen sowohl für Personengruppen als auch erhebliche Regionalunterschiede. Durchgeführt wurde die Studie im Juni 2016 von der ItS Initiative für transparente Studienförderung (www.myStipendium.de) und der Stiftung Mercator. An ihr nahmen insgesamt knapp 28.000 Studierende und Abiturienten aller deutschen Hochschulen teil.

Die Studie zeigt, dass die Kluft zwischen den Geschlechtern bei der Stipendienvergabe in Deutschland erheblich ist. Die Ungerechtigkeit in der Lohnverteilung ist schon länger bekannt. Neu ist die Erkenntnis in Bezug auf Stipendien. Frauen bewerben sich weniger häufig um Stipendien und sind mit ihren Bewerbungen auch weniger erfolgreich. Dabei hatten die an der Studie teilnehmenden Frauen einen deutlich besseren Notenschnitt als ihre männlichen Pendants. Da ist die geringere Erfolgsquote beim Rennen um Stipendien umso überraschender.

Nicht-Akademikerkinder und Studierende mit Migrationshintergrund haben weniger Chancen auf ein Stipendium

Akademikerkinder dominieren weiter das Stipendienwesen. Sie versenden mehr Bewerbungen aber vor Allem haben sie mit ihren Bewerbungen auch viel mehr Erfolg. Bei Kindern aus Akademikerfamilien erhalten von 100 Bewerbern 41 ein Stipendium. Bei Nicht-Akademikerkindern sind es nur 34. Insgesamt erhalten Kinder aus Akademikerfamilien so 30%  häufiger ein Stipendium als Nicht-Akademikerkinder.

Auch Studierende mit Migrationshintergrund erhalten weniger Stipendien als solche ohne Migrationshintergrund. Einwandererkinder trauen sich zu selten: Sie bewerben sich weniger häufig. Außerdem haben sie mit ihren Bewerbungen deutlich weniger Erfolg. Gerade bei den 13 Begabtenförderungswerken bewerben sie sich besonders selten. Zudem sind Studierende mit Migrationshintergrund im Vergleich zu Studierenden ohne Migrationshintergrund schlechter zu Stipendien informiert.

In Deutschland bleibt Chancengleichheit ein Traum

Im deutschen Stipendienwesen mangelt es an Chancengerechtigkeit. „Das deutsche Stipendienwesen ist sozial nach wie vor sehr selektiv," sagt myStipendium-Gründerin und -Geschäftsführerin Dr. Mira Maier. Arbeiterkinder, Frauen und Studierende mit Migrationshintergrund bleiben bei den Stipendien eine Seltenheit. „So werden die Stipendienchancen maßgeblich durch das Geschlecht und das Elternhaus bestimmt - Chancengleichheit besteht hierzulande kaum“, sagt Dr. Felix Streiter, Bereichsleiter Wissenschaft der Stiftung Mercator, die sich seit vielen Jahren für mehr Bildungsgerechtigkeit einsetzt.

Regionale Analyse: Deutlicher Nachteil bei der Stipendienvergabe für Studierende aus dem Ruhrgebiet

Ein zusätzlicher Fokus der Studie lag auf der regionalen Analyse der Stipendiensituation im Ruhrgebiet. Hier zeigt sich, dass Studierende aus dem Ruhrgebiet bei der Vergabe von Stipendien deutlich schlechter abschneiden. Sie verschicken zwar genauso viele Bewerbungen wie Studierende in Restdeutschland, haben mit ihrer Bewerbung aber deutlich weniger Erfolg.

Diese Situation zeigt sich auch hier und in nochmals verschärfter Form für die generell benachteiligten Personengruppen.  So liegt die Stipendiatenquote von Studierenden mit Migrationshintergrund im Ruhrgebiet um ganze 40% unter der Stipendiatenquote von Studierenden ohne Migrationshintergrund. Im Bundesdurchschnitt beträgt die Differenz lediglich knapp 10%.

Auch die Kluft zwischen den Geschlechtern ist im Ruhrgebiet deutlich größer als in Restdeutschland. Unter Studentinnen finden sich fast ein Viertel weniger Stipendiatinnen als unter Studenten. Der Unterschied zwischen den Geschlechtern ist damit dreimal höher als im Bundesschnitt. Handlungsbedarf besteht dabei überall: Frauen bewerben sich seltener häufig um Stipendien und sind mit ihren Stipendien auch weniger erfolgreich.

Die Studie verdeutlicht, welch großer Handlungsdruck besteht, um mehr Bildungsgerechtigkeit zu erreichen – vor allem im Ruhrgebiet. „Die Stiftung Mercator leistet mit ihrem Engagement einen wichtigen Beitrag zur Verwirklichung gleicher Bildungschancen, indem sie junge Menschen aus bildungsfernen Schichten mit und ohne Migrationshintergrund fördert und den Bildungs- und Wissenschaftsraum Ruhr stärkt“, sagt Dr. Oliver Döhrmann, Projektmanager der Stiftung Mercator.

Bei Fragen sprechen Sie uns gerne an:
Cathrin Sengpiehl, Kommunikationsmanager Presse
Stiftung Mercator
Tel: +49 201 245 22-841
cathrin.sengpiehl@remove-this.stiftung-mercator.de

Pressekontakt

 Cathrin Sengpiehl
Cathrin Sengpiehl
Kommunikationsmanagerin Presse
+49 201 24522-841
pngueva.fratcvruy@fgvsghat-zrepngbe.qr