Freiwilliges Engagement bringt Vorteile für den Berufseinstieg

Internationale Studierende gelten als die Fachkräfte von morgen, dennoch scheitern zu viele beim Berufseinstieg auf dem deutschen Arbeitsmarkt.

Pressemitteilung

Berlin, 29.02.2016

Mit freiwilligem Engagement und mit Praktika können internationale Studierende ihre Startchancen erheblich verbessern. Das zeigt eine Untersuchung des SVR-Forschungsbereichs, der 2.565 internationale Master-Studierende in Deutschland dazu befragt hat. Die Auswertung belegt: Engagierte verbessern ihre Deutschkenntnisse, bauen ihre Netzwerke aus und entwickeln Fähigkeiten, auf die es bei einer Bewerbung ankommt.

Mit freiwilligem Engagement können internationale Studierende ihre Startbedingungen für einen erfolgreichen Berufseinstieg in Deutschland erheblich verbessern. Wer sich zum Beispiel in Sportvereinen, Nachbarschaftsinitiativen oder sozialen Organisationen engagiert, spricht besser Deutsch, hat mehr Kontakte zu einheimischen Studierenden und fühlt sich stärker zu Deutschland zugehörig als Kommilitonen. Freiwilliges Engagement hilft außerdem beim Aufbau persönlicher Netzwerke und bewerbungsrelevanter Kompetenzen: Studierende, die sich freiwillig engagieren, kennen die aufenthaltsrechtlichen Regelungen besser, können besser Probleme lösen und kennen mehr Menschen, die ihnen bei der Praktikumssuche oder bei Bewerbungen helfen können. Die Untersuchung zeigt: „Freiwilliges Engagement ist förderlich für den Berufseinsteig, das wird bislang unterschätzt“, sagte Dr. Cornelia Schu, Direktorin des SVR-Forschungsbereichs. „Freiwilliges Engagement ergänzt daher die Erfahrungen, die internationale Studierende im Rahmen von Praktika sammeln.“

Für die Analyse hat der SVR-Forschungsbereich 2.565 internationale Master-Studierende befragt. Die Untersuchung mit dem Titel „Engagiert gewinnt. Bessere Berufschancen für internationale Studierende durch Praxiserfahrungen“ wurde von der Stiftung Mercator und dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft gefördert.

„Die Befragung zeigt eine hohe Bereitschaft internationaler Studierender, sich freiwillig zu engagieren“, sagte Dr. Cornelia Schu. Drei Viertel der Studierenden (74,6 Prozent) gehen mindestens einer freiwilligen Tätigkeit nach, ein Drittel (32,6 Prozent) sogar drei oder mehr verschiedenen Tätigkeiten. Die meisten engagieren sich bei sportlichen und kulturellen Aktivitäten, andere arbeiten in studentischen Hochschulgremien mit oder unterstützen soziale Organisationen. „Internationale Studierende sind in hohem Maße motiviert, sich für das Gemeinwohl zu engagieren. Das kommt der ganzen Gesellschaft zu Gute“, sagte Schu.

Auch studienbegleitende Praktika bilden einen wichtigen Schritt auf dem Weg in die Arbeitswelt. Internationale Studierende mit umfangreicher Praktikumserfahrung sprechen besser Deutsch und kennen sich besser mit Aufenthaltsrecht und Bewerbungsverfahren aus als ihre Kommilitonen. Allerdings ergibt die Analyse auch, dass nur 32 Prozent der internationalen Studierenden zum Zeitpunkt der Befragung ein Praktikum in Deutschland absolviert hatten. Dies liegt zum einen daran, dass Studienordnungen oft kein Pflichtpraktikum vorsehen. Zum anderen ist der Anreiz insbesondere für Drittstaatsangehörige, Praktika in Deutschland abzuleisten, gering: Sie müssen darauf achten, dass sich ihre Studienzeit durch freiwillige Praktika nicht verlängert, da der Aufenthaltstitel an die Einhaltung der Regelstudienzeit gebunden ist. Zudem fallen bezahlte freiwillige Praktika unter die Nebentätigkeitsregelung, nach der internationale Studierende maximal 120 Tage im Jahr arbeiten dürfen. Dadurch stehen die häufig nur gering bezahlten Praktika in Konkurrenz zu besser entlohnten Studentenjobs, die meist für den Lebensunterhalt notwendig sind. Eine Lösung wäre, entsprechende Praktika zum festen Bestandteil der Studienordnung zu machen.

„Die meisten internationalen Studierenden möchten nach ihrem Studienabschluss in Deutschland bleiben und arbeiten. Dieses Potenzial an Fachkräften sollte für den deutschen Arbeitsmarkt gewonnen werden“, sagte Schu. Damit dies besser gelingt, sollten Hochschulen und andere bildungs- und arbeitsmarktpolitische Akteure die internationalen Studierenden in zweifacher Hinsicht unterstützen.

Der SVR-Forschungsbereich empfiehlt erstens eine Kooperation von Hochschulen mit lokalen Akteuren (z. B. Freiwilligen-Agenturen), um Studierende bei der Suche nach passenden Gelegenheiten für freiwilliges Engagement zu unterstützen. Ein weiteres, noch recht neues Instrument sind Service-Learning-Aktivitäten, die bereits von einigen Hochschulen in Deutschland im Rahmen des Lehrplans angeboten werden. In Service-Learning-Seminaren, die fachlich an die Studieninhalte anküpfen, erhalten die Studierenden die Gelegenheit, sich in Kleingruppen in gemeinwohlorientierten Projekten zu engagieren. Zweitens sollte internationalen Studierenden der Zugang zu Praktika erleichtert werden. Um die Suche nach einer Praktikumsstelle zu erleichtern, sollten sich die Hochschulen bzw. die Fachbereiche gezielt und systematisch mit der regionalen Wirtschaft vernetzen. Zudem sollte internationalen Studierenden während des Praktikums eine Beratung durch die Hochschule offen stehen.

Die Befragung der internationalen Studierenden erfolgte im Rahmen einer bundesweiten Längsschnittstudie „Study & Work“. Die vollständige Veröffentlichung der Ergebnisse ist für 2017 geplant. Erstmalig werden internationale Studierende über anderthalb Jahre von der Abschlussphase des Studiums bis zum Berufseinstieg wissenschaftlich begleitet. Befragt werden internationale Studierende an 50 Hochschulen. Untersucht wird, welche Faktoren zu einem erfolgreichen Berufseinstieg internationaler Absolventen auf dem deutschen Arbeitsmarkt beitragen. Das Forschungsprojekt wird vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft gefördert und begleitet die gleichnamige Praxisinitiative des Stifterverbandes und der Beauftragten der Bundesregierung für die neuen Bundesländer.

Die Untersuchung „Engagiert gewinnt“ und eine Infografik können hier heruntergeladen werden. Informationen zur Praxisinitiative „Study & Work“ finden Sie hier.

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 Cathrin Sengpiehl
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