„Die Entscheidung über Konzepte zum Lesen und Schreiben lernen sollte bei den Schulen liegen“

Zur aktuellen Debatte, wie Grundschüler am besten Lesen und Schreiben lernen, erklärt Prof. Dr. Michael Becker-Mrotzek, Direktor des Mercator-Instituts für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache der Universität zu Köln:

„Es ist falsch, die Frage, wie Grundschüler am besten Lesen und Schreiben lernen, auf die Methode zu reduzieren. Es gibt noch nicht genug empirische Beweise, die für oder gegen den Einsatz bestimmter Methoden sprechen. Viel wichtiger ist, dass Lehrkräfte die Methoden auf ihre Schüler abstimmen. Leistungsstarke Kinder lernen Lesen und Schreiben selbständig und unabhängig von der Methode. Schwächere Schüler benötigen mehr Struktur und Unterstützung. Gerade im ersten Schuljahr ist es sinnvoll, den Schülern einen leichten Zugang zur Schrift zu ermöglichen, indem sie die Laute schreiben, die sie hören. Die korrekte Rechtschreibung muss darauf aufbauend vermittelt werden. Lesen und Schreiben lernen bedeutet, sich eine neue Welt, und zwar die der Schrift und Texte, anzueignen. Dafür brauchen Schulen didaktische Konzepte, die Rechtschreibung und Texte gleichermaßen in den Blick nehmen. Orthographie ist kein Selbstzweck, sondern ein nützliches Mittel, um flüssig lesen und schreiben zu können. Lehrkräfte müssen dafür ausgebildet sein, die Methoden im Kollegium auszuwählen und im Unterricht adäquat anzuwenden. Die politische Diskussion sollte sich auf die Qualität der Aus- und Fortbildung und die Entwicklung guten Unterrichts richten und sich nicht darauf beschränken, einzelne Methoden zu verbieten.“

Weiterführende Informationen

Das Mercator-Institut hat 2015 einen Faktencheck zu Lesen und Schreiben lernen in der Grundschule veröffentlicht. Die Publikation wurde zuletzt im Juni 2018 aktualisiert.

Der Faktencheck aus dem Juni 2018 beschäftigt sich mit der Entwicklung der Lese- und Schreibleistungen.

Das Mercator-Institut hat das baden-württembergische Kultusministerium bei der Entwicklung eines Rechtschreibrahmens für Lehrkräfte beraten.

Bei Fragen sprechen Sie uns gerne an:

Anna Kleiner, Kommunikation
Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache
Universität zu Köln
Tel. 0221 – 470 7700, anna.kleiner@remove-this.mercator.uni-koeln.de

Über das Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache

Das Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache ist ein von der Stiftung Mercator initiiertes und gefördertes Institut der Universität zu Köln. Es will sprachliche Bildung verbessern. Um dieses Ziel zu erreichen, erforscht und entwickelt es innovative Konzepte, Maßnahmen und Instrumente für sprachliche Bildung. Es bildet regional Lehramtsstudierende aus sowie bundesweit Pädagoginnen und Pädagogen in Kitas, Schulen und der Erwachsenenbildung fort und bereitet wissenschaftliche Erkenntnisse gezielt für Entscheidungsträger in Bildungspolitik und -verwaltung sowie Bildungspraxis auf. Mit seiner Forschung und seinen wissenschaftlichen Serviceleistungen zu sprachlicher Bildung in einer mehrsprachigen Gesellschaft trägt das Mercator-Institut zu mehr Chancengleichheit im Bildungssystem bei.

Weitere Informationen unter www.mercator-institut-sprachfoerderung.de

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 Cathrin Sengpiehl
Cathrin Sengpiehl
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