Zur Auszeichnung von Nadia Murad mit dem Friedensnobelpreis 2018

Ein Kommentar von Mercator Fellow Katharina Brizić

Wir sind voll der Freude, der Dankbarkeit und des Respekts für Nadia Murad.

Wir - das sind alle jene, die sich intensiv mit der Lage von Minderheiten im Nahen Osten befassen, insbesondere mit der Lage der Jesidinnen und Jesiden (kurdisch: Êzîdî) im Nordirak. Die Geschichte der Verfolgung dieser kleinen Bevölkerungsgruppe ist lang. Aber auch die Geschichte ihres Überlebens ist lang und beeindruckend stark.

Zur Auszeichnung von Nadia Murad mit dem Friedensnobelpreis 2018
Peter Gwiazda © Stiftung Mercator

Einen großen Anteil an diesem Überleben hat das Baden-Württembergische Aufnahmeprogramm für besonders schutzbedürftige Frauen und Kinder aus dem Nordirak. Im Rahmen dieses Programms wurden 2015 und 2016 zahlreiche Menschen (mehrheitlich Êzîdî) aus der unmittelbaren Bedrohung durch den sogenannten 'Islamischen Staat' evakuiert; etwas mehr als 1.000 besonders schutzbedürftige Frauen und Kinder fanden anschließend Schutz in Baden-Württemberg, wo die meisten von ihnen bis heute leben.

Als Fellow der Stiftung Mercator hatte ich die Möglichkeit, das Baden-Württembergische Aufnahmeprogramm näher kennenzulernen und mit Beteiligten ausführlich zu sprechen. Was hier in unzähligen Bereichen (Psychologie, Sozialarbeit, Deutschunterricht, Kinderbetreuung und Schule, u.v.m.) geleistet wurde, ist schlicht richtungweisend für unsere Gesellschaft.

Und mit eben jenem Baden-Württembergischen Aufnahmeprogramm kam auch die Êzîdîn Nadia Murad nach Deutschland. Nun hat sie für ihr Eintreten für Gerechtigkeit den Friedensnobelpreis erhalten. Diese Auszeichnung ehrt eine starke Frau und mit ihr alle, die sich für das Überleben der Opfer von Genozid und Gewalt eingesetzt haben. Nadia Murad lebt vor, wie aus zutiefst aussichtsloser Lage dennoch Stärke und Hoffnung hervorgehen können.

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