… weil wir einander ähnlich sind

32 Gründe, warum die Europäische Union eine verdammt gute Idee ist

Waren Sie schon einmal in einem extrem ungleichen Land? In dem fast alle arm sind, einige wenige aber sehr reich? Ich habe es gesehen in den Reichenvierteln von Nairobi, von Rio de Janeiro und von Manila: Manche Villen sind dort von meterhohen, stacheldrahtbewehrten Mauern umgeben, gekrönt von Aussichtstürmen, in denen Männer mit Schnellfeuergewehren hocken. Während einige Kilometer weiter Straßenkinder im Dreck hocken.

Armut ist schlimm. Und mindestens ebenso schlimm ist Ungleichheit. Sie zersetzt Gesellschaften. Viele Studien belegen das, allen voran das bahnbrechende Werk „The Spirit Level“ aus dem Jahr 2009. Es zeigt: In ungleichen Gesellschaften sind Menschen unglücklicher, häufiger kriminell, häufiger krank, lassen sich häufiger scheiden und so weiter … als in gleicheren Gesellschaften.

Wir in der EU haben mal wieder Glück: Unsere Länder gehören zu den gleichsten der Welt. Gefühlt nimmt bei uns die Ungleichheit zu, statistisch belegen lässt sich das nicht. Der Gini-Koeffizient, der die Einkommensverteilung und damit die Gleichheit von Gesellschaften misst, ist für die EU seit 2009 konstant. Auch wenn zugleich der Abstand zwischen den höchsten und niedrigsten Einkommen wächst.

Und es gibt weiter gewaltige Unterschiede innerhalb der EU: In Luxemburg und Dänemark verdienen die Menschen im Schnitt rund 10-mal so viel wie in Rumänien und Bulgarien.

Aber global gesehen leben wir in gleichen Gesellschaften. Kein Wunder, dass Europa zugleich der friedlichste der fünf Kontinente ist. Das belegt der Global Peace Index, jedes Jahr errechnet aus 23 Einzelwerten. Die Kriminalitätsrate spielt eine Rolle, eine gut funktionierende Regierung, Pressefreiheit, wenig Korruption und viel Verlässlichkeit für Geschäftsleute.

… weil wir einander ähnlich sind

Die beiden unfriedlichsten Länder sind – wen wundert es – Syrien und Afghanistan. Auf Platz 1: Island, das keine eigene Armee besitzt. Unter den Top 20: 10 EU-Staaten. Hier die Liste:

  1. Island
  2. Neuseeland
  3. Österreich
  4. Portugal
  5. Dänemark
  6. Kanada
  7. Tschechien
  8. Singapur
  9. Japan
  10. Irland
  11. Slowenien
  12. Schweiz
  13. Australien
  14. Schweden
  15. Finnland
  16. Norwegen
  17. Deutschland
  18. Ungarn
  19. Bhutan
  20. Mauritius

Eines der wichtigen politischen Ziele der EU lautet „Kohäsion“ und meint den Zusammenhalt der Europäischen Union. Sie gibt viel von ihrem wenigen Geld aus, um ärmere Regionen zu unterstützen, die Ränder zu fördern, die Lebensverhältnisse anzugleichen. Es ist der richtige Weg. Denn Gleichheit stärkt Gesellschaften.

 

Dieser Text stammt aus dem Buch „Von Staubsaugern und Menschenrechten. 32 Gründe, warum Europa eine verdammt gute Idee ist“ von Correctiv, das wir gefördert haben.