… weil sie ein Vorbild in der Welt ist

32 Gründe, warum die Europäische Union eine verdammt gute Idee ist

Auch Steffen Dobbert, Jahrgang 1981, kennt in seinem Leben nur Frieden. Und war ein eher lauwarmer Europäer. Doch vor einigen Jahren ist er aus diesem Wohlstandsdusel gerissen worden.

Er war für „Zeit Online“ im Winter 2013/2014 dabei, als in der Ukraine, in Kiew auf dem Maidan, Zehntausende für mehr EU und weniger Putin demonstrierten. Mehr als 100 von ihnen starben, „einige kurz zuvor noch die blaue EU-Flagge in der Hand“, sagt Steffen Dobbert.

„Ich brauchte dieses Erlebnis, um zu begreifen, was die EU wert ist“, sagt er. Eine Polizei, der du vertrauen kannst. Wahlen, bei denen deine Stimme zählt. Dass korrupte Politiker im Gefängnis landen. Dass eine Tomate quer durch die EU kutschiert werden kann, ohne einmal kontrolliert zu werden. Während er an der Grenze zur Ukraine vier Stunden lang im Auto hockte, weil irgendein griesgrämiger Beamter ihn nerven wollte.

Die kriegsähnlichen Momente auf dem Maidan waren ein Wendepunkt für Steffen Dobbert. Er ging zehn Jahre nach seinem Studienabschluss noch einmal studieren und machte seinen Master in Europawissenschaften.

Wobei: Dieses Studium war dann zunächst wieder eine Ernüchterung. Von wegen Europa-Pathos. „Ich habe gemerkt: Es ist alles viel zu kompliziert“, sagt er. Eurogruppe, Europäischer Rat, Europarat, „das versteht doch keiner“. Es besser zu erklären, das macht er seither als Reporter. Und sitzt eigentlich ständig im Flugzeug quer durch die EU.

Dobbert glaubt fest an mehr Europa. Weil eine Generation heranwachse, für die es selbstverständlich sei, in Barcelona zu studieren und in Berlin feiern zu gehen. Eine Generation, die nur aus der Ferne unpolitisch wirke. Sollte der Zusammenhalt in der EU in Gefahr sein, würden die jungen Leute in Massen für mehr Europa demonstrieren.

Dobbert ist sich sicher: In 20, 30 Jahren wird die EU ein Staatenbund sein, mit einer gemeinsamen Armee, einer richtigen Außenministerin und einem direkt gewählten Europaparlament, das die Gesetze verabschiedet. „Alles andere macht keinen Sinn.“

Während wir telefonieren, klappert im Hintergrund Besteck. Wo er gerade sei? „In Rom. Moment.“ Ich höre, wie er den Kellner fragt, wie das Viertel heiße, in dem er gerade sei. „Ich bin in EUR“, sagt er dann. Im Europa-Viertel von Rom, einst für eine Weltausstellung angelegt. Zufall? Wohl kaum.

 

Dieser Text stammt aus dem Buch „Von Staubsaugern und Menschenrechten. 32 Gründe, warum Europa eine verdammt gute Idee ist“ von Correctiv, das wir gefördert haben.