… weil sie den Friedensnobelpreis bekommen hat

32 Gründe, warum die europäische Union eine verdammt gute Idee ist

Ich bin 1969 geboren. Ich habe sie noch kennengelernt: die Versehrten, die Verwundeten, die alten Nazis. Denen der Krieg noch in den Knochen steckte. Buchstäblich. Den alten Willi, der im Posaunenchor neben mir saß und immer einen Lederhandschuh trug, weil er in Stalingrad einen Granatsplitter abbekommen hatte. Den alten Herrn Tiedemann, unseren Religionslehrer mit Hang zum Sadismus: An hohen Tagen durften wir Kinder an sein Holzbein klopfen. Oder nehmen Sie meinen Onkel Gustav, aus Ostpreußen angeheiratet, der bis zu seinem Tod damit prahlte, wie sie es damals den „Polacken“ gezeigt hätten.

Lange her. Ein Glück.

… weil sie den Friedensnobelpreis bekommen hat

Früher war eigentlich immer Krieg. Heute ist schon so lange Frieden, dass wir ihn für normal halten. Aber das ist er nicht. Er ist das Werk von mutigen, visionären Menschen.

2012 erhielt die EU die wichtigste Auszeichnung, die auf diesem Erdball vergeben wird: den Friedensnobelpreis. Weil die EU „Frieden und Versöhnung, Demokratie und Menschenrechte in Europa“ gefördert habe, so die Begründung. Am 10. Dezember schritten damals Martin Schulz, Herman Van Rompuy und José Manuel Barroso ins Rathaus von Oslo und nahmen strahlend die goldene Medaille entgegen. „Pro pace et fraternitate gentium“, ist darauf eingraviert. „Für den Frieden und die Brüderlichkeit unter den Menschen.“

„Es ist besser, sich am Verhandlungstisch zu streiten als auf dem Schlachtfeld“, sagte Herman Van Rompuy in seiner Dankesrede als Präsident des Europäischen Rates. Ein Zitat von einem der Gründerväter der Europäischen Union, dem Franzosen Jean Monnet, der nach dem Krieg die Idee zur Montanunion hatte.

 

Dieser Text stammt aus dem Buch „Von Staubsaugern und Menschenrechten. 32 Gründe, warum Europa eine verdammt gute Idee ist“ von Correctiv, das wir gefördert haben.