… weil Millionen deutsche Jobs vom Binnenmarkt abhängen

32 Gründe, warum die Europäische Union eine verdammt gute Idee ist

Wissen Sie noch, was Sie am 1. Januar 1993 gemacht haben? Ich weiß es noch genau: Ich saß mit meinem besten Kumpel Eric verkatert und glücklich in einem Dorf in Andalusien, und wenn mir irgendetwas egal war, dann der Europäische Binnenmarkt, der an diesem Tag sehr diskret geboren wurde. Ohne Festakt, ohne Feuerwerk, ohne Pomp und große Reden.

… weil Millionen deutsche Jobs vom Binnenmarkt abhängen

Heute ist er der größte Wirtschaftsraum der Welt und das Herz der EU. Er macht uns wohlhabender und unseren Alltag einfacher. Und ist schon wieder so selbstverständlich, dass wir uns kaum vorstellen können, dass Menschen, Waren, Geld und Dienstleistungen einst nicht frei durch Europa zirkulieren konnten.

Es begann, wie oft, mit einer Krise. Ab 1979 boykottierte Großbritannien die Beschlüsse des Europarats, Maggie Thatcher setzte den „Britenrabatt“ durch, und die Agrarpolitik mit ihren Butterbergen und Milchseen war auch ein Desaster. Das Wort „Eurosklerose“ machte die Runde. Es meinte das langsame Zerbröseln der europäischen Idee. Kein Mensch hätte damals auf die EU gewettet.

Da kam Jacques Delors. Er handelte den Kompromiss mit den Briten aus, wurde Präsident der Europäischen Kommission – und präsentierte gleich bei seiner Antrittsrede im Europaparlament im Januar 1985 eine Liste von 308 Initiativen. Das Ziel: ein europäischer Binnenmarkt.

In den Jahrzehnten zuvor hatte man geglaubt, man könne ausländischen Lebensmitteln nur vertrauen, wenn sie genau die gleichen Zutaten enthielten. So entstand zum Beispiel die Schokoladenrichtlinie, die vorschrieb: Mindestens 35 Prozent Kakao gehören rein, Zucker, Lecithin, auf keinen Fall Palmöl. Was wurde um diese Richtlinien gefeilscht. In zehn Jahren schafften die damals 12 EU-Länder mal gerade sieben solcher Richtlinien.

Die bahnbrechende Idee von Jacques Delors: Alles, was in einem EU-Land verkauft werden darf, darf in allen EU-Ländern verkauft werden. Andersherum genauso: Was in einem Land verboten ist, muss überall verboten werden. Schlagartig wurden tausende nationaler Vorschriften ausgehebelt. Vielen ging das viel zu schnell.

Und dann kam mal wieder alles ganz anders. Der Binnenmarkt wurde zum Motor der europäischen Einigung. Zweifelt noch irgendwer an seinem Nutzen?

Wie viele deutsche Arbeitsplätze am Binnenmarkt hängen, lässt sich nur schwer beziffern. Weil es kaum möglich ist, dessen Effekte von anderen Faktoren zu trennen. Der globalen Konjunktur zum Beispiel. Aber ganz grob lässt sich diese Rechnung aufstellen:

  • Rund 30 Prozent der deutschen Arbeitsplätze hängen direkt oder indirekt vom Export ab.
  • Knapp 60 Prozent der deutschen Exporte gehen in die EU.
  • Es gibt 45 Millionen Erwerbstätige in Deutschland.

Daraus ergibt sich: Mehr als 8 Millionen deutsche Arbeitsplätze hängen in irgendeiner Weise mit dem Binnenmarkt zusammen.

Und noch eine Zahl habe ich gefunden, in einer etwas älteren Studie der Bertelsmann-Stiftung: Dank des Binnenmarktes habe jeder Bundesbürger pro Jahr rund 450 Euro mehr in der Tasche. Macht in 25 Jahren 11.250 Euro.

Eric: Davon könnte man in Andalusien sicher ein Pferd kaufen.

 

Dieser Text stammt aus dem Buch „Von Staubsaugern und Menschenrechten. 32 Gründe, warum Europa eine verdammt gute Idee ist“ von Correctiv, das wir gefördert haben.