Von Jungunternehmern und geteiltem Arbeiten

Wirtschaftlichen Schwierigkeiten in der Türkei zum Trotz nutzen junge Talente ihre Potenziale und wachsende Angebote, um an Lösungen für morgen zu arbeiten. Von Coworking-Spaces, Inkubatoren und Potenzialen berichtet James Rizzo, Leiter des Büros der Stiftung Mercator in Istanbul. 

Von Jungunternehmern und geteiltem Arbeiten

12. Februar 2019

Ein Tisch, ein Stuhl, eine Steckdose, eine Lampe und natürlich WLAN. So sieht der Arbeitsplatz vieler junger, gut ausgebildeter Türken aus. Wahlweise in einem der zahlreichen Kaffeehäuser, die vielerorts aus dem Boden sprießen, oder in „Coworking-Spaces“. Letztere bieten Plätze zum Arbeiten für wenig Geld und in variablen Größen, anmietbare Konferenzräume und gratis Kaffee, Tee und Obst.

Demografische Aspekte spielen eine wesentliche Rolle. Die Türkei ist ein höchst urbanisiertes Land, viele junge Menschen zieht es schon früh in Großstädte wie Istanbul und Izmir. Gleichzeitig nimmt der Anteil hoch ausgebildeter Menschen stetig zu, in der Alterskategorie 25-34 Jahre liegen Deutschland und die Türkei mit rund 31 Prozent gleichauf. Die Türkei hat das größte Arbeitskräftewachstum in Europa. Die jahrelang rasant wachsende Wirtschaft, die in den letzten Monaten stark unter Druck geraten ist, hat viele Energien freigesetzt. Viele junge Menschen bevorzugen lose Arbeitsverhältnisse gegenüber klassischen, hierarchisch organisierten Jobs.

Dadurch entsteht allerdings auch eine Form der Prekarität. Viele junge Türken kämpfen damit, am Monatsende über die Runden zu kommen, da reguläre Monatsgehälter oft eher die Ausnahme und erfolgsabhängig sind. Sie sehen dennoch in diesen loseren Arbeitsverhältnissen auch einen Weg, sich den landesweit rund 10 Prozent Arbeitslosen bzw. 20 Prozent Jugendarbeitslosen nicht anschließen zu müssen.

Dieses Bedürfnis haben Akteure wie große Unternehmen, Universitäten oder auch Stadtverwaltungen erkannt und entsprechende Angebote geschaffen. Sie haben Inkubatoren ins Leben gerufen, mit denen sie die Arbeitgeber/innen von morgen zunächst mit Startkapital und Räumlichkeiten ausstatten.

Darüber hinaus erhalten Jungunternehmer wichtige Weiterbildungsangebote, um sich zu professionalisieren. Es wird viel Wert darauf gelegt, dass gegenseitiges Lernen und der Erfahrungsaustausch im Rahmen von interdisziplinären Seminaren und Arbeitsgruppen im Mittelpunkt stehen. Ein Softwareingenieur und eine Innenarchitektin haben gegebenenfalls doch mehr gemeinsam, als man im ersten Moment denken könnte.