Ganztagsschulen brauchen verbindliche Qualitätsmerkmale

Für einen besseren Ganztag ist eine gemeinsame Anstrengung von Bund, Ländern und Kommunen zentral. Es sind Investitionen insbesondere auch vom Bund für den Ausbau von Ganztag und die Orientierung an Qualitätsmerkmalen notwendig. Das zeigt auch die heute von der Bertelsmann Stiftung veröffentlichte Studie „Gute Ganztagsschule für alle“. Mittlerweile sind 40 Prozent aller Schulen in Deutschland Ganztagsschulen. Wir sind davon überzeugt, dass nur Ganztagsunterricht die Chancen aller Kinder verbessern kann. „Deutschland ist allerdings weit davon entfernt, bundesweit die Ganztagsschule als grundlegendes Prinzip zu verwirklichen“, sagt Winfried Kneip, Geschäftsführer der Stiftung Mercator.

„Es fehlt an politischem Willen, an verbindlicher Konzeption und oftmals sind Vorbehalte der Eltern gegen einen verbindlichen Nachmittag ebenfalls eine Herausforderung“, erläutert Kneip. „Deutschland braucht flächendeckend die Ganztagsschule mit hoher Qualität. Dazu braucht sie eine einheitliche und verbindliche Beschreibung, eine gesunde finanzielle Ausstattung und gesellschaftlichen Konsens.“

Ein qualitativ hochwertiger Ganztag bedeutet für uns als Stiftung:

Verbindlicher Ganztag
Verbindlichkeit ist zentral für den Ganztag, im offenen Ganztag jedoch kaum möglich. Ganztag kann sein Potenzial nur entwickeln, wenn er einem Konzept folgt, verbindlich im Angebot ist und auch die Schulkinder verbindlich am Ganztag teilnehmen. Nur so können individualisiertes Lernen gefördert und die Bildungschancen aller Kinder verbessert werden. Ein verbindlicher, attraktiver und qualitativ guter Ganztag befördert neben Chancengleichheit auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Ganztag ist mehr als klassischer Schulunterricht
Ganztag sollte sich durch ein breiteres Lern- und Bildungsverständnis von der klassischen Halbtagsschule unterscheiden. Die Definition dessen, was in der Schule gelernt werden soll, darf sich nicht mehr nur an den gewohnten Schulfächern orientieren. Aspekte der Persönlichkeitsentwicklung – das Vermitteln sozialer und kreativer Kompetenzen – verstehen wir als Kernaufgabe von Schule.

Die Schule ist der Ort des Lernens – zuhause ist nicht die „Verlängerung“
Die Verantwortung für das Lernen sollte der Schule gegeben werden. Ganztag richtig umgesetzt bedeutet, dass Schüler nach Hause gehen und keinen Lern- und Leistungsdruck mehr haben. Zuhause ist nicht mehr die verlängerte Werkbank der Schule. Hausaufgaben gibt es nicht mehr. Damit bleibt jenseits von Schule mehr bewusste Zeit für die Familie, für Sport und zivilgesellschaftliches Engagement.

Verbindliche Qualitätsmerkmale für Ganztagsschulen festlegen
Die Qualitätsentwicklung im Ganztag kann deutlich schneller vorangehen, wenn die Akteure aus Politik, Verwaltung und Praxis sich auf zentrale Qualitätsmerkmale einer Ganztagsschule festlegen und Schritte gehen, um diese in den Schulen umzusetzen. Es gibt in Deutschland zu viele, zu umfangreiche und zu heterogene Vorschläge für Orientierungsrahmen. Die Stiftung Mercator unterstützt gemeinsam mit anderen Stiftungen die Entwicklung und Akzeptanz von zentralen Ansatzpunkten für die Qualitätsentwicklung im Ganztag.

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