Ganz nah an der Weltpolitik

Bis zum 20. Dezember läuft die Bewerbung für den neuen Jahrgang beim Mercator Kolleg. Kaan Sahin hat im vergangenen Jahr mitgemacht. Sein Thema war die internationale Sicherheitspolitik: Er arbeitete bei Think Tanks, für die OSZE und die NATO. Dadurch erschloss er sich die Welt der internationalen Organisationen.

Ganz nah an der Weltpolitik

Als er neben US-Verteidigungsminister James Mattis steht, wird ihm bewusst, dass er nun wirklich mittendrin ist in der internationalen Sicherheitspolitik. „Ich war selbst erstaunt, denn es kam mir gar nicht vor, als wäre das etwas Besonderes“, sagt Kaan Sahin im Rückblick und lacht. Er denkt gerne zurück an diesen Moment, an seinen Besuch beim Treffen der NATO-Verteidigungsminister in Brüssel. „Es fühlte sich ganz normal an, sich in diesem Umfeld zu bewegen. Ich hatte mich sehr schnell daran gewöhnt.“

Der 28-Jährige stammt aus Wuppertal. Seine Eltern wanderten vor rund 45 Jahren aus der Türkei nach Deutschland ein, er wuchs in einer nicht-akademischen Familie auf. Als Kind sei er mit einigen Hürden konfrontiert gewesen, erzählt Sahin. „Mein erstes Gefühl war natürlich: Das ist unfair. Aber man darf nicht lethargisch werden und in eine Opferrolle verfallen.“ Seine Eltern legten sehr großen Wert auf Bildung. „Meine Familie hat mich immer unterstützt. Das hat mir sehr geholfen.“

„Diplomaten-Luft geschnuppert“

Nach dem Abitur beginnt er ein Studium der Politikwissenschaft in Duisburg. „Politik hat mich schon in der Schule interessiert, gesellschaftliche Fragen fand ich spannend. Ich wollte das Studienfach einfach mal ausprobieren.“ Er bleibt dabei: „Das Fach faszinierte mich sofort.“ Für internationale Themen begeistert sich Sahin besonders. Nach dem Bachelor schließt er einen Master in Internationaler Politik und Friedensforschung in Tübingen an. Nicht nur fachlich ist das für ihn ein prägender Schritt. „Ich wollte einfach mal raus aus Nordrhein-Westfalen“, berichtet Sahin.

Er entscheidet sich für zwei Auslandssemester. Zunächst geht er in die USA an die University of Connecticut. „Die internationale Atmosphäre mit den Kommilitonen aus der ganzen Welt hat mir sehr gefallen.“ Bei einem weiteren Auslandsaufenthalt lernt er an der Koc University in Istanbul die Türkei näher kennen. „Diese Zeit hat fachlich meinen Blick geweitet. Außerdem war das Studium auch eine Selbstreflexion“, sagt Sahin. Die Heimat seiner Eltern kannte er zuvor nur aus Sommerurlauben.

Die internationale Politik lässt Sahin nicht mehr los. In Praktika bei der Ständigen Vertretung Deutschlands bei den Vereinten Nationen, bei der Bundesakademie für Sicherheitspolitik und der GIZ vertieft er seinen Schwerpunkt. „Ich habe begeistert Diplomaten-Luft geschnuppert“, so beschreibt er es selbst. Aber wie dauerhaft einsteigen in die Welt der internationalen Organisationen?

Mit dem Mercator Kolleg möchte Sahin mehr Arbeitserfahrung im internationalen Umfeld sammeln. Das Mercator Kolleg für internationale Aufgaben fördert jährlich 24 engagierte, deutschsprachige Hochschulabsolventen aller Fachrichtungen und junge Berufstätige, die für unsere Welt von morgen Verantwortung übernehmen wollen. Thematisch beschäftigt sich Sahin mit hybriden Bedrohungen. Dabei geht es darum, wie Akteure mit unterschiedlichen zivilen und militärischen Mitteln Staaten destabilisieren können, etwa indem sie die Meinungsbildung der Bürger in einem Land beeinflussen oder sogar manipulieren. Als gezielte Fake News sind solche Bedrohungen seit einiger Zeit immer wieder Thema in den Medien.

Zukunftsthemen im Blick

Sahin blickt auf ganz unterschiedliche Aspekte. Er lernt bei Carnegie Europe in Brüssel und dem International Institute for Strategic Studies in London die Aktivitäten von Think Tanks kennen. Er arbeitet für den Special Representative der OSZE für den Südkaukasus. Und schließlich verbringt er fünf Monate bei der NATO in Brüssel. Im Planungsstab beschäftigt er sich mit Zukunftsthemen. Was er genau gemacht hat, ist geheim. „Es war super spannend, weil ich Weltpolitik live erleben konnte.“

Seine Zeit beim Mercator Kolleg hat Sahins Wunsch bestärkt, in der internationalen Politik zu arbeiten. „Ich konnte als Kollegiat meine beiden Leidenschaften miteinander verbinden: das Fach Außen- und Sicherheitspolitik und das Arbeiten auf der internationalen Bühne. Ich konnte mein Fachwissen in verschiedenen Organisationen anwenden.“ Er habe auch die gemeinsamen Veranstaltungen mit den anderen Kollegiaten sehr genossen. „Ich habe sehr viel von ihnen gelernt und viele Freundschaften geschlossen“, blickt er zurück. Und schließlich habe er sich auch selbst weiterentwickelt: „Ich habe gemerkt, dass ich mich nicht verstecken muss.“

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