Al Mercato-Workshop: Politische Kommunikation und Campaigning

Daniel Goliasch thematisierte beim Al Mercato-Workshop am 27. Januar 2014 Politische Kommunikation als Kampagne

Beim ersten Al Mercato-Workshop zur Neuen Politischen Kommunikation im neuen Jahr folgte ein Praktiker der Einladung des ProjektZentrums: Daniel Goliasch, Leiter der Kampagne „Wir sind der Schwarm“ des WWF Deutschland, die gerade mit dem Deutschen Preis für Online-Kommunikation 2013 ausgezeichnet wurde. Anhand der Kampagne zur Reform der EU-Fischereipolitik, zeigte Goliasch Schritt für Schritt auf, wie Politische Kommunikation als Kampagne funktioniert.

Ausgehend vom Problem der Überfischung von rund zwei Dritteln der Fischbestände in Europa, startete der WWF seine Kampagne mit dem Ziel, die Überfischung bis 2020 zu stoppen und eine nachhaltige Nutzung von Ressourcen zu erwirken.

Bei der Erarbeitung der Kampagnenstrategie sei einer der ersten Schritte, das „window of opportunity“ zu identifizieren, also den Zeitpunkt, zu dem die definierten Ziele am ehesten erreicht werden können, so Goliasch. Die gemeinsame Fischereipolitik ist ein Politikfeld der EU, dessen Rahmenbedingungen nur alle zehn Jahre überarbeitet werden, weshalb im Falle der „Wir sind der Schwarm“-Kampagne der Zeitraum, um die angestrebten Forderungen einzubringen, klar definiert war.

Die Kampagne wurde zeitlich rund um den dreistufigen Gesetzgebungsprozess (zunächst Fischereiausschuss, dann Europäisches Parlament, schließlich Ministerrat) aufgebaut und jeweils eine Aktion dazu durchgeführt. Neben der üblichen (und auch unersetzlichen) politischen Kommunikation durch Positionspapiere, Meetings und Telefonate, erfolgte über den Zeitraum des Gesetzgebungsprozesses eine öffentliche Kampagne in sechs EU-Ländern, die die Bevölkerung einbeziehen und sensibilisieren sollte.

Die Öffentlichkeit wurde z.B. dazu aufgefordert, neben einer „Send-a-Message“-Aktion bei einem Malwettbewerb, ihrem Europa-Abgeordneten einen selbstgemalten Fisch zu schicken oder den Delegationsleitern via Facebook zu posten. Wenn das Thema es zulässt, lohne es sich, eine „integrierte Kampagne“ zu fahren, so Goliasch, um damit alle Stakeholder an einen Tisch zu bringen (Öffentlichkeit, Politik, Unternehmen und – in diesem Fall - Fischereien) und dem Thema dadurch mehr Gewicht zu geben.

Um weitere Synergieeffekte zu nutzen, könne ebenfalls eine Koalition verschiedener NGOs von Vorteil sein, da darüber auch die Thematik höher gewertet würde. Besonders hilfreich sei es zudem, Politik zu beobachten und zu verstehen: die direkte Ansprache von  Abgeordneten, die bisher nicht zwingend fraktionskonform abgestimmt haben und unter Umständen leichter überzeugt werden können oder das frühzeitige Einplanen etwaiger Terminverschiebungen.

Zukünftig lohne es sich zudem, das Thema Online-Fundraising verstärkt in den Blick zu nehmen: hierüber ließe sich eine noch intensivere Verbindung zur Öffentlichkeit, insbesondere über social media, herstellen, so ein Fazit der Runde.