Al Mercato-Workshop: Politische Kommunikation in der Medienlandschaft des 21. Jahrhunderts

Roger de Weck: „Interaktion ist das Schlüsselwort der digitalen Öffentlichkeit“ – ein Bericht vom 4. März 2013

„Interaktion“ ist das Schlüsselwort der digitalen Öffentlichkeit von heute: Unsere Gesellschaft befindet sich in einem Wandel weg von einer Informations-, hin zur Interaktionsgesellschaft. Diese Umstellung ist radikal, aber auch vielversprechend, bilanzierte Roger de Weck, Generaldirektor der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft und ehemaliger Chefredakteur der ZEIT, am vergangenen Montag während des Al Mercato-Workshop der Stiftung Mercator im mehr als gut besuchten ProjektZentrum Berlin (PZB). Die Gesellschaft erlebe heute eine ähnliche Zäsur wie nach der Entwicklung des modernen Buchdrucks durch Johannes Gutenberg im Jahr 1450.
Veranstaltungen im PZB

Durch Google, Facebook, YouTube oder Twitter mehren sich für den Einzelnen die Ausdrucksmöglichkeiten und das Maß an Einmischung, so de Weck. Der „Stammtisch“ sei öffentlich geworden, Debatten zwar kurzlebiger und von Hypes bestimmt, doch auch fruchtbar, wie man etwa am Verhältnis von Politikern und Bürgern  auf Twitter sehen könne – wenn die Debatte denn moderiert sei. Im Zuge der digitalen Revolution treten immer neue Akteure auf und verändern so auch den professionellen Journalismus, der sein Informationsmonopol langsam aber sicher aufgeben muss. Bei allem Medienwandel vom Qualitätsjournalismus zu den sozialen Netzwerken plädierte Roger de Weck für Behutsamkeit, wenn es um das öffentlich-rechtliche Prinzip geht: Hier finde sich eine mögliche Strategie, der Ökonomisierung des Journalismus entgegen zu wirken. Gleichzeitig erfordere dies aber auch eine höhere Effizienz der Journalisten, da sie mit öffentlichen Geldern arbeiteten.

Da das Internet als „Metamedium“, das Bild, Ton und Text miteinander verknüpft, mittlerweile auch die Plattform geworden ist, über die die anderen drei Massenmedien, Print, Radio und Fernsehen, zunehmend konsumiert werden, müssten sich die Medien vermehrt auf die Suche nach neuen Formen für die Online-Welt machen. Eines machte Roger de Weck deshalb besonders deutlich: Wer überleben will, muss Mehrwert bieten. Durch die Digitalisierung der Medien und die damit verbundene Fragmentierung des Medienkonsums des Publikums, ist es nun Aufgabe der Medienmacher, eine starke Marke auch im Internet aufzubauen, die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich zu lenken, diese letztendlich zu überraschen und so an sich zu binden. Im besten Fall bildet man dann mit seinem Publikum wieder eine „Community“ – so wie es die Medien schon immer getan haben.

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