Al Mercato-Workshop: Debatte als Denkform

Tim Wagner sprach beim Al Mercato-Workshop zur Neuen Politischen Kommunikation am 4. März 2014 zum Thema „Debatten“

Wie wird ein Podium ideal besetzt? Wie werden die richtigen Fragen gestellt? Welche Faktoren sind ausschlaggebend dafür, dass eine Debatte einen Erkenntnisgewinn bringt? Zu diesem Thema sprach Tim Wagner, Philosoph, Argumentationstheoretiker und Experte für Debatten im ProjektZentrum Berlin der Stiftung Mercator.

Anhand von zehn Thesen veranschaulichte Wagner, was eine gute Debatte auszeichnet. „Jugend debattiert“ ist eines der Formate, welches von ihm erfolgreich mit aufgebaut wurde und ein gutes Beispiel dafür, wie gesellschaftspolitische Themen durch Debatten in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt werden können.

Eine Debatte ist ein Streitgespräch, das eine Entscheidung vorbereitet, so Wagners erste These. Ergebnis einer erfolgreichen Debatte ist es, aufgrund des Erkenntnisgewinns durch die Positionen der Anderen in der Lage zu sein, auf Fragen ergebnisorientiert antworten zu können. Es geht demnach nicht darum, die tatsächliche Befugnis zur Entscheidungsumsetzung zu haben, sondern durch die präsentierten Vor- und Nachteile, ein genaueres Bild des Problems zu gewinnen.

Formulierung der Fragen entscheidend für Debatte

Die Praxis sieht allerdings oft ganz anders aus. Viele öffentliche Debatten erinnern eher an einen „ritualisierten Schlagabtausch“, merkt ein Workshop-Teilnehmer an, bei dem schon oft vorhersehbar ist, was der andere als nächstes sagen wird. Wagners Vorschlag: Auch mal Podiumsteilnehmer einladen, die nicht über ihr „Steckenpferd-Thema“ diskutieren. Als Vorbereitung wäre es sinnvoll, das Thema als Organisator kurz selber zu diskutieren. So würde schnell klar, wo Erklärungsbedarf sei, um danach auch die Gäste entsprechend auszuwählen.

Eine gute Debatte lässt sich meistens schon durch die Formulierung der Fragen beeinflussen: So sollte eine Entscheidungsfrage formuliert werden, bei der sich für oder gegen das Gefragte ausgesprochen werden muss. Fragen, die mit „Ja“ oder „Nein“ beantwortet werden können, sind ideal, damit sich die Debattanten in ihrer Meinung festlegen müssen. Fragen, die mit „Wie“ beginnen, lassen wiederum viele Ausfluchtmöglichkeiten zu und verhindern klare Aussagen der Debattenteilnehmer. Außerdem ist es wichtig, Gesprächsregeln aufzustellen, etwa dass jeder Teilnehmer mindestens ein Mal zu Wort kommt, dass sich unterschiedliche Positionen abwechseln oder dass jeder ein Schlusswort abgeben muss. Lebendiger kann eine Debatte z. B. ohne Moderator gestaltet werden. Durch das Fehlen eines Moderators müssen die Teilnehmer die Gesprächsordnung selbständig regeln. Mittels diverser Hilfsmittel wie z. B. einer Sanduhr können Redezeiten begrenzt werden und neue Themen auf Flipcharts die Debatte anfüttern. Die verschiedenen Spielmöglichkeiten (weitere Vorschläge z. B. Impulsvortrag als Einstieg, Einbezug des Publikums) müssen immer in Abstimmung zum Thema und zum Konzept der Veranstaltung gewählt werden, so Wagner. Ergebnis des Workshops „Debatte als Denkform“ ist, dass Debatten und das Debattieren als gemeinsamer gedanklicher Prozess im gesellschaftlichen wie politischen Kontext für eine gelebte Demokratie wichtig und relevant sind.