Wer darf zuwandern und wer muss gehen?

Wissenschaftler/innen an den drei Ruhrgebietsuniversitäten untersuchen das Recht auf internationale Bewegungsfreiheit

Pressemitteilung

Essen, 06.08.2015

Wer darf unter welchen Bedingungen zuwandern oder muss zurückgewiesen werden? Diese Frage steht derzeit im Zentrum aktueller politischer und gesellschaftlicher Kontroversen. Um darauf eine Antwort zu finden, wollen Wissenschaftler/innen der TU Dortmund, der Ruhr-Universität Bochum und der Universität Duisburg-Essen ein präziseres Verständnis des Rechts auf internationale Bewegungsfreiheit entwickeln. Dazu untersuchen sie, ob verschiedene Migrationsgründe dieses Recht stärken oder eingrenzen, welche Ansprüche bzw. Pflichten sich aus den Zuwanderungsmotiven ableiten lassen und inwieweit es moralisch zulässig ist, Einwanderer/innen auszuschließen. Das Mercator Research Center Ruhr (MERCUR) hat das Forschungsvorhaben „Ethik in der Immigration“ im Zuge seiner 10. Ausschreibungsrunde bewilligt und fördert es mit rund 270.000 Euro.

Angesichts der zunehmenden Flüchtlingsströme wird in den öffentlichen Debatten einerseits über eine weitere Verschärfung des Asylrechts bzw. über eine Einwanderungsbeschränkung diskutiert und andererseits an das moralische Gewissen der politischen Entscheidungsträger appelliert, indem auf die Menschenwürde der Migranten/innen oder auf die moralische Verantwortung der Wohlstandsländer verwiesen wird. Dürfen Nationalstaaten oder die EU ihre Grenzen für bestimmte Einwanderer schließen, so dass das Menschenrecht auf Bewegungsfreiheit an den Staatsgrenzen seine Geltung verliert? Oder haben alle Zuwanderer einen Anspruch darauf dort zu leben, wo sie möchten?

Um diese Fragen zu klären, untersuchen die Wissenschaftler/innen der drei Ruhrgebietsuniversitäten, welche Gründe tatsächlich zu Flucht und Migration führen und welche Ansprüche der Migranten/innen sich daraus ableiten lassen. Menschen fliehen vor unmittelbarer Verfolgung, vor Krieg und Bürgerkrieg. Sie verlassen ihre Heimat als Armuts- und zunehmend auch als Umweltflüchtlinge, die für sich und ihre Familien in ihren Herkunftsländern keine Lebensgrundlage mehr sehen. Die aktuelle „Flüchtlingskrise“ in der EU macht deutlich, wie schwierig eine Unterscheidung zwischen politischen Flüchtlingen auf der einen Seite und Wirtschaftsflüchtlingen auf der anderen Seite ist.

„Migration ist eine der großen Herausforderungen unserer Zeit, und die Kategorien, mit denen wir Migranten/innen und ihre Ansprüche derzeit politisch und rechtlich erfassen, passen nicht mehr zur aktuellen Lage. Armut und Klimawandel sind auch politische Fluchtgründe, während "politisch Verfolgte" auch ökonomische Überlegungen zu möglichen Aufnahmeländern anstellen. Das Ziel dieses Projektes ist es daher, neu zu bestimmen, ob sich Arten von Migranten nach den jeweiligen Auswanderungsgründen unterscheiden lassen und wie die Ansprüche dieser verschiedenen Gruppen zu bewerten sind - und d.h. vor allem auch, welches Gewicht sie gegenüber den Ansprüchen der Gastländer haben“, so Professor Christian Neuhäuser von der Technischen Universität Dortmund.

Insgesamt hat MERCUR in seiner 10. Ausschreibungsrunde sechs Kooperationsprojekte der Ruhrgebietsuniversitäten mit einem Fördervolumen von rund 1,4 Millionen Euro bewilligt. Nähere Informationen zu den einzelnen Projekten finden Sie unter www.mercur-research.de

Über MERCUR
Das Mercator Research Center Ruhr (MERCUR) fördert die Kooperation zwischen der Ruhr-Universität Bochum, der Technischen Universität Dortmund und der Universität Duisburg-Essen, die seit 2007 in der Universitätsallianz Ruhr (UA Ruhr) zusammenarbeiten. Das Center wurde Anfang März 2010 von der Stiftung Mercator gemeinsam mit der UA Ruhr gegründet. Mit seinen Programmlinien unterstützt MERCUR Wissenschaftler/innen, Institute und Fakultäten der drei Hochschulen dabei, sich universitätsübergreifend insbesondere in der Forschung, aber auch in der Lehre zu vernetzen. Dahinter steht die Überzeugung, dass die Wissenschaftsregion Ruhr durch eine Bündelung ihrer Kräfte im nationalen und internationalen Wettbewerb um die besten Ideen und Köpfe wesentlich an Schlagkraft gewinnen kann.

Bei Fragen sprechen Sie uns gerne an:
Isabell Hilpert
Kommunikationsmanagerin
Mercator Research Center Ruhr
Tel.: +49 (0) 201 616 965 11
E-Mail: isabell.hilpert@remove-this.mercur-research.de