Stadtplanung als Schlüssel zum Erreichen des Zwei-Grad-Ziels

MCC-Studie: Bau von klimafreundlichen Infrastrukturen in Städten verspricht erfolgreichen Klimaschutz

Im Zuge der weltweiten Verstädterung wird der heutige Bau von Transportsystemen, Gebäuden und anderen Infrastrukturen über die CO2-Emissionen von morgen entscheiden. Wenn diese Infrastrukturen klimafreundlich gestaltet werden, können jetzt schon die Hälfte der zukünftigen CO2-Emission eingespart werden. Das entspräche ab 2040 rund 10Gt CO2 pro Jahr. Diese Menge wird derzeit von den USA, Europa und Indien zusammen ausgestoßen. Dies sind Kernergebnisse der neuen Studie, die Felix Creutzig vom Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) jetzt mit Kollegen im Fachmagazin Nature Climate Change veröffentlicht.

Konkret lässt die enorme CO2-Einsparung erreichen, wenn energieeffiziente Gebäude in den Städten weltweit jetzt stärker verdichtet gebaut und neue Mobilitätskonzepte, die zum Beispiel mehr Carsharing, Elektrifizierung und Fahrradwege beinhalten, umgesetzt werden. Nötig wären dafür bei der Stadtplanung vor allem in Asien, Afrika und dem Nahen Osten auch kürzere Pendlerstrecken, Mautstraßen und sowohl architektonische als auch technologische Verbesserungen der Gebäude. Entscheidend sind aber auch höhere Benzinsteuern.

„Die Stadtplanung und das Verkehrswesen könnten eine wesentliche Straßensperre auf dem Weg zum Erreichen des Zwei-Grad-Ziels darstellen. Sind entsprechende Infrastrukturen einmal errichtet, bestimmen sie den CO2-Ausstoß nahezu eines ganzen Jahrhunderts – viel länger als selbst Kohlekraftwerke“, sagt Leitautor Felix Creutzig. „Wenn die Welt jedoch in den nächsten 15 Jahren die gebotenen Chancen beherzt ergreift, liegt in der besseren Planung der bestehenden und vor allem der künftigen Infrastrukturen der Städte ein Schlüssel zum Erreichen ambitionierter Klimaziele. Gerade in Zeiten rechtspopulistischer und klimafeindlicher Regime, können pragmatische städtische Entscheidungsträger mehr Verantwortung für den Klimaschutz übernehmen.“

Die neue Arbeit ist vor allem für die kommunalen Entscheidungsträger von sowohl Groß- als auch Kleinstädten von besonderer Relevanz: In den jeweiligen Klimaschutzplänen werden meist der Transport- und der Gebäudesektor getrennt voneinander und auf nationalstaatlicher Ebene betrachtet. Der Artikel in Nature Climate Change nimmt dagegen die Ebene von Städten gezielt in den Blick und unterscheidet dann in der Bewertung des jeweiligen Klimaschutzpotenzials zwischen der Benutzung bestehender Infrastrukturen, der Benutzung neuer Infrastrukturen sowie den Emissionen, die mit dem Aufbau der Infrastrukturen einhergehen.

Die Wissenschaftler haben für ihre Ergebnisse bereits bestehende Daten aggregiert und daraus das Klimaschutzpotenzial der drei Infrastrukturklassen berechnet. Demnach kommt dem Bau neuer Infrastrukturen die größte Bedeutung zu: Für das Jahr 2040 ist hier ist das Einsparpotenzial drei bis vier Mal so hoch wie bei dem klimafreundlichen Anpassen vorhandener städtischer Infrastrukturen. Doch auch in Städten wie Berlin, Bielefeld oder Bonn können durch das energieeffiziente Sanieren bestehender Gebäude, dem Bau neuer höherer Gebäude und dem Bereitstellen sicherer Fahrradschnellwege große Klimaschutzeffekte erzielt werden. Darüber hinaus entstehen bei dem Bau dieser Infrastrukturen aber nach wie vor viele CO2-Emissionen. Hier kommt der Abscheidung und umgehenden Speicherung von CO2 während des Produktionsprozesses von Zement eine große Bedeutung zu.

„Wenn die Staaten der Welt die globale Erwärmung auf weniger als 2 Grad begrenzen wollen, sollten sie die städtischen Politiker und Planer stärker in die Pflicht nehmen“, sagt Creutzig. „Damit neue Technologien wie etwa Elektroautos und elektrische Fahrräder beim Klimaschutz voll zum Tragen kommen, muss die Politik sicherstellen, dass sie auch wirklich die alten, dreckigen Technologien ersetzen – und nicht neben ihnen herfahren.“

Über das MCC
Das MCC erforscht nachhaltiges Wirtschaften sowie die Nutzung von Gemeinschaftsgütern wie globalen Umweltsystemen und sozialen Infrastrukturen vor dem Hintergrund des Klimawandels. Sieben Arbeitsgruppen forschen zu den Themen Wirtschaftswachstum und -entwicklung, Ressourcen und Internationaler Handel, Städte und Infrastrukturen, Governance sowie wissenschaftliche Politikberatung. Das MCC ist eine gemeinsame Gründung der Stiftung Mercator und des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK).

Weitere Informationen:
F. Creutzig, P. Agoston, J. Minx, J. Canadell, R. Andrew, C. Le Quere, G. Peters, A. Sharifi, Y. Yamagate, S. Dhakal (2016): Urban infrastructure choices structure climate solutions. Nature Climate Change.
DOI: 10.1038/nclimate3169
http://www.nature.com/articles/doi:10.1038/nclimate3169

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