Projekt zur Einstellung Jugendlicher gegenüber dem Islam liefert differenziertes Bild

Obwohl ein Großteil der Jugendlichen grundsätzlich Diversität befürwortet, Diskriminierung ablehnt und Kenntnisse über den Islam besitzt, sind Vorurteile und Ablehnung gegenüber dem Islam verbreitet

Pressemitteilung

Essen, 13.05.2020

Dies ist ein Ergebnis eines von der Stiftung Mercator geförderten Forschungsprojekts, das sich seit 2017 mit Islamfeindlichkeit unter Jugendlichen in Nordrhein-Westfalen auseinandergesetzt hat. Projektpartner waren die Fakultät für Bildungswissenschaften der Universität Duisburg-Essen und das Interdisziplinäre Institut für Konflikt- und Gewaltforschung der Universität Bielefeld. Durch Interviews und die Befragung nicht-muslimischer Jugendlicher entstand ein differenziertes Bild der Einstellungen von Jugendlichen gegenüber dem Islam und Muslim*innen.

Herausgearbeitet wurden u.a. folgende Ergebnisse:

  • Zuschreibungen und Vorurteile: Ein negatives Bild vom Islam und Muslim*innen unter Schüler*innen ist geprägt von stereotypen Zuschreibungen der Unterdrückung von Frauen, wie auch der Unterstellungen von Segregation, Identitätsbedrohungen und Islamismus.

  • Begegnung mit dem Islam: Schule wird von den Befragten nicht als Ort der Auseinandersetzung über den Islam und nicht als Ort der engen sozialen Kontakte mit Muslim*innen erfahren, wohl aber Massenmedien und soziale Netzwerke.

  • Soziale Kontakte: Soziale Kontakte in Freundeskreis, Schule, Nachbarschaft oder durch Moscheebesuche haben unterschiedliche Einflüsse auf Vorurteile. Vor allem freundschaftliche Beziehungen zu Muslim*innen mindern islamfeindliche Einstellungen unter Jugendlichen.

  • Wissen über den Islam und die Lebensrealität von Muslimen: Schüler*innen sind vertrauter mit der Glaubenslehre als mit der Lebenswirklichkeit von Muslim*innen. Dabei geht Wissen über die Lebensrealität mit weniger Muslimfeindlichkeit einher, nicht jedoch das Wissen über die Glaubenslehre. Wird ‚Muslim/a-Sein‘ bzw. ‚zum Islam zu gehören‘ als wichtig erachtet, zeigen außerdem ausgeprägte Vorurteile gegenüber Muslim*innen.

Die Ergebnisse zeigen, dass es wichtig ist, antimuslimischem Rassismus und Islamfeindlichkeit unter Jugendlichen zu begegnen.

Vor dem Hintergrund dieser Ergebnisse haben die Forscher*innen einen Präventionszirkel mit fünf Modulen entwickelt, der Wissensvermittlung mit Begegnung und Reflexion zusammendenkt. Eine Übersicht über entsprechende Konzepte, die bereits in der Praxis erprobt werden, ist hierbei ebenfalls entstanden. Sie können sowohl in Schulen als auch der politischen Bildung oder außerschulischen Bildungsarbeit aufgegriffen werden.

"Schule sollte verstärkt zu einem Ort intensiver Begegnung mit dem Islam werden. Dabei sollten Schulen auch Einblicke in die Lebenswelt muslimischer Menschen ermöglichen", so Lamya Kaddor von der Universität Duisburg-Essen. "Die muslimische Lebenswelt ist vielschichtig und divers", so Prof.in Dr. Nicolle Pfaff von der Universität Duisburg-Essen. "Schulen, Vereine und Jugendtreffs sind Orte, an denen ein kritischer Umgang mit sozialen Zuschreibungen eingeübt werden kann. Wir müssen Jugendliche hierbei befähigen, Vorurteile und Rassismus zu erkennen."

Dr. Susanne Farwick, Leiterin des Bereichs Integration der Stiftung Mercator er-gänzt: "Um langfristig Schule und Unterricht in dieser Richtung weiterzuentwickeln, muss auch die Lehrer*innenbildung in den Blick genommen werden. Sie thematisiert noch zu wenig die Normalität der Migrationsgesellschaft. Dabei ist es wichtig, Rassismus und Diskriminierung aufzugreifen, als Themenfelder im Curriculum zu verankern und Lehrer*innen im Rahmen von Professionalisierungsprozessen bei der Entwicklung einer reflektierten Haltung zu unterstützen."

Das Projekt wurde unter der Leitung von Prof.in Dr. Nicolle Pfaff und Lamya Kaddor von der Universität Duisburg-Essen in Kooperation mit Prof. Dr. Andreas Zick und Olga Janzen von der Universität Bielefeld durchgeführt.

Weiterführende Informationen zum Projekt unter https://islam-feindlichkeit.de