Energiewende durch mehr Dezentralisierung

Deutsch-Japanischer Expertenrat diskutiert in Berlin, wie Energieverbraucher zu Energieerzeugern und Treibern der Energiewende werden können.

Pressemitteilung des German-Japanese Energy Transition Council – GJETC

Berlin/Tokio, 24.01.2017

Am heutigen Dienstag trifft sich der Deutsch-Japanische Kooperationsrat zur Energiewende (German-Japanese Energy Transition Council – GJETC) in Berlin. Im Rahmen seiner zweiten Sitzung diskutieren die Mitglieder des binationalen Expertenrates mit jeweils acht Vertretern der dezentralen Energiewirtschaft aus Deutschland und Japan über die Chancen und Herausforderungen eines Strukturwandels in der Energieversorgung.

„Die Dezentralisierung der Energieversorgung ist eine Schlüsseldimension der Energiewende. In Zukunft könnte es sogar so sein, dass sich Millionen von Verbraucher in sogenannte ‚Prosumer‘ verwandeln, die eigenen Strom erzeugen und bei Überschuss in das Stromnetz einspeisen. Deshalb ist der GJETC besonders daran interessiert, die zukünftigen Folgen der Energiewende und die Rolle der Dezentralisierung in Japan und Deutschland zu untersuchen“, sagte Prof. Dr. Peter Hennicke, der deutsche Vorsitzende des GJETC.

Der Strukturwandel hin zu mehr dezentralen und bürgernahen Erzeugern als in der Vergangenheit, bietet durch den örtlichen Betrieb von Biomasse-, Photovoltaik- und Windkraftanlagen auch große wirtschaftliche Chancen für den ländlichen Raum. Deutschland hat in Sachen Dezentralisierung des Energieangebots bereits seit Jahren umfangreiche Erfahrungen gesammelt, etwa mit bürgerfinanzierten Genossenschaften und Bioenergiedörfern. In Japan steckt diese Entwicklung nach der im Jahr 2016 erfolgten weiteren Stufe der Liberalisierung der Energie- und Gasmärkte noch in den Anfängen. Gleichwohl hat die „1st World Community Power Conference“ in Fukushima Anfang November 2016 das große Interesse auch in Japan gezeigt. Der Stakeholderdialog des GJETC zur Dezentralisierung bietet daher eine Plattform, um die länderspezifischen ökonomischen, sozialen und kulturellen Herausforderungen zu beleuchten und voneinander zu lernen.

Bereits gestern traf sich der Rat zum ersten Teil seiner zweitägigen Sitzung im Japanisch-Deutschen Zentrum in Berlin-Zehlendorf. Schon im Dezember 2016 hatte der GJETC vier Studien aus seinem Studienprogramm an externe Konsortien vergeben. Die Themen greifen energiepolitische und -wirtschaftliche Schlüsselfragen beider Länder auf. Dabei stehen vor allem klima- und ressourcenschonende Langzeitstrategien (bis 2050), die gesamtwirtschaftliche und soziale Bedeutung einer Energiewende, das Strommarktdesign und die Forcierung von Energiesparstrategien im Fokus. Während der zweiten Ratssitzung diskutierte der GJETC die von den deutsch-japanischen Studienteilnehmern vorgelegten Konzepte und Methoden.

Der japanische Vorsitzende des GJETC, Prof. Masakazu Toyoda, gab auf der abschließenden Pressekonferenz einen Ausblick auf die weitere Arbeit des Rates: „Mit den heute vorgelegten Studienkonzepten haben wir einen großen Schritt in Richtung eines gemeinsamen Gesamtberichts gemacht. Bis zur nächsten Sitzung des GJETC im September 2017 erwarten wir die konkreten Studienergebnisse für fünf umfangreiche Einzelstudien. Danach wird der Rat seine Schlussfolgerungen aus diesen Studien und aus einer Vielzahl von fachlichen Ratspapieren ziehen und seine Empfehlungen für eine gelingende Energiewende in Deutschland und Japan an Wirtschaft, Gesellschaft und Politik abgeben.“

Über den GJETC:
Der GJETC ist in seiner Form, Kontinuität und Größenordnung das erste deutsch-japanische Energiewende-Kooperationsprojekt. Das gemeinsam von hennicke.consult, dem Wuppertal Institut, ECOS Consult und dem Institute of Energy Economics Japan (IEEJ) im Frühjahr 2016 ins Leben gerufene Projekt wird durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU), die Stiftung Mercator, das Auswärtige Amt der Bundesrepublik Deutschland und das Japanese Ministry of Economy, Trade and Industry (METI) gefördert. Auch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWI) und das Japanisch-Deutsche Zentrum Berlin (JDZB) fördern das Projekt. Auf deutscher Seite koordiniert das Wuppertal Institut zusammen mit ECOS Consult die Ratsarbeit als Sekretariat, auf japanischer Seite übernimmt diese Aufgabe das Institute of Energy Economics Japan (IEEJ). Der Rat kommt jeweils halbjährlich zusammen. Die nächste Ratssitzung findet im September 2017 in Tokio statt.

Mehr Informationen finden Sie unter: www.gjetc.org

Pressekontakt

 Cathrin Sengpiehl
Cathrin Sengpiehl
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