Das digitale Sprachrohr religiöser Gruppierungen in Deutschland

Wie Twitter und andere soziale Medien religiöse Kommunikation beeinflussen

Pressemitteilung

Essen, 22.12.2015

Soziale Netzwerke werden zunehmend als Plattform für Diskussionen über religiöse Inhalte genutzt. Religionswissenschaftler von der Ruhr-Universität Bochum und Informatiker der Technischen Universität Dortmund untersuchen gemeinsam, wie religiöse Kommunikation in den Onlinemedien strukturiert ist und wie sich religiöse Inhalte im Netz verbreiten. Das Vorhaben fokussiert sich dabei auf den Vergleich neo-konservativer Gruppen des Islams und Christentums, insbesondere evangelikaler und salafistischer Gemeinschaften. Das Mercator Research Center Ruhr (MERCUR) hat das Projekt „Modellierung von Themen und Strukturen religiöser Online-Kommunikation“ im Zuge seiner 11. Ausschreibungsrunde bewilligt und fördert es mit rund 250.000 Euro.

Der Austausch über Glaubensfragen findet zunehmend über soziale Netzwerke statt. Diese bieten eine Plattform, über die sich Inhalte und Meinungen relativ einfach, unglaublich schnell und weitgehend anonym verbreiten. Zudem ist durch die Digitalisierung der Zugriff auf heilige Schriften und traditionelle Diskurse wesentlich einfacher geworden. Die Verkündigung und Auslegung des Christentums oder Islams erfolgt damit nicht mehr ausschließlich von der Kanzel einer Kirche oder Moschee, sondern es sind immer mehr Laien, die sich der Online-Kommunikation bedienen. Das führt dazu, dass die Vielfalt religiöser Deutungen zunimmt, sich neue Autoritäten und Formen von Religionsgemeinschaften bilden. Dabei lässt sich beobachten, dass dies gerade auch neokonservative Gemeinschaften, wie evangelikale Freikirchen oder islamisch-salafistische Bewegungen, einschließt, deren Lebensführung durch strikte Religiosität geprägt ist.

„Wir wollen aus religionswissenschaftlicher Sicht beleuchten, welche Themen in den sozialen Medien von neokonservativen Gruppen diskutiert werden, welche Teilgruppen mit unterschiedlichen Auffassungen sich identifizieren lassen und welche Rollen und Formen von Autoritäten sich bilden. Ziel ist es herauszufinden, wie sich diese beiden Gruppierungen internetbasierter Medien bedienen und ob sich eher ähnliche Muster oder größere Unterschiede zwischen den religiösen Traditionen zeigen“, so Prof. Dr. Volkhard Krech von der Ruhr-Universität Bochum.

Die Forschungskooperation mit den Informatikern der TU Dortmund ermöglicht erstmalig eine weitreichende quantitative Aufbereitung einer sehr großen Datenmenge zum Thema religiöser Online-Kommunikation. Damit lassen sich Erkenntnisse nicht nur auf Basis von Fallstudien gewinnen, sondern die Entwicklung des gesamten Kommunikationsprozesses wird in ihrer Gänze zugänglich gemacht.

„Dieses Projekt ist ein weiteres Beispiel dafür, welche Chancen kooperative Forschung bietet. Sie trägt dazu bei, die Kräfte zu bündeln, die komplementären Expertisen zu ergänzen und die Sichtbarkeit zentraler Forschungsfelder in der Universitätsallianz Ruhr zu erhöhen“, erklärt Prof. Dr. Winfried Schulze, Direktor von MERCUR.

Insgesamt hat MERCUR in seiner 11. Ausschreibungsrunde vier Kooperationsprojekte der Universitätsallianz Ruhr mit einem Fördervolumen von mehr als 800.000 Euro bewilligt.

Nähere Informationen zu den einzelnen Projekten finden Sie unter www.mercur-research.de.

Über MERCUR
Das Mercator Research Center Ruhr (MERCUR) fördert die Kooperation zwischen der Ruhr-Universität Bochum, der Technischen Universität Dortmund und der Universität Duisburg-Essen, die seit 2007 in der Universitätsallianz Ruhr (UA Ruhr) zusammenarbeiten. Das Center wurde Anfang März 2010 von der Stiftung Mercator gemeinsam mit der UA Ruhr gegründet. Mit seinen Programmlinien unterstützt MERCUR Wissenschaftler/innen, Institute und Fakultäten der drei Hochschulen dabei, sich universitätsübergreifend insbesondere in der Forschung, aber auch in der Lehre zu vernetzen. Dahinter steht die Überzeugung, dass die Wissenschaftsregion Ruhr durch eine Bündelung ihrer Kräfte im nationalen und internationalen Wettbewerb um die besten Ideen und Köpfe wesentlich an Schlagkraft gewinnen kann.

Bei Fragen sprechen Sie uns gerne an:
Isabell Hilpert
Kommunikationsmanagerin
Mercator Research Center Ruhr
Tel.: +49 (0) 201 616 965 11
E-Mail: isabell.hilpert@remove-this.mercur-research.de