„Auf dem Weg zur Wissenschaftsregion Ruhr“ - Neues Buch der RUB-Sozialwissenschaftler Bogumil und Heinze

Infrastruktur funktioniert, regionale Zusammenarbeit ist ausbaufähig

Pressemitteilung

Bochum, 30.06.2015

Vor knapp drei Jahren erst haben vier Sozialwissenschaftler der Ruhr-Universität dem Ruhrgebiet den Spiegel vor das Gesicht gehalten: „Viel erreicht, wenig gewonnen“, formulierten sie lakonisch und leicht provokant im Titel ihrer Publikation. Nun beleuchten zwei dieser Autoren erneut die Situation im Ruhrgebiet: Prof. Jörg Bogumil und Rolf G. Heinze (beide Fakultät für Sozialwissenschaft der RUB) haben im Klartext-Verlag das Buch „Auf dem Weg zur Wissenschaftsregion Ruhr“ herausgeben, das in diesen Tagen erscheint.

Der Idealfall
Das Buch bündelt die Ergebnisse des von der Stiftung Mercator geförderten Forschungsprojektes „Zukunftsfähige politisch-administrative Strukturen als Erfolgsfaktor der Wissenschaftsmetropole Ruhr“. Wissen wird dabei als zentraler Faktor zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit eines Standorts angesehen. Technologietransfer und Wissensteilung schaffen Innovationen, aber als Bedingung dafür müssen Kooperation und Vernetzung innerhalb der Region intensiviert werden. Das Projekt untersuchte deshalb für die Wissenschaftsregion Ruhrgebiet sowie die daran angrenzenden Bereiche Kultur und Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) die Möglichkeiten und Grenzen zukunftsfähiger interkommunaler politisch-administrativer Strukturen. Idealtypisch stehen in einer Wissenschaftsregion leistungsstarken Einrichtungen der Wissensproduktion (Hochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen) innovative und wettbewerbsfähige Unternehmen gegenüber. Sie können das Wissen, vermittelt über funktionierende Transferkanäle und etablierte Netzwerke, aufnehmen und in Wertschöpfung und Innovationen umsetzen. Die für Wissenschaftseinrichtungen und Unternehmen notwendige Existenz eines Pools an hoch qualifizierten Arbeitnehmern wird durch eine hohe urbane Lebensqualität mit einer dichten Landschaft an Kultur- und Freizeiteinrichtungen abgesichert. Zudem braucht eine Wissenschaftsregion eine aktive Einbindung in die Stadt- und Regionalentwicklung.

Was schon klappt
Die aktuelle Studie zeigt, dass das Ruhrgebiet auf dem Weg zur Wissenschaftsregion weit vorangeschritten ist, dass allerdings weiterer Handlungsbedarf besteht. Die Infrastruktur des Wissenschaftssystems im Ruhrgebiet wird dem Label „Wissenschaftsregion“ durchaus gerecht. Die Vielzahl an Universitäten, Fachhochschulen und Forschungseinrichtungen kann im nationalen und internationalen Vergleich mit jenen in anderen Wissenschaftsregionen mithalten. Die hohe Anzahl an Studierenden sowie die Beschäftigungseffekte der Hochschulen und Forschungseinrichtungen im Ruhrgebiet unterstreichen die Bedeutung, die dem Faktor Wissenschaft in dieser Region schon heute zukommt. Die große Anzahl an Studierenden bietet enorme Innovationspotenziale und für wissensintensive Branchen die Chance, auf qualifiziertes Personal zurückgreifen zu können.  

Was (noch) nicht klappt
Allerdings zeigen sich insbesondere in zwei Bereichen noch Handlungspotenziale. Zum einen bleibt der regionalökonomische Mehrwert der Hochschulen und Forschungseinrichtungen unter dem Möglichen zurück, schaut man sich den Technologie- und Wissenstransfer und die Unternehmensgründungen an. Zum anderen braucht die lokale und regionale Hochschulpolitik künftig noch mehr politischen Rückhalt und höhere Verbindlichkeit. Von daher ist eine stärkere regionale Zusammenarbeit in Hochschulfragen in den Bereichen Außenvermarktung als Wissenschaftsregion, Zusammenarbeit im Bereich Wissens- und Technologietransfer (z. B. regionales Gründerzentrum), regionales Monitoring hochschulbezogener Daten sowie der Aufbau und Unterhalt einer ruhrgebietsweiten Willkommenskultur notwendig. Die Wissenschaftsregion Ruhrgebiet hat nur dann eine Chance, im internationalen Wettbewerb zu bestehen, wenn sie gemeinschaftlich weiterentwickelt wird. Deshalb ist die Politik gefordert, diesen Prozess aktiv zu unterstützen. Zukünftig müssen noch mehr kooperative Projekte initiiert werden, die die Ausschöpfung der zweifelsfrei vorhandenen Potenziale der Wissenschaftsregion Ruhr fördern.  

Titelaufnahme
Jörg Bogumil, Rolf G. Heinze (Hrsg.): „Auf dem Weg zur Wissenschaftsregion Ruhr. Regionale Kooperationen als Strategie“, Klartext-Verlag Essen 2015, 284 Seiten, ISBN: 978-3-8375-1418-6  

Kontakt:
Arne Dessaul, Arne.Dessaul@remove-this.uv.rub.de, +49(0)234/32-23999

Cathrin Sengpiehl, Cathrin.Sengpiehl@remove-this.stiftung-mercator.de, +49(0)201/24-522841