An Ganztagsgrundschulen gelingt Beteiligung von Eltern mit Migrationshintergrund besser

Pressemitteilung

Berlin, 16.12.2014

Eine konstruktive Zusammenarbeit von Schule und Elternhaus kann sich maßgeblich auf die schulischen Leistungen und den Bildungserfolg von Schülern auswirken. Wie die Studie des SVR-Forschungsbereichs zeigt, gelingt es Ganztagsgrundschulen insgesamt besser als Halbtagsgrundschulen, Eltern mit Migrationshintergrund und sozial benachteiligte Familien einzubeziehen. Allerdings fehlt es an vielen Schulen an Bildungsangeboten für Eltern. Zudem nutzen Eltern die bestehenden Möglichkeiten der Elternbeteiligung insgesamt eher wenig, offenbar weil diese noch nicht hinreichend auf ihren Bedarf ausgerichtet sind. Die Handlungsempfehlungen der Studie benennen die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Beteiligung von Eltern.

An Grundschulen besteht eine Vielzahl von Möglichkeiten für eine Beteiligung von Eltern: sie können sich bei Schulfesten oder Projekten engagieren, in Gremien mitarbeiten oder Beratung zum häuslichen Lernen in Anspruch nehmen. Allerdings gelingt es noch nicht ausreichend, Eltern zu erreichen, da die Beteiligungsmöglichkeiten offenbar noch zu wenig am Bedarf der Eltern ausgerichtet sind. Zudem fehlt es häufig an konkreten Bildungsangeboten wie Elternkursen oder lernfördernden Materialien, die Eltern dabei unterstützen, ihr Kind zu Hause beim Lernen zu begleiten. „Die Studie zeigt, wo noch Nachholbedarf besteht“, sagte Dr. Cornelia Schu, Direktorin des Forschungsbereichs beim Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR). „Ein Viertel aller Grundschulen macht den Eltern keinerlei Bildungsangebote“, so Schu weiter. „In drei Viertel der Grundschulen sind solche Möglichkeiten nur punktuell und unregelmäßig vorhanden. Dabei sind Kursangebote und unterstützende Lernmaterialien gerade für zugewanderte Familien und sozial benachteiligte Eltern wichtig, damit sie ihren Kindern zuhause eine lernförderliche Umgebung schaffen können.“ Dr. Mark Speich, Geschäftsführer der Vodafone Stiftung, mit deren Förderung die Studie entstanden ist, betont: „Eltern sind die entscheidenden Akteure im Bildungsverlauf von Kindern. Wenn wir Kindern und Jugendlichen ermöglichen wollen, ihre Bildungschancen voll auszuschöpfen und sich in ihren Neigungen und Kompetenzen frei zu entfalten, müssen wir auch ihre Eltern mit ihren vielfältigen Kompetenzen in die Entscheidungsstrukturen in den Schulen einbeziehen und sie gezielt darüber informieren, wie sie ihre Kinder fördern können.“

Ein weiteres zentrales Ergebnis der Studie, für die mit der Unterstützung des Instituts für Schulentwicklungsforschung (IFS) an der TU Dortmund erstmals Daten der internationalen Schulleistungsuntersuchung IGLU und TIMMS 2011 zum Thema Elternbeteiligung an Grundschulen in Deutschland ausgewertet wurden: An den so genannten rhythmisierten Ganztagsschulen gelingt es besser, Eltern der ersten Zuwanderergeneration in das Schulleben einzubinden als an Halbtagsschulen oder an additiven Ganztagsschulen, bei denen sich an den regulären Unterricht am Vormittag eine pädagogische Nachmittagsbetreuung anschließt. An rhythmisierten Ganztagsschulen, die über den Tag verteilt einen Wechsel von Lernen im Klassenverband, selbständigem Lernen und weiteren Aktivitäten eingeführt haben, besteht eine stärkere Notwendigkeit, neue Formen der Ansprache von Eltern zu schaffen. Eltern der ersten Zuwanderergeneration, die über nur geringe Deutschkenntnisse verfügen, werden hier insbesondere mit niedrigschwelligen Beteiligungsangeboten, z. B. im Rahmen von Schulprojekten, besser in das Schulgeschehen einbezogen. Auch bieten diese Ganztagsschulen häufiger die Gelegenheit zu vertiefender lernbezogener Beteiligung als andere Ganz- und Halbtagsschulen. So werden an einem Drittel der rhythmisierten Ganztagsschulen mehr als dreimal jährlich thematische Elternabende organisiert; an den anderen Schulformen finden sie wesentlich seltener oder gar nicht statt. Hier zeigt sich, dass die Chancen des Ganztagsschulausbaus ergriffen werden und die Förderung in Höhe von 400 Mio. Euro durch den Bund erste Früchte getragen hat. Hieraus wurden teilweise auch Angebote zur Beteiligung von Eltern finanziert. „Es liegt auf der Hand, dass Schulen Angebote für die Elternbeteiligung nicht kostenneutral bereitstellen können und dass sie auf die Unterstützung der Politik und die Mitwirkung kommunaler Akteure angewiesen sind“, sagte Dr. Cornelia Schu.
Die Studie gibt entsprechende Handlungsempfehlungen zur Etablierung einer erfolgreichen und bedarfsorientierten Elternbeteiligung: Die Länder sollten einen Teil des Budgets für Schulen an den Zweck der Elternbeteiligung knüpfen. Die Verteilung sollte an erprobte Konzepte und an eine Qualitätsprüfung gebunden werden. Auf konzeptioneller Ebene sind die Grundschulen auf eine Begleitung durch die Schulbehörden angewiesen, die sie auch dabei unterstützen können, Ressourcen zu erschließen. Als treibende Kraft für Elternbeteiligung sollte die Schulsozialarbeit zu einem festen Bestandteil jeder Grundschule werden. Für die Schulen selbst ist es ratsam, sich im Stadtteil gezielt zu vernetzen, z. B. in sog. Bildungsketten, in denen Schulen, Eltern und außerschulische bildungspolitische Akteure strategisch zusammenarbeiten. Für solche Vernetzungsvorhaben sollten Kommunen und Länder zusätzliche Mittel bereitstellen. Schließlich muss die Gestaltung von Elternbeteiligungsangeboten an der Schule ein zentrales Element der Lehrerausbildung und -weiterbildung werden.

Die Studie „Eltern als Bildungspartner: Wie Beteiligung an Grundschulen gelingen kann“ sowie eine Infografik können Sie hier herunterladen: http://www.svr-migration.de/Forschungsbereich

Die Studie ist im Rahmen eines auf zwei Jahre angelegten Forschungsprojektes des SVR-Forschungsbereichs zu Kooperativer Elternarbeit entstanden, das von der Vodafone Stiftung Deutschland gefördert wird.

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Julia Heer
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