Zukunftsakademie NRW

Die Gesellschaft wandelt sich – und mit ihr die Anforderungen an kulturelle Einrichtungen. Die ZAK NRW beschäftigt sich gemeinsam mit den Kultureinrichtungen damit, wie sie erfolgreich neue Zielgruppen ansprechen können und gleichzeitig ihr eigenes Angebot zukunftsfähig machen können.

Die ZAK NRW befindet sich in Bochums Innenstadt, und zwar auf halber Strecke zwischen dem Rathaus und dem so traditionsreichen wie renommierten Schauspielhaus – wo einst die Intendanten Peter Zadek und Claus Peymann mit ihren Inszenierungen bundesweit für Furore sorgten –, 15 Minuten zu Fuß von der denkmalgeschützten und liebevoll sanierten Jahrhunderthalle entfernt, dem Hauptspielort der Ruhrtriennale, wo von Mozarts „Zauberflöte“ bis hin zu modernen Opernproduktionen wie „Die Soldaten“ von Bernd Alois Zimmermann alljährlich bundesweit beachtete Kulturereignisse stattfinden, dazwischen: Trinkhallen, türkische Lebensmittelhändler, die vielbefahrene B226, ein Second-Hand-Möbelmarkt, Spielhallen, Arbeiterhäuser.

Und mittendrin, in einem älteren Verwaltungsgebäude, gegenüber vom Anneliese Brost Musikforum, liegt die ZAK, die Zukunftsakademie NRW – eine Anlaufstelle für Kultureinrichtungen aller Art aus dem gesamten Bundesland, ein vermittelndes Element zwischen Hochkultur und urbanem Leben, zwischen dem Lokalkolorit des Ruhrgebiets und den internationalen Perspektiven des Standortes Nordrhein-Westfalen, zwischen traditionellen Strukturen und einer interkulturell durchmischten Gesellschaft. „Wir bringen Ideen, Erfahrungen und Perspektiven zusammen“, sagt ZAK-Geschäftsführerin Inez Boogaarts, die aus den Niederlanden – sie war Generalsekretärin des Rates für Kunst und Kultur Rotterdam – nach Bochum gewechselt ist.

Wenn sich ein Museum, ein Theater oder ein Festival entwickeln möchte und kulturelle Bildung als Möglichkeit einbeziehen will, um langfristig mehr Menschen und auch jüngere Menschen von dem gesellschaftlichen Wert von Kultur zu überzeugen oder aber den Rat von Menschen sucht, die ähnliche Wege schon vorher gegangen sind, dann organisiert die ZAK den Austausch zum inneren und äußeren Wandel der Institutionen. Unauffällig und dezent, wie das Haus, in dem sie residiert. Aber für den Kulturbetrieb ungemein wertvoll.

Es geht ums „Netzwerken“, darum, eine „Plattform“ zu schaffen. Tatsächlich lässt schon die Trägergemeinschaft – bestehend aus dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, der Stiftung Mercator, der Stadt Bochum und dem Schauspielhaus Bochum – erkennen, dass hier viele Perspektiven zusammenkommen. „Spannend für uns ist, dass sie gemeinsam eine kulturpolitische Verantwortung übernommen haben und sowohl den Diskurs als auch die Praxis mit ihren unterschiedlichen Erfahrungsebenen bereichern“, erklärt Inez Boogaartsim Konferenzraum der ZAK, dessen Wände mit einem Mosaik aus unzähligen beschrifteten Notizzetteln beklebt sind. Es braucht viel Platz, um ein komplexes System wie die nordrhein-westfälische Kulturlandschaft übersichtlich darzustellen.

Gleichzeitig betont die Geschäftsführerin: „Wir sind kein abstraktes Gebilde, wir sind nah an der Praxis.“ Denn die Probleme, mit denen das achtköpfige Team der ZAK konfrontiert wird, sind ebenso konkret wie die Lösungsansätze, die gemeinsam erarbeitet werden: Was kann ein etabliertes Filmfestival tun, um sich so zu verändern, dass sich Menschen unterschiedlicher Herkunft und Bildungsbiografie zukünftig stärker angesprochen fühlen? Wie erreicht ein Opernhaus mehr junge Menschen? Muss ein Museum auf die Digitalisierung reagieren – und, wenn ja, wie? Wie kommt eine Klavierkonzertreihe in Kontakt mit Schulen? Wie kann eine Stadtbibliothek unterschiedliche Nutzer in Zukunft noch an sich binden? Lässt sich über soziale Medien Kulturinteresse wecken?

Alle diese Fragen führen letztlich zu einem Phänomen, dem sich die Institutionen stellen müssen: der zunehmenden Diversität der Gesellschaft – und damit des Publikums. Nordrhein-Westfalen wird, bedingt durch demografischen Wandel, Migration und Landflucht, vielfältiger und urbaner. Zunehmend heterogen sind deshalb die Erwartungen und Ansprüche, mit denen Kultureinrichtungen umgehen müssen, wollen sie dauerhaft ihrer gesellschaftlichen Verantwortung genügen und ein breites Publikum ansprechen. Die ZAK bringt Kulturschaffende, Fachleute und Zielgruppen zusammen, damit diese gemeinsam herausfinden, wie das im Einzelfall gelingt. „Wir können das Rad in der Kulturlandschaft nicht neu erfinden. Das wollen wir auch gar nicht“, erklärt Inez Boogaarts. „Vielmehr schauen wir uns an, wer in NRW in unseren Themenfeldern bereits erfolgreich agiert und wie diese Akteure in Kooperationen zusammenzubringen sind beziehungsweise welche Bedarfe sie in der aktuellen gesellschaftspolitischen Lage haben.“

Wie das aussieht? Das können Workshops sein – wie der von Prof. Dr. Carmen Mörsch, Leiterin des Institute for Art Education (IAE) der Zürcher Hochschule der Künste, die rund um das Thema Diversität in der kulturellen Bildung forscht und Anregungen gab, wie mit didaktischen Materialien gearbeitet werden kann. Das können Informationsveranstaltungen zu Förderprogrammen des Landes sein – wie zum Beispiel „Künste im Interkulturellen Dialog“, bei denen ein direkter Austausch mit Vertreterinnen und Vetretern der Fördergeberinnen und –gebern vermittelt wird. Das können auch Modellprojekte sein – wie „RuhrKunstNachbarn“, bei dem sich 18 Kunstmuseen und zahlreiche Schulen aus dem Ruhrgebiet zusammenschließen, um gezielt Kinder und Jugendliche anzusprechen. Oder das kann ein Fachtreffen wie „Diversität in der Kulturellen Bildung und Vermittlung“ sein, bei dem es um mehr Diversitätsbewusstsein in der kulturellen Bildung geht.

„Kulturinstitutionen“, unterstreicht Inez Boogaarts, „gehören allen Menschen in unserer Gesellschaft“. Und wenn sich die Gesellschaft ändert – müssen es auch die Kultureinrichtungen tun. Mehr noch: Sie müssen selbst ein dynamischer Teil dieser Entwicklung werden. „Mein besonderes Herzensthema ist es, die Führungsebenen der etablierten Kulturinstitutionen nachhaltig zu überzeugen – ich würde sogar sagen: ‚verführen‘ –, dass mehr Vielfalt in den Institutionen eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten in der Kultur bedeutet“, sagt die ZAK-Geschäftsführerin. Also: Raus aus den Elfenbeintürmen, rein in das Leben! Dass die Niederländerin mit der typisch deutschen Unterteilung in „U- und E-Kultur“ nichts anfangen kann, passt zu dieser Linie. „Was nützt es, wenn ästhetisch großartige Räume nicht ausreichend genutzt werden sind und wenn ein Theaterprogramm mehr als lästige Pflicht statt als freudvolle Kür empfunden wird?“, so fragt sie.

Fakten

Zukunftsakademie NRW

Öffnen, Begleiten, Stärken – Vielfalt in Kultur.

Die Zukunftsakademie NRW begleitet und berät Kultureinrichtungen Nordrhein-Westfalens bei Öffnungsprozessen zu mehr Teilhabe und Vielfalt. Sie setzt Impulse für mehr Diversität in der Kulturellen Bildung und verstehen sich als Plattform für Wissensvermittlung und Austausch. Die Zukunftsakademie ist ein Gemeinschaftsprojekt des Landes Nordrhein-Westfalen, der Stiftung Mercator, des Schauspielhauses Bochum und der Stadt Bochum.

Was sind die Ziele?

Langfristiges Ziel ist es, mehr Teilhabe an Kultur zu ermöglichen. Das heißt konkret, dass sich die Veränderungen in der Gesellschaft langfristig im öffentlich geförderten Kultursektor widerspiegeln sollen. Und, dass Kulturnutzung in der Zukunft interessant ist für: Menschen mit und ohne Migrationshintergrund, für Menschen aus verschiedenen sozialen Milieus. Für junge und alte Menschen, für Kulturaffine und nicht Kulturaffine. Dabei fokussiert sich die ZAK insbesondere auf öffentlich geförderte Kultureinrichtungen in NRW, weil hier die Möglichkeit besteht, strukturell nachhaltige Veränderungsprozesse anzustoßen. Warum? Weil sie für alle Menschen in NRW gedacht sind.

Wie sieht die Umsetzung aus?

Wie ist das Projekt organisiert?

Die Zukunftsakademie NRW e. V. ist ein gemeinnütziger Verein, der 2013 gegründet wurde. Sie setzt sich aus drei Gremien zusammen: dem Vorstand, der Mitgliederversammlung und dem Fachbeirat. Die Geschäftsstelle gestaltet in einem Team von sieben festangestellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Vereinsarbeit und hat ihren Sitz in Bochum.

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Geschichten aus dem Projekt

Projektmanager

 Viola Hilbing
Viola Hilbing
Projektmanagerin
+49 201 24522-816
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Beitrag der Stiftung

Bewilligte Summe: 2.700.000 € Laufzeit: 2010 - 2017

Zusätzliche Infos

www.zaknrw.de

www.zaknrw.de/blog

Downloads zum Projekt

Gründung neuer Plattform in der Zukunftsakademie: Welt/Raum/Labor
Mappe anschauen (0)Sie können in diese Mappe ausgewählte Dokumente ablegen und gesammelt auf Ihren Computer laden.

Aktuelles aus dem Projekt

Projektmanager/-in

Die Zukunftsakademie NRW e.V. begleitet Kulturinstitutionen Nordrhein-Westfalens bei ihren [...]

Pressemitteilung der Stiftung Mercator

Gemeinsam durch Kultur lernen

Herausforderungen der Inklusion an Schulen durch Kulturelle Bildung meistern

Pressemitteilung der Zukunftsakademie NRW

Neue Geschäftsführerin bei der Zukunftsakademie NRW

Ab dem 1. Oktober 2016 übernimmt Inez Boogaarts die Führung der Geschäfte der Zukunftsakademie NRW

Presseschau

FOCUS online

Was hilft Europa? Spannende Diskussionen am Aktionstag in Bochum

Ein Bericht zur Diskussionsveranstaltung der Zukunftsakademie NRW am Tag für Europa.