Rat für Kulturelle Bildung

Kulturelle Bildung für alle

Ein zentrales Ziel der Stiftung Mercator ist es, qualitativ hochwertige kulturelle Bildung als gleichwertigen Teil allgemeiner Bildung in der Schule und im Schulsystem zu verankern

Mit dem Rat für Kulturelle Bildung hat sie deshalb ein unabhängiges und wissenschaftliches Expertengremium ins Leben gerufen, das sich umfassend mit Lage und Qualität kultureller Bildung in Deutschland befasst.

Der Rat für Kulturelle Bildung will die Qualität und den Stellenwert von Kunst, Musik, Literatur, Tanz und Theater im Alltag erhöhen und sie möglichst vielen Menschen zugänglich machen.

Essen, 10 Uhr morgens. Auf dem Weg zur Essener Geschäftsstelle des Rates für Kulturelle Bildung passiert der Besucher das Museum Folkwang und das Aalto-Theater – belebte kulturelle Stätten. Ein Straßenmusiker singt und spielt mit seiner Gitarre „Stop Crying Your Heart Out“ von Oasis. Eine Gruppe Jugendlicher übt sich lautstark im Rap. Wer dann, in der Büroetage angekommen, aus dem Fenster schaut, kann hinter Kirschbäumen die Essener Philharmonie erkennen. Musiker eilen mit ihren Instrumentenkoffern zu dem imposanten Gebäude.

Fakten

Rat für Kulturelle Bildung

Lage und Qualität der kulturellen Bildung in Deutschland beobachten und analysieren, sie durch Beratung und Empfehlungen verbessern und zu einem selbstverständlichen Teil von Bildung für alle machen.

Kulturelle Bildung fördert Kreativität und die Entwicklung der Persönlichkeit. Sie verändert den Blick auf die Welt und vermittelt den Menschen wichtige Kompetenzen, diese mitzugestalten. Gleichzeitig hilft sie, die Gesellschaft zukunftsfähig zu machen, und sie unterstützt die Menschen, den Herausforderungen gerecht zu werden, die an sie gestellt werden. Damit kulturelle Bildung wirken kann, muss sie systematisch verankert und von hoher Qualität sein, was bisher nicht immer der Fall ist. Mit dem Rat für Kulturelle Bildung gibt es nun ein unabhängiges Expertengremium, das die Lage und Qualität kultureller Bildung in Deutschland umfassend beobachten und bewerten kann. So trägt der Rat dazu bei, dass sich kulturelle Bildung qualitativ weiterentwickelt und möglichst vielen Menschen zugänglich gemacht wird.

Was ist das Ziel?

Der Stiftungsverbund hat den Rat für Kulturelle Bildung ins Leben gerufen, um mithilfe unabhängiger Expertise den Stellenwert und die Qualität von kultureller Bildung in Deutschland zu steigern, ihre Weiterentwicklung zu fördern und sie nachhaltig in den Bildungsstrukturen zu verankern. Ziel des Rates ist es, kulturelle Bildung allgemein zugänglich zu machen, und dafür zu sorgen, dass sie zu einer selbstverständlichen Alltagserfahrung und einem festen Bestandteil von allgemeiner Bildung wird. Außerdem setzt sich der Rat dafür ein, die Potenziale, die in kultureller Bildung stecken, deutlich zu machen und diese zu nutzen.

Wie sieht die Umsetzung aus?

Die Mitglieder des Rates erstellen Analysen, verfassen Publikationen sowie Gutachten, Denkschriften und verabschieden Empfehlungen. Dabei steht die Frage nach der Qualität der kulturellen Bildung im Mittelpunkt. Es geht weniger um die Auflistung von guten und schlechten Beispielen, sondern vielmehr darum, Strukturen herauszuarbeiten und zu analysieren, wie und unter welchen Bedingungen kulturelle Bildung gelingen kann. Darüber hinaus treten die Ratsmitglieder auf Podien, Tagungen und in Diskussionsrunden auf, organisieren eigene Veranstaltungen und suchen aktiv das (Beratungs-)Gespräch mit Entscheidern aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft.

Wie ist das Projekt organisiert?

Auf Initiative der Stiftung Mercator haben sich 2012 sieben Stiftungen zu einem Verbund zusammengeschlossen, der in Form eines Vereins organisiert ist. Dessen Mitgliederversammlung beruft den unabhängigen Expertenrat, dem 13 Mitglieder aus unterschiedlichen Bereichen angehören. Die ehrenamtlich tätigen Wissenschaftler und Künstler kommen aus ganz Deutschland und treffen sich dreimal pro Jahr. Alle sechs Wochen tagt eine kleinere Arbeitsgemeinschaft. Die Geschäftsstelle des Rates mit Sitz in Essen hat vier hauptamtliche Mitarbeiter, die sich um die kontinuierliche Arbeit und die Organisation des Rates für Kulturelle Bildung kümmern.

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Die Qualität und den Stellenwert von kultureller Bildung erhöhen

Doch nicht jeder nimmt die Vielfalt der Künste hier wahr. Nicht für jeden gehört Kultur unverzichtbar zum Leben. „Wir möchten, dass kulturelle Bildung eine selbstverständliche Alltagserfahrung und ein fester Bestandteil von Bildung wird. Kulturelle Bildung verändert den Blick auf die Welt, sie steigert die Wahrnehmungsfähigkeiten und kann neue Gestaltungsmöglichkeiten eröffnen“, erklärt Holger Noltze.

Er muss es wissen: Noltze ist Professor für Musik und Medien an der Technischen Universität Dortmund und Sprecher des Rates für Kulturelle Bildung, in dessen Geschäftsstelle wir uns befinden. Ziel des Rates – 2012 auf Initiative der Stiftung Mercator mit sechs weiteren großen deutschen Stiftungen in einem Stiftungsverbund ins Leben gerufen – ist es, die Qualität und den Stellenwert kultureller Bildung zu erhöhen und sie möglichst vielen Menschen zugänglich zu machen.

Wie lässt sich das bewerkstelligen? „So, wie ein engagierter Sportkommentator ein Fußballspiel beobachtet und analysiert, schauen wir uns diesen reichlich unübersichtlichen Bereich kulturelle Bildung an. Wir gucken, was dort gut läuft, wo vielleicht Potenziale noch ungenutzt sind und was wie verbessert werden kann“, so erklärt Noltze. Als unabhängiges Gremium kann sich der Rat eine konstruktiv-kritische Sicht auf die Entwicklungen leisten. „Wir finden kulturelle Bildung wichtig, aber wir hinterfragen auch und versuchen, die Akteure konstruktiv zu beraten. Wir sehen uns als kritischen Freund“, erklärt der 53-Jährige.

Ein unabhängiges Beratungsgremium, interdisziplinär zusammengesetzt

Dem Rat gehören 13 Mitglieder an, sowohl Wissenschaftler als auch Künstler aus ganz Deutschland, die unterschiedliche Zugänge zum Thema haben: von der Pädagogik und Bildungsforschung über die Kultur- und Neurowissenschaften bis hin zu Literatur, Kunst und Musik, zu Tanz und Theater. Bis zum Sommer 2016 stellt der Stiftungsverbund dem Gremium für seine Arbeit mehr als 1,5 Millionen Euro zur Verfügung.

Immer häufiger lässt sich laut dem Experten – beispielsweise im Bereich der klassischen Musik – eine gesellschaftliche Zweiteilung feststellen: Es gibt diejenigen, die einen starken Bezug zu ihr haben, und diejenigen, die über keinerlei Zugang verfügen. „Aber es ist ja für alle“, sagt Noltze. „Ich finde, dass wir die Pflicht haben, das, was man über Kunst, über Musik und Sprache erfahren kann, auch allen zugänglich zu machen. Wir müssen überlegen, wie wir das schaffen können. Für mich ist die Brücke nicht mehr der bildungsbürgerliche Imperativ: Das musst Du kennen, sondern kulturelle Bildung: Hier kannst Du etwas Interessantes und vielleicht auch für Dich Bedeutendes erfahren.“ Dabei ist es ihm wichtig, nicht nur ausgewählte gesellschaftliche Gruppen in den Blick zu nehmen, sondern die Gesellschaft in ihrer ganzen Breite.

Jährliche Gutachten

Um seine Ziele zu erreichen, mischt der Rat sich ein. Noltze: „Wir sind mehr als ein Salon von interessanten Leuten, die sich nett unterhalten. Wir wollen durch Gedanken und kritische Fragen das Denken über kulturelle Bildung beeinflussen. Letztlich geht es natürlich darum, dass sich Haltungen und Handeln ändern.“ Die Ratsmitglieder veranstalten Tagungen, geben Interviews, treten auf Podien auf, aber sie sprechen auch mit Ministern und beraten Entscheider aus anderen Bereichen. Einen besonderen Stellenwert haben die Jahresgutachten, weitere Publikationen und Empfehlungen, die von den Mitgliedern des Rates verfasst und veröffentlicht werden.

Dreimal pro Jahr treffen sich die Experten zu Sitzungen. Aber auch zwischen den Sitzungen gibt es einen regen Austausch. „Was sich zum Beispiel bewährt hat, ist ein Mittel der alten Schule: nämlich die Hausaufgaben“, erklärt der Sprecher schmunzelnd. Jedes Mitglied leistet einen Beitrag, indem es Aufgaben bekommt, sie erledigt und das Ergebnis an die anderen Ratsmitglieder schickt. Anschließend wird alles zusammengefügt, im Plenum wird das Ganze diskutiert. „Manchmal ist es schon anstrengend, sich mit allen auf etwas zu einigen, aber jeder hat Interesse am Feld des anderen und ist bereit, noch einmal einen kleinen gedanklichen Umweg einzubauen, damit es gut wird. Das ist toll!“, sagt Noltze. Bei seiner Arbeit wird der Rat von den vier hauptamtlichen Mitarbeitern der Geschäftsstelle in Essen unterstützt, die sich unter anderem um die Organisation und kontinuierliche Arbeit kümmern.

Das Engagement im Rat ist Noltze zufolge ein „enormer Zeitfresser“ – trotzdem ist er damit sehr zufrieden: „Die Ratsarbeit ist eine Bereicherung, denn ich habe dabei wirklich gute Köpfe kennengelernt. Gleichzeitig hat mir der Rat klar gemacht, warum kulturelle Bildung so wichtig ist.“ Schon die erste Veröffentlichung „Alles immer gut“, die sich kritisch mit den Mythen kultureller Bildung beschäftigt und darauf hindeutet, dass in diesem Bereich laut Text „nicht immer alles so gut ist, wie es scheint“, hat in der Fachöffentlichkeit positive Resonanz gefunden. „Ich glaube, dass unsere erste Publikation das Koordinatensystem des Nachdenkens über kulturelle Bildung beeinflusst hat. Und das ist ein erheblicher Erfolg!“

Projektmanager

Dr. Fabian Krahe
Dr. Fabian Krahe
Projektmanager
+49 201 24522-857
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Beitrag der Stiftung

Bewilligte Summe: 2.050.000 € Laufzeit: 2010 - 2019

Zusätzliche Infos

www.rat-kulturelle-bildung.de

Downloads zum Projekt

Call for Paper Jahrestagung Netzwerk Forschung KuBi
Broschüre Forschungsfonds kulturelle Bildung
Mappe anschauen (0)Sie können in diese Mappe ausgewählte Dokumente ablegen und gesammelt auf Ihren Computer laden.

Aktuelles aus dem Projekt

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Der Rat für Kulturelle Bildung fordert neue Strukturen und eine wirksamere Unterstützung des Bundes, [...]

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Der Scheideweg

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n-tv.de

Förderung für bedürftige Kinder: Bildungspaket "ist gescheitert"

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Teilhabepaket: Worauf man zielen sollte, ist eine Haltungsänderung"

Ein Interview mit Holger Noltze, Sprecher des Rats für Kulturelle Bildung im DLF.

WAZ

Bildungspaket für arme Kinder gilt als Fehlschlag

Der Artikel greift die Kritik des Rats für Kulturelle Bildung am Bildungs- und Teilhabepaket für Kinder aus einkommensschwachen Familien auf.  [...]

RP online

Musik hilft Kindern beim Sprechenlernen

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Also doch: Kulturelle Bildung wirkt

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Alarmierende Erkenntnis: Arme Kinder machen selten Musik

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