Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache

Sprache, Schlüssel zur Bildung

Das Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache ist ein von der Stiftung Mercator initiiertes und gefördertes Institut der Universität zu Köln

Ein zentrales Ziel der Stiftung Mercator ist es, gesellschaftliche Teilhabe und Integration durch bessere Bildungschancen für alle zu ermöglichen. Mit dem Mercator-Institut fördert sie seit dem Jahr 2011 ein wissenschaftlich unabhängiges Institut, das die sprachliche Bildung und die Sprachförderung entlang des gesamten Bildungswegs und insbesondere in der Schule verbessern will.

Das Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache will Sprachbildung an Schulen langfristig verbessern.

Eine heitere Runde sitzt in einem der Büros um einen Besprechungstisch herum, in der Mitte einen Spielplan ausgebreitet. „Tabu Junior“ steht darauf zu lesen. Es geht bei dem Spiel darum, in kurzer Zeit Begriffe zu erklären, ohne bestimmte Wörter zu benutzen. Lautes Gelächter, als eine der vier Spielerinnen einen „Schrank“ zu umschreiben versucht – und dabei das Wort „öffnen“ verwendet, das sie nicht hätte gebrauchen dürfen. Michael Becker-Mrotzek, der die Szene von der Tür aus beobachtet hat, lächelt, geht einen Schritt zurück, schließt die Tür leise von außen und wendet sich seinem Gast zu. Hier sitze eine studentische Kraft des Instituts mit drei Lehramtsstudentinnen zusammen, erklärt er diesem – und der Hintergrund des Spiels sei ein ernster: Den Studentinnen (die nachmittags in Schulen Förderkurse geben) werde gerade eine weitere Methode nahegebracht, wie sie Kindern spielerisch Sprachkompetenz vermitteln können.

Fakten

Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache

Die Sprachförderung an deutschen Schulen verbessern, um mehr Kindern und Jugendlichen zu einem qualifizierten Abschluss zu verhelfen.

In den Schulen spricht im Durchschnitt knapp ein Drittel aller Kinder und Jugendlichen eine andere Erstsprache als Deutsch, in Ballungsgebieten liegt der Anteil sogar bei bis zu zwei Dritteln. Der Sprachförderbedarf bei Schülern mit und ohne Migrationshintergrund wächst weiter. Nicht nur das Beherrschen der deutschen Sprache im Allgemeinen, sondern vor allem der in der Schule erforderlichen Bildungssprache ist eine wesentliche Voraussetzung für Bildungserfolg. Deshalb ist die Förderung eines jeden Kindes und Jugendlichen nach seinem individuellen Bedarf eine der wichtigsten Aufgaben des deutschen Bildungssystems.

Was sind die Ziele?

Das Mercator-Institut berät Hochschulen dabei, Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache in der Lehrerausbildung zu verankern, fördert, vermittelt und betreibt anwendungsorientierte Forschung und trägt zur Qualifizierung von Lehrenden in Schule und Hochschule bei. Darüber hinaus beobachtet und berät es Bildungspraxis, -verwaltung und -politik. Das Institut soll eine Schnittstelle zwischen den drei Kräften der Bildungslandschaft – Bildungspolitik, Bildungspraxis und Bildungsadministration – sein und langfristig die Sprachförderung an deutschen Schulen verbessern. Wenn Politik, Administration, Praxis und Forschung Hand in Hand und in engem Austausch an einem gerechteren Bildungssystem durch bessere Sprachbildung und Sprachförderung arbeiten, schaffen in Zukunft mehr Schüler einen qualifizierten Schulabschluss, werden mehr von ihnen ausbildungsfähig die Schule verlassen und werden mehr Schüler das Abitur erreichen und studieren können.

Wie sieht die Umsetzung aus?

Um das deutsche Bildungssystem langfristig gerechter zu gestalten und besser auf die heterogene Schülerschaft auszurichten, 

  • berät das Mercator-Institut Politik und Bildungsadministration beim qualitativen Ausbau sprachlicher Bildung,
  • unterstützt es die zuständigen Ministerien einzelner Bundesländer dabei, die Sprachförderung in der Lehrerausbildung zu stärken,
  • führt es eigenständige Forschungsvorhaben zur Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache durch,
  • fördert und vernetzt es bundesweit Forschungsaktivitäten in diesem Bereich und
  • initiiert und fördert es Qualifizierungsmaßnahmen für Lehr- und Ausbildungspersonal.

Wie ist das Projekt organisiert?

Das Institut gehört zur philosophischen Fakultät der Universität zu Köln, geht jedoch zurück auf eine Initiative der Stiftung Mercator von 2011. In dem Kuratorium des Instituts kommen Entscheider der Universität und der Stiftung zusammen, um strategische und grundsätzliche inhaltliche Fragen zu klären. Gemeinsam entscheiden die Mitglieder des Kuratoriums über die Besetzung des wissenschaftlichen Beirats und die Ernennung von Gutachtern für die Vergabe von Förderungen.

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Bundesweite Anlaufstelle für Sprachförderung

Denn um die Entwicklung der Sprachkompetenz von Schülern geht es hier – beim Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache in Köln.

„Wir sind einmalig“, sagt Becker-Mrotzek selbstbewusst. „Einmalig“ betrifft zum einen die besondere Organisation. Das Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache wird zwar von der Stiftung Mercator mit rund 11 Millionen Euro gefördert, ist aber eine eigenständiges Institut an der Universität zu Köln. „Einmalig“ gilt zum anderen für die wissenschaftliche Arbeit. 15 feste Mitarbeiter, darunter Linguisten, Germanisten, Psychologen und Experten für den frühkindlichen Bereich, ein 16-köpfiger wissenschaftlicher Beirat (dem renommierte Experten angehören wie Marcus Hasselhorn, Direktor des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF), Olaf Köller, Direktor des Leibniz-Instituts für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik, und Frank Schneider, Lehrerausbilder in Solingen) sowie mit Michael Becker-Mrotzek ein Direktor, der als Professor für deutsche Sprache und ihre Didaktik selbst zu den namhaften Bildungsforschern in Deutschland gehört. In Köln ist so unter seiner Leitung eine kompetente Anlaufstelle für Sprachförderung entstanden.

Sprachförderbedarf wächst

„Im Klassenraum von heute sprechen im Durchschnitt bereits 30 Prozent aller Kinder und Jugendlichen eine andere Erstsprache als Deutsch, in Ballungsgebieten liegt der Anteil sogar bei bis zu 65 Prozent“, erklärt der Sprachwissenschaftler. Und: „Der Sprachförderbedarf bei Schülerinnen und Schülern mit und ohne Migrationshintergrund wächst weiter.“ Seit der ersten PISA-Studie sei klar: Hier müsse in den Schulen mehr getan werden, und zwar fächerübergreifend. Denn, so sagt Becker-Mrotzek: „Nicht nur das Beherrschen der deutschen Sprache im Allgemeinen, sondern vor allem der in der Schule erforderlichen Bildungssprache ist eine wesentliche Voraussetzung für Bildungserfolg.“

Tatsächlich gebe es mittlerweile auch eine Vielzahl von Fördermaßnahmen und -konzepten. Doch die Anstrengungen verliefen weitgehend unkoordiniert, und nicht immer sei klar, ob und wie viel sie wirklich brächten, berichtet Becker-Mrotzek. Das Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache soll hier mit empirischer Forschung für mehr Ordnung im Wildwuchs sorgen. Mitunter führt das zu alarmierenden Ergebnissen: Unlängst überprüfte das Institut in einer Studie die 21 in Deutschland gebräuchlichen Verfahren, mit denen der Sprachstand von Vorschulkindern erfasst werden soll – mehr als die Hälfte erfüllte die Qualitätsmerkmale nicht ausreichend.

Anfragen der Bundesländer häufen sich

Seit Veröffentlichung der Studie, so berichtet Koautor, Uwe Neugebauer, häuften sich die Anfragen aus den Bundesländern, wie ein valides Verfahren aussehen könne. Das Institut gibt konkrete Ratschläge, abhängig von den jeweiligen Zielen der Maßnahmen. Tatsächlich gehört die Beratung von Politik und Verwaltung beim qualitativen Ausbau sprachlicher Bildung – neben der Forschung – zu den Schwerpunkten des Mercator-Instituts.

Der dritte Schwerpunkt des Instituts ist die Verbesserung der Lehrerbildung. „Lehrerinnen und Lehrer müssen dafür ausgebildet werden, dass sie den Sprachförderbedarf ihrer Schülerinnen und Schüler erkennen und diese individuell fördern können“, sagt Becker-Mrotzek. Sind sie das denn nicht? Bei weitem nicht alle, wie eine weitere Studie des Instituts ergab. Nur in der Hälfte aller in Deutschland angebotenen Lehramtsstudiengänge sind Inhalte zu Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache für angehende Deutschlehrer verpflichtend. Für die anderen Unterrichtsfächer liegt der Anteil bei gut 40 Prozent. Das Engagement des Mercator-Instituts für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache endet dabei nicht mit dem Befund – es entwickelt Module, die in der Lehrerbildung genutzt werden können, und es fördert deutschlandweit 15 Projekte in Zusammenarbeit mit Bundesländern und Hochschulen, die angehende Lehrer befähigen, ihren Unterricht sprachsensibel zu gestalten. Dass die Universität zu Köln dabei zu den Vorreitern gehört, dafür sorgt nicht zuletzt Becker-Mrotzek, der als stellvertretender Leiter des Zentrums für LehrerInnenbildung der Universität und Sprecher der Bund-Länder-Initiative zur Verbesserung der Sprachförderung „Bildung durch Sprache und Schrift“ auch über die Grenzen des Instituts hinaus aktiv ist. Das hat Gewicht. Mit mehr als 9.500 Studierenden und einem Studienangebot für alle Lehrämter ist die Universität zu Köln eine der größten Einrichtungen für Lehrerausbildung in Europa.

Überhaupt: Die Wissenschaftler des Instituts stellen unter der Lehrerschaft eine wachsende Offenheit dem Thema gegenüber fest. Der Problemdruck steige. „Viele Lehrkräfte spüren, dass sie mit ihren Themen viele Kinder nicht mehr erreichen – und wollen handeln“, sagt Barbara Baumann, die den Bereich Deutsch als Zweitsprache in der Lehrerbildung verantwortet. Das Institut wolle ihnen das Rüstzeug dafür vermitteln.

Geschichten aus dem Projekt

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Projektmanager

 Ina Bömelburg
Ina Bömelburg
Projektmanagerin
+49 201 24522-35
van.obrzryohet@fgvsghat-zrepngbe.qr

Beitrag der Stiftung

Bewilligte Summe: 20.750.000 € Laufzeit: 2011 - 2022

Projektpartner

Universität zu Köln

Downloads zum Projekt

Flyer zur Fachtagung "Neu zugewanderte Kinder und Jugendliche in der Schule"
Anmeldun zum Weiterbildungsstudium DaZ KOMPAKT
Mappe anschauen (0)Sie können in diese Mappe ausgewählte Dokumente ablegen und gesammelt auf Ihren Computer laden.

Aktuelles aus dem Projekt

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