Agora Verkehrswende

Die Verkehrswende kann gelingen – als Gemeinschaftsprojekt

Die Agora Verkehrswende ist eine gemeinsame Initiative der Stiftung Mercator und der European Climate Foundation.

Die Vermeidung eines gefährlichen Klimawandels ist ein zentrales Ziel der Stiftung Mercator. Ambitionierter Klimaschutz ist nur möglich, wenn es gelingt, auch im Verkehrsbereich effektiv Treibhausgasemissionen zu reduzieren. Dazu muss der Ölverbrauch im Verkehrssektor drastisch gesenkt werden. Die Agora Verkehrswende zielt darauf ab, in Zusammenarbeit mit zentralen Akteuren aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft die notwendigen Grundlagen für eine umfassende Klimaschutzstrategie für den Verkehrssektor in Deutschland bis hin zu seiner vollständigen Dekarbonisierung zu erarbeiten.

Es sind ehrgeizige Ziele, die das Klimaschutzabkommen von Paris bis 2050 vorschreibt. Will Deutschland diese Ziele erreichen, ist eine radikale Wende erforderlich – vor allem im Verkehrsbereich, der zu lange vernachlässigt wurde. Die Initiative Agora Verkehrswende will dafür den nötigen gesellschaftlichen Diskurs anstoßen.

Mitten im Herzen Berlins beginnt die Wende. Nicht etwa im Bundestag oder in politischen Gremien, sondern in den Büroräumen der Agora Verkehrswende. Agora. Ein Name, der an hitzige Debatten auf antiken Marktplätzen denken lässt. Doch anders als im antiken Griechenland geht es bei der Agora Verkehrswende nicht darum, sich möglichst lautstark bemerkbar zu machen, sondern darum, die besten Argumente zu bündeln.

Tatsächlich deuten nur Kleinigkeiten darauf hin, dass hier mit Hochdruck an der Lösung einer der größten gesellschaftlichen Aufgaben gearbeitet wird: der Wende hin zu einem neuen, nachhaltigen Verkehr. An der Wand hängen Mindmaps mit Begriffen, die nach Zukunft klingen – Robo-Taxis, Ridesharing und Reallabore. Als Besucher bekommt man ein Bild davon, was über kurz oder lang unsere Mobilität bestimmen wird. Im Konferenzraum erinnert die Zahl 2050 an das entscheidende Zieljahr für das große Klimaschutzziel; bis dahin müssen die Treibhausgas-Emissionen praktisch auf Null gesenkt werden. Und überall hört man, wie das Agora-Team nach den Besprechungen auf den Fluren noch weiter diskutiert. Ohne Zweifel wurde mit der Agora Verkehrswende durch die Stiftung Mercator und die European Climate Foundation 2016 ein Think-Tank ins Leben gerufen, der die Debatte um den Klimaschutz im Verkehr neu ausrichtet.

Fakten

Impulse setzen, um die Verkehrswende zum Erfolg zu führen

Spätestens mit dem Pariser Klimaschutz-Abkommen, das im November 2016 völkerrechtlich verbindlich wurde hat der Kampf der internationalen Staatengemeinschaft gegen den Klimawandel ernsthaft begonnen. Die Bundesregierung hat mit dem Klimaschutzplan 2050 fast zeitgleich beschlossen, den Ausstoß von Treibhausgasen bis zur Mitte dieses Jahrhunderts auf nahezu Null zu senken. Das kann nur gelingen, wenn auch der Verkehrsbereich komplett umgestellt wird; er verursacht zurzeit knapp 20 Prozent der deutschen Treibhausgase. Gehandelt werden muss sofort, nicht nur von der Politik – umsetzen müssen die Verkehrswende am Ende die Bürger. Gelingt das Gemeinschaftswerk, könnte Deutschland damit ein Signal auch für andere Länder aussenden.

Was sind die konkreten Ziele?

Das gesamte Verkehrssystem für Personen und Güter auf Schiene und Straße soll auf klimafreundliche Energien umgestellt werden. Das setzt voraus, die Mobilität im 21. Jahrhundert grundsätzlich neu zu gestalten. Die Agora Verkehrswende versteht sich in diesem Prozess als Denkfabrik (Think Tank). Sie will Impulse setzen für Veränderungen auf allen Ebenen – was daraus gemacht wird liegt dann in den Händen der jeweiligen Akteure aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

Wie sieht die Umsetzung aus?

Ein etwa zehnköpfiges interdisziplinäres Team er- und verarbeitet wissenschaftliche Erkenntnisse für den Diskurs und die Strategieentwicklung; dabei geht es um ökologische, ökonomische und gesellschaftliche Aspekte. Auf der Grundlage dieser Analysen diskutiert in regelmäßigen Abständen der „Rat der Agora Verkehrswende“ – bestehend aus Entscheidungsträgern aus Europäischer Kommission, Bund, Ländern und Kommunen und Ländern, aus der Wirtschaft, der Wissenschaft und der Zivilgesellschaft. Darüber hinaus finden Workshops, Tagungen und Konferenzen zu relevanten Themen statt, um den gesellschaftlichen Diskurs weiter anzukurbeln.

Wie ist das Projekt organisiert?

Die Agora Verkehrswende ist ein Geschäftsbereich der gemeinnützigen Smart Energy for Europe Plattform (SEFEP) gGmbH. Das Team der Agora Verkehrswende mit Sitz in Berlin, geleitet vom Geschäftsführer Christian Hochfeld, steuert die Umsetzung der Initiative. Der offizielle Startschuss erfolgte am 1. Juli 2016. Zunächst ist eine Laufzeit bis 2018 vorgesehen.

Wer hat die Initiative ins Leben gerufen?

Die Agora Verkehrswende ist eine gemeinsame Initiative der Stiftung Mercator mit Sitz in Essen sowie der European Climate Foundation. Die European Climate Foundation ist eine Gemeinschaftsinitiative mehrerer großer, international tätiger Stiftungen aus Europa und den Vereinigten Staaten gegen die drohende Erderwärmung. Zusammen haben die beiden Stiftungen bis Ende 2018 fünf Millionen Euro bereitgestellt.

Weitere Informationen unter: http://agora-verkehrswende.de/.

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Der nötige Diskurs: Es geht nicht um Einzelinteressen

Natürlich wird schon länger in Deutschland über Klimaschutz im Verkehr diskutiert, doch immer bezogen auf einzelne Verkehrsmittel. Das Besondere der Agora Verkehrswende ist die neue Denkrichtung. Im Fokus steht der Klimaschutz, erst in einem zweiten Schritt werden die Verkehrsmittel, Technologien und die einzelnen Sektoren in ihrem Zusammenspiel betrachtet.

Eine zentrale Instanz für diesen neuen Diskurs ist der „Rat der Agora Verkehrswende“, der sich aus Repräsentanten wichtiger gesellschaftlicher Bereiche zusammensetzt: Politiker aus Bund, Ländern und Kommunen sind vertreten, Industrie, Gewerkschaften, Verbände sowie Wissenschaft und Zivilgesellschaft. In die Sitzungen hineinzuschauen, ist nicht möglich. Um den offenen Gedankenaustausch zu fördern, wird nach der Chatham-House-Regel diskutiert: Die Gedanken sind frei, aber wer sie äußert, wird nicht preisgegeben. Christian Hochfeld, Direktor der Agora Verkehrswende, berichtet im Gespräch allerdings sehr optimistisch von den Gesprächen, die seiner Meinung nach jenseits politischer Proklamationen stattfinden: „Bei allen Unterschieden ist allen Ratsmitgliedern bewusst, dass ein ‚Weiter-So‘ keine Option ist. Und diese Erkenntnis hat dazu geführt, dass wir jenseits unserer Einzelinteressen schauen, wie wir dem gemeinsamen Ziel näherkommen können.“

Alle drei Monate kommt der Rat zusammen, um mehrheitsfähige Lösungen für die Verkehrswende zu diskutieren. Die wissenschaftlichen Grundlagen für den Diskurs und die Strategieentwicklung liefert das interdisziplinäre Team der Agora Verkehrswende, das an aktuellen Analysen und Studien arbeitet. Dass dieses Konzept der Zusammenarbeit zwischen Rat und wissenschaftlichen Teams aufgehen kann, hat die „Agora Energiewende“ gezeigt. Bereits seit 2012 prägt diese ebenfalls von der Stiftung Mercator und der European Climate Foundation ins Leben gerufene Initiative die politische Diskussion um die Energiewende maßgeblich mit.

Doch auch, wenn die Agora Energiewende als Vorbild dient, muss sich die Agora Verkehrswende ganz eigenen Herausforderungen stellen. „Im Unterschied zur Energiewende im Stromsektor, wo die Verbraucher kaum einen qualitativen Unterschied merken, werden sie für die Verkehrswende ihr Verkehrsverhalten ändern müssen. Sie werden andere Fahrzeuge in Kombination, also multimodal nutzen“, sagt Christian Hochfeld. Das mache einen ehrlichen, gesellschaftlichen Diskurs so wichtig, soll die Verkehrswende nicht an mangelnder Akzeptanz der Bürger scheitern. Das wäre fatal, denn die Treibhausgasemissionen des Verkehrs sind heute praktisch noch genauso hoch wie 1990. Hochfeld: „25 Jahre treten wir quasi auf der Stelle. Wenn wir den Dreh jetzt nicht hinkriegen, erleiden wir Schiffbruch!“

Zwei Säulen: Mobilitätswende und Energiewende im Verkehr

Das Team der Agora Verkehrswende ist optimistisch, dass ein solcher Schiffbruch vermieden werden kann. Die Philosophie, der das Team folgt, spiegelt sich in einem Symbol wider, das einem in den Räumen der Initiative immer wieder begegnet: ein Dreieck mit der „Verkehrswende“ als Spitze, der „Mobilitätswende“ und der „Energiewende im Verkehr“ als die Eckpunkte an der Basis, die Christian Hochfeld auch als die zwei Säulen der Wende bezeichnet.

Zwei Mitglieder des Teams, Anne Klein-Hitpaß und Alexander Jung, beschäftigen sich mit der Mobilitätswende, mit Strategien zur Verminderung oder Verlagerung von Verkehr auf klimafreundliche Verkehrsmittel. Ihre Grundannahme: „Die Mobilitätswende hat in den Städten längt begonnen.“ Hier zeige sich, dass Menschen mobil sein können, ohne auf einen privaten Pkw angewiesen zu sein. Menschen in den Städten bewegten sich mehr und mehr multimodal, nutzten den Öffentlichen Personennahverkehr und mit Hilfe der Digitalisierung auch zunehmend Car- und Ridesharing-Angebote. Später sollen autonome Fahrzeuge ebenfalls von mehreren Nutzern geteilt werden können. Solche Veränderungen schonen nicht nur das Klima, sondern kommen auch den Bürgern zugute. „Die Stadt wird grüner. Die Stadt wird leiser. Die Luft wird sauberer. Man hat insgesamt mehr öffentliche Räume, eine höhere Aufenthaltsqualität und ist trotzdem mobil. Die Städte werden zu den Gewinnern der Mobilitätswende“, fasst Anne Klein Hitpaß die Vorteile zusammen. Ihr Kollege Alexander Jung ergänzt: „Es braucht die Mobilitätswende, um den Energiebedarf im Verkehrssektor auf ein Niveau zu senken, das dann durch erneuerbare Energien gedeckt werden kann.“

„Allerdings ist mit dem Mobilitätswandel allein keine komplette Verkehrswende zu schaffen“, erklärt Urs Maier. Er ist zusammen mit Kerstin Meyer für den Bereich der Energiewende im Verkehr zuständig, also für die Umstellung der Antriebsenergie von fossilen Kraftstoffen auf erneuerbare, klimaverträgliche Antriebsformen. Ein Schlüssel sowohl für den Personenverkehr, als auch für den Güterverkehr ist dabei die Elektromobilität. Auch hier gilt es, gemeinsam mit wichtigen Akteuren und Entscheidungsträgern Ideen zu entwickeln, die wie bei der Energiewende im Verkehr zum gemeinschaftlichen Vorteil umgesetzt werden können.

„Die Argumente für den Klimaschutz werden sich verändern“, so die Einschätzung von Christian Hochfeld, „neben Argumenten für Umwelt- und Klimaschutz, werden Begründungen wie wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit und gesellschaftlicher Mehrwert an Bedeutung gewinnen und Mehrheiten von der Notwendigkeit des Handelns überzeugen. Tatsächlich ist es für die Unternehmen vorteilhafter, diesen Wandel mitzugestalten, anstatt von ihm erfasst und überrollt zu werden.“

Die Wende im Kopf hat längst begonnen – die Agora Verkehrswende sorgt mit dafür, dass daraus nun Taten folgen. Denn eines ist laut Christian Hochfeld ganz klar: „Der Klimawandel wartet nicht darauf, bis wir handeln.“

Geschichten aus dem Projekt

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Projektmanager

 Philipp Offergeld
Philipp Offergeld
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+49 201 24522-838
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Beitrag der Stiftung

Bewilligte Summe: 3.800.000 € Laufzeit: 2015 - 2018

Zusätzliche Infos

agora-verkehrswende.de

Downloads zum Projekt

Projektbeschreibung
Unser Engagement im Bereich Verkehr
Klimawandel – Ein Interview mit Lars Grotewold
Klimawandel – Ein Gespräch mit Christian Hochfeld und Dr. Patrick Graichen
Mappe anschauen (0)Sie können in diese Mappe ausgewählte Dokumente ablegen und gesammelt auf Ihren Computer laden.

Aktuelles aus dem Projekt

Konferenz „Climate Action and Human Wellbeing at a Crossroads: Historical [...]

Maritim Hotel, Königswinter
Pressemitteilung der Agora Verkehrswende

Elektromobilität setzt Strategien zur nachhaltigen Rohstoffversorgung voraus

Um die Rohstoffversorgung für die Elektromobilität zu sichern, sind Initiativen von Politik und [...]

Veranstaltung auf Einladung der Agora Verkehrswende

Städte als Orte der Verkehrswende

Berlin

Presseschau

ZEIT

"30 Prozent der Autos würden reichen"

Interview mit Christian Hochfeld, dem Geschäftsführer unserer Partnergesellschaft Agora Verkehrswende

der Freitag

Teile und vernetze

Die Verkehrswende ist ohne eine Revolution der Mobilität nicht zu haben. Die Agora Verkehrswende spricht sich klar für eine neue Form der Beweglichkeit aus.  [...]

rbb inforadio

Vis à vis: "Der Verkehrssektor muss umdenken!"

Christian Hochfeld, Direktor der Agora Verkehrswende, im Gespräch darüber, was Politik in der kommenden Legislaturperiode tun kann und muss, damit auch der Verkehr [...]

Der Tagesspiegel

Viel Arbeit auf der letzten Meile

Eine Verkehrswende ist für Dr. Urs Maier, Projektleiter Güterverkehr der Agora Verkehrswende, unabdingbar. Ziel sei die Dekarbonisierung des Verkehrs bis zum Jahr 2050.  [...]

taz.de

Es gibt immer mehr Klimakiller

Der CO2-Ausstoß steigt weiter an – vor allem im Verkehr. Das geht aus Berechnungen der Thinktanks Agora Energiewende und Agora Verkehrswende hervor.  [...]

WirtschaftsWoche

CO2-Belastung: Die umstrittene Klimabilanz der Elektroautos

Die Experten der Agora Verkehrswende empfehlen einen schnellen Umstieg auf Elektorautos um die Ziele der Dekarbonisierung zu erreichen.

Der Tagesspiegel

Autoindustrie: Wenn Wissmann bremst

Der Artikel über synthetische Kraftstoffe zitiert die Einschätzung von Christian Hochfeld, Leiter der Agora Verkehrswende.

Der Tagesspiegel

Klimaschutz in Innenstädten: Das Diesel-Desaster

Der Artikel greift die Einschätzung von Christian Hochfeld, Direktor der Agora Verkehrswende, auf.

Berliner Zeitung

„In der Stadt benötigen wir kein privates Auto“

Christian Hochfeld im Interview

Frankfurter Rundschau

Eine Reise ins Grüne

Ein Beitrag über die Initiative Agora Verkehrswende und ihre Pläne für einen klimaneutralen Umbau des Verkehrs bis 2050.

Süddeutsche Zeitung

Kobalt könnte knapp werden: Investoren horten Rohstoffe wegen Boom der Elektroautos

Eine Studie der Agora Verkehrswende hält fest: Vorkommen würden möglicherweise nicht rasch genug erschlossen, so dass das Angebot speziell an Lithium und Kobalt zeitweise [...]