• Alex Büttner © Stiftung Mercator

Agora Energiewende

Die Energiewende zum Erfolg bringen

Die Agora Energiewende ist eine gemeinsame Initiative der Stiftung Mercator und der European Climate Foundation

Die Vermeidung eines gefährlichen Klimawandels ist ein zentrales Ziel der Stiftung Mercator. Daher setzt sie sich für eine erfolgreiche Energiewende in Deutschland als Motor für globalen Klimaschutz ein. Mit der Agora Energiewende hat sie 2013 eine Institution ins Leben gerufen, die als unabhängige Denkfabrik und Diskussionsplattform gemeinsam mit Akteuren aus Politik, Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft nach Lösungen sucht, wie ein auf Erneuerbaren Energien basierendes Stromsystem gestaltet werden kann.

Mit dem Umbau der Stromversorgung weg von Kohle- und Kernkraft hin zu Wind- und Sonnenenergie hat sich die deutsche Politik ein ehrgeiziges Ziel gesetzt. Die Agora Energiewende zeigt mögliche Wege dorthin auf.

Die Arbeit an Lösungen für die derzeit wohl anspruchsvollste politische Aufgabe kommt auf den ersten Blick recht unspektakulär daher. Ein Versammlungsraum, ein gutes Dutzend Experten, einige Landkarten an der Wand – und eine Pinnwand, auf die Patrick Graichen Kärtchen zum Thema „Durchleitungspreis“ steckt. Tatsächlich ist Graichen, früher langjähriger Referatsleiter im Bundesumweltministerium, einer der angesehensten Experten in Deutschland für praktische Fragen der Energiepolitik, und im Versammlungsraum haben sich Entscheider namhafter damit befasster Institutionen – Versorgungsunternehmen, Verbraucherverbände, Gewerkschaften, Ministerien aus Bund und Ländern sowie Hochschulen – zusammengefunden. Sie sprechen hier, im Konferenzraum der Agora Energiewende an der Rosenstraße in Berlin, über Rahmenbedingungen, die großen Einfluss auf die Energiewende haben.

Fakten

Agora Energiewende

Den Umstieg in Deutschland auf erneuerbare Energien zu einer ökonomischen Erfolgsgeschichte machen.

Bis 2050 hat sich Deutschland vorgenommen, die Stromerzeugung praktisch komplett auf erneuerbare Energien umzustellen und den Ausstoß von Treibhausgasen um 80 bis 95 Prozent gegenüber 1990 zu senken. Dieser Zeithorizont und die ambitionierten Ziele machen die Energiewende zu einem weltweit wegweisenden Unterfangen – und zum Projekt einer ganzen Generation. Gelingt es, das Energiesystem der viertgrößten Volkswirtschaft der Welt komplett umzubauen und zu einer ökonomischen Erfolgsgeschichte zu machen, wird davon weltweit eine große Schubkraft ausgehen.

Was sind die Ziele?

Der Umstieg auf erneuerbare Energien wird auf verschiedenen Wegen möglich sein. Die Agora Energiewende will belastbare, wissenschaftlich durchgerechnete Pfade aufzeigen und deutlich machen, welche Folgen damit jeweils verbunden sind. Dann muss die Politik entscheiden.

Wie sieht die Umsetzung aus?

Ausgewiesene Fachexpertise bildet die fachliche Grundlage für die Arbeit der Agora. Hierfür stehen ein Forschungsbudget und ein wissenschaftliches Netzwerk zur Verfügung. Entscheidungsträger aus Bund und Ländern, Köpfe aus der Wirtschaft und der Zivilgesellschaft, Wissenschaftler sowie weitere Multiplikatoren kommen regelmäßig als Rat der Agora zusammen. Darüber hinaus finden Workshops, Tagungen und Konferenzen zu den relevanten Themen statt.

Wie ist das Projekt organisiert?

Agora Energiewende ist ein Geschäftsbereich der gemeinnützigen Smart Energy for Europe Plattform (SEFEP) GmbH. Deren Gesellschafter sind die Stiftung Mercator mit Sitz in Essen sowie die European Climate Foundation. Die European Climate Foundation ist eine Gemeinschaftsinitiative mehrerer großer, international tätiger Stiftungen aus Europa und den Vereinigten Staaten gegen die drohende Erdüberhitzung.

Einklappen Aufklappen

Herausforderungen der Energiewende diskutieren

Zwei Stunden zuvor, im Arbeitszimmer von Graichen, dem Direktor der Agora. Wofür steht der Name Agora? Für den Versammlungsort der Polis im antiken Griechenland – dem zentralen Platz also, auf dem die Bürger über Politik diskutierten und um Lösungen für gesellschaftliche Probleme rangen, erklärt Graichen. Der Name der von der Stiftung Mercator und der European Climate Foundation 2012 ins Leben gerufenen und bis 2017 mit 14 Millionen Euro finanzierten Institution ist Programm: Nicht nur heute wird hier später die Expertenrunde tagen. Immer wieder kommen Fachleute auf Einladung der Agora Energiewende zusammen, um in Workshops, Konferenzen und Tagungen darüber zu sprechen, wie Deutschland als bedeutender Industriestaat vorwiegend mit erneuerbaren Energien versorgt werden kann. Eine feste Instanz ist der „Rat der Agora“, er setzt sich zusammen aus rund 25 Entscheidern aus Politik, Gesellschaft und Industrie. Der Rat trifft sich alle drei Monate, um die künftigen Herausforderungen der Energiewende zu diskutieren.

Kann sich Deutschland denn vorwiegend mit erneuerbaren Energien versorgen? „Es besteht ein breiter gesellschaftlicher und parteiübergreifender Konsens, dass wir dem Klimawandel etwas entgegensetzen wollen“, sagt der Volkswirt und Politikwissenschaftler – nämlich vor allem kostengünstigen Strom aus Wind- und Sonnenkraft. Der Ausstieg aus der Kernenergie bis 2022 und die Reduktion der Treibhausgasemissionen um 80 bis 95 Prozent bis 2050 sind in Deutschland beschlossene Sache. Graichen: „Es geht nicht mehr um das Ob, sondern um das Wie der Energiewende.“

Handlungsoptionen verstehen und politische Alternativen diskutieren

Beim Wie aber beginnen die Probleme: Wie lässt sich die Energiewende technisch bewerkstelligen? Wer investiert dafür wie viel? Und wie lässt sich zwischen den Akteuren, zum Beispiel den Energieversorgern und den Verbrauchern, ein fairer Interessenausgleich herstellen? Komplexe Fragestellungen, die eine Regierung kaum ohne fachlichen und unabhängigen Rat beantworten kann. „Wir wollen ein gemeinsames Problemverständnis entwickeln, die Handlungsoptionen verstehen und politische Alternativen diskutieren – mit einem Maximum an wissenschaftlichem Sachverstand“, erklärt Graichen, der die Agora Energiewende eine „Denk- und Politikwerkstatt“ nennt. Um sich zu fokussieren, beschränkt sich die Arbeit zunächst auf das Thema Strom. Aus dem Kalkül heraus, dass – wenn hier Lösungen gefunden sind – die anderen beiden großen Energiebereiche Heizen und Verkehr daran ausgerichtet werden können.

Komplexe Sachverhalte verständlich machen

Die Experten tagen in vertrauensvoller Atmosphäre. Alle wissenschaftlichen Gutachten und Ergebnisse werden veröffentlicht, zudem findet eine Vielzahl von öffentlichen Veranstaltungen statt. „Jeder soll nachvollziehen können, warum wir welche Schlussfolgerungen ziehen“, betont Graichen. Die Agora Energiewende ist kein Hinterzimmer-Zirkel. Öffentlichkeitsarbeit ist ohnehin ein Schwerpunkt in der Arbeit der insgesamt 15 Mitarbeiter – die meisten davon Wissenschaftler aus Fachbereichen, die mit dem Thema zu tun haben: Politik- und Sozialwissenschaftler, Ökonomen und Naturwissenschaftler. Sie sind gefragte Gesprächspartner für die Medien, die Bedarf haben am Rat unabhängiger Experten. „Wir übersetzen die doch recht komplexen Sachverhalte in eine verständliche Sprache“, erklärt Graichen. So, dass Journalisten damit arbeiten könnten. Wichtig sei, dass beim Bürger handhabbare Informationen ankommen, damit die Diskussion auf sachlich korrektem Fundament stattfinde.

Auch international prägt die Agora Energiewende die Debatte um die deutsche Energiewende. Nachbarstaaten mit ihren Stromnetzen, die mit dem deutschen Netz verbunden sind, werden schließlich unmittelbar betroffen sein, etwa wenn Deutschlands Stromproduktion aufgrund einer Umstellung auf Wind- und Sonnenkraft stärker als bisher schwankt. „Die Energiewende funktioniert nur, wenn sie in den europäischen Kontext eingebettet ist“, betont der Agora-Direktor. Drei Projektleiter mit polnischer, französischer und österreichischer Herkunft kümmern sich deshalb eigens darum, Entscheider und Medien zum Beispiel in Warschau, Prag, Wien, Brüssel und Den Haag zu informieren.

Tatsächlich wird die deutsche Energiewende, sofern sie erfolgreich verläuft, Vorbildcharakter für viele Staaten haben; schließlich ist der Klimawandel ein globales Problem. „Gelingt es, das Energiesystem der viertgrößten Volkswirtschaft der Welt komplett umzubauen und zu einer ökonomischen Erfolgsgeschichte zu machen, wird davon weltweit eine große Schubkraft ausgehen“, sagt Graichen. Und betont: „Wir haben keine andere Wahl, als sie erfolgreich umzusetzen.“

Geschichten aus dem Projekt

Projektmanager

 Philipp Offergeld
Philipp Offergeld
Projektmanager
+49 201 24522-838
cuvyvcc.bssretryq@fgvsghat-zrepngbe.qr

Pressekontakt

 Cathrin Sengpiehl
Cathrin Sengpiehl
Kommunikationsmanagerin Presse
+49 201 24522-841
pngueva.fratcvruy@fgvsghat-zrepngbe.qr

Beitrag der Stiftung

Bewilligte Summe: 10.821.000 € Laufzeit: 2012 - 2017

Zusätzliche Infos

www.agora-energiewende.de

Downloads zum Projekt

IRR Innovationsregion Rheinisches Revier GmbH, Joachim Diehl
Modellergebnisse zu den Agora Kohleausstiegsszenarien, Julius Ecke
Die Energiewende braucht den gestalteten Kohleausstieg, Professor Dr. Martin Faulstich
Elf Eckpunkte für einen Kohlekonsens – Konzept zur schrittweisen Dekarbonisierung des deutschen Stromsektors, Dr. Patrick Graichen
Nationaler Kohlekonsens – einige ökonomische Überlegungen, PD Dr. Christian Growitsch
Zukunft der Energieregion Lausitz als Partner in der Energiewende, Dr. Wolfgang Krüger
Mappe anschauen (0)Sie können in diese Mappe ausgewählte Dokumente ablegen und gesammelt auf Ihren Computer laden.

Aktuelles aus dem Projekt

Pressemitteilung der Agora Energiewende

Wie der grenzüberschreitende Stromhandel besser funktionieren kann

Die Regeln der Strommärkte in den Ländern Zentralwesteuropas unterscheiden sich stark voneinander. [...]

Pressemitteilung der Agora Energiewende

EEG-Umlage steigt 2017 auf gut sieben Cent pro Kilowattstunde

Hauptursache sind gesunkene Strompreise an der Börse, für Konsumenten muss sich daher nichts ändern. [...]

Braunkohleplanung der Länder an nationale Klimaschutzziele anpassen

Genehmigte Tagebaue in Nordrhein-Westfalen, Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt dürfen [...]