51° Islam im Wandel
Europa steht wieder einmal an einem Scheideweg. Die Diskussion um den Euro zeigt, wie viel noch am gemeinsamen Haus Europa zu bauen ist, um das zu erhalten, was uns wichtig ist. Das haben uns auch die Diskussionen bei unserem Dahrendorf-Symposium in Berlin mit Mario Monti, Timothy Garton Ash, Norbert Röttgen und vielen anderen gezeigt. Im Nachgang dazu haben wir Mitte November gemeinsam mit Helmut Anheier und Arne Westad in der ZEIT einen offenen Brief zur Stärkung Europas initiiert, den europäische Intellektuelle von Jürgen Habermas bis Krzysztof Michalski unterzeichnet haben.
Ein weiteres Thema, das uns beschäftigt, ist die Integration der in Deutschland lebenden Muslime. Diese machen zwar mittlerweile rund fünf Prozent der deutschen Bevölkerung aus. Allerdings ist die Unkenntnis über den Islam nach wie vor sehr groß.
Dürfen muslimische Lehrerinnen im Klassenraum ein Kopftuch tragen? Sind Moscheen in deutschen Städten ein Zeichen der Integration oder stehen sie für eine zunehmende Islamisierung? Keine andere Religion bewegt die Menschen so sehr wie der Islam. Und auch wenn Bundespräsident Christian Wulff den Islam jüngst zu Recht als „Teil Deutschlands“ bezeichnet hat, so haben die meisten Muslime ihren Platz in unserer Gesellschaft doch noch nicht gefunden. Die Stiftung Mercator will die Integration unserer muslimischen Mitbürger vorantreiben, ihnen eine größere Teilhabe an der Gesellschaft ermöglichen und Chancengleichheit schaffen.
Deshalb haben wir die letzte Ausgabe von 51° in diesem Jahr dem Schwerpunktthema „Islam im Wandel“ gewidmet. Im Auftaktinterview erklärt Professor Harry Behr, Sprecher des von uns ins Leben gerufenen Graduiertenkollegs Islamische Theologie, warum seine Kollegiaten bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit Grenzen überschreiten müssen. Seit 2010 fördern wir außerdem die Bildungsarbeit an der Merkez-Moschee in Duisburg Marxloh. Ein Angebot, das jede Woche rund 1.000 Menschen in Anspruch nehmen und über das wir in dieser Ausgabe ebenfalls berichten. In einem Gastbeitrag beschreibt der Schriftsteller und Orientalist Navid Kermani, von uns geförderter Senior Fellow am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI), seine ganz persönliche Sicht des Islam in Deutschland.
Außerdem erläutert die Programmleitende Geschäftsführerin Sybille Linke im Interview Ziele und Aufbau des Modellprogramms Kulturagenten für kreative Schulen. Wir blicken zurück auf das erste halbe Jahr seit Gründung unseres ProjektZentrum Berlin und geben einen Zwischenbericht zur Arbeit der Hochrangigen Konsensgruppe Fachkräftebedarf und Zuwanderung. In unserer Kolumne fordert Andre Wilkens die Bürger Europas dazu auf, für Europa mehr Druck auf die politischen Entscheidungsträger auszuüben.

