51° 4/2010: Individuelle Förderung
Als Einwanderungsland ist Deutschland von einer wachsenden kulturellen Vielfalt geprägt. Gleichzeitig steigen in einer hoch komplexen Gesellschaft die Anforderungen an Flexibilität und Kreativität. Um diesen Herausforderungen auch in Zukunft gewachsen zu sein, muss sich unser Bildungssystem weiterentwickeln. Es muss erfolgreiche Bildungskarrieren ermöglichen, das heißt, jeden Menschen individuell fördern und ihn vom Kindergarten bis zum Schul- oder Hochschulabschluss begleiten. Nur so kann es allen Kindern und Jugendlichen gleiche Zugangs- und Entwicklungschancen eröffnen und auf diesem Weg eine wichtige Voraussetzung für mehr Partizipation und Gerechtigkeit schaffen. Daher haben wir diese Ausgabe von 51° dem Thema Individuelle Förderung gewidmet.
Dabei sehen wir mehr individuelle Förderung als Teil einer grundsätzlichen Reform des Bildungswesens. So verstanden, stellt sie große Herausforderungen an jeden Einzelnen und an das System insgesamt. Dabei müssen alle Betroffenen – Schüler, Lehrer, Eltern – mitgenommen werden. Mit unseren Projekten setzen wir an verschiedenen Punkten an, um mit einem systemischen Ansatz mehr individuelle Förderung zu realisieren. Das reicht von der Sprachförderung von Schülern mit Migrationshintergrund über die Erprobung neuer Ganztagsmodelle bis hin zu Initiativen für die Verbesserung der Qualität von Lehre und Studium an Hochschulen. So wollen wir über individuelle Förderung unsere Ziele erreichen, eine neue Lehr- und Lernkultur im Bildungssystem zu etablieren und die bestehende Ungleichheit bei Schul- und Hochschulabschlüssen zwischen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund zu beseitigen.
NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann spricht über die Bedeutung individueller Förderung. Frank Meetz und Christian Kuhlmann zeigen auf, wie mit unserem Projekt Ganz In mehr individuelle Förderung geleistet werden kann. Christel Kaufmann-Hocker und Heimo Richter blicken auf die ersten Erfahrungen mit dem Mercator Kolleg für internationale Aufgaben zurück, in dem hochqualifizierte Hochschulabsolventen gefördert werden. Außerdem berichten wir vom Auftakt des Programms Chance², in dem erstmalig Jugendliche mit Migrationshintergrund und aus Nichtakademikerfamilien von der Oberstufe bis zum Bachelorabschluss gezielt begleitet werden, und von der Diskussion über Bildungsarmut und Heterogenität als Chance beim letzten Mercator Bildungsdiskurs.

