"Eine Wurzelbehandlung der Langeweile"
3. Mercator Bildungsdiskurs gegen Langeweile in der Schule
„Ich habe in der Schule gelitten an der Langeweile“, gestand Ulrike Kegler, Leiterin der Montessori Oberschule Potsdam, im Gespräch mit Künstlerin Diemut Schilling. Beide waren anlässlich des 3. Mercator Bildungsdiskurs angetreten, die Gründe schulischer Langeweile zu ergründen. Gemeinsam mit Moderator Reinhard Kahl diskutierten sie in den Räumen der Stiftung Mercator am vergangenen Donnerstag mit rund 80 Gästen ihre Verbesserungsvorschläge für den Schulalltag.
Mehr Freiraum für Bewegung innerhalb von Schule forderte beispielsweise Ulrike Kegler: „ Wenn man Bewegung zulässt, entsteht Ruhe“, so die provokative These der Schulleiterin. Diemut Schilling setzte als Künstlerin hingegen auf mehr Offenheit und Kreativität. Durch exemplarische Projekte versucht sie Lehrern Mut zu machen, Dritte im Unterricht zu beteiligen. Dabei ist ihr wichtig, mit den Gegebenheiten zu arbeiten, die sie vorfindet. Zu wenig Geld und Zeit akzeptiert sie nicht als Gründe für mangelnde Kreativität im Unterricht. „Kreativität heißt nicht, dass man alles hat und alles darf“, sagte Schilling. In der offenen Fragerunde und anschließenden Diskussionen herrschte Konsens, dass gerade Vertreter der „Intelligenz der Praxis“ – wie Moderator Kahl Künstler, Handwerker oder andere Gäste im Schulalltag nennt – Lehrer mit innovativen Ideen für die Gestaltung von Schule unterstützen können.
Reinhard Kahl
Der schreibende und filmende Journalist wurde unter anderem mit dem Grimme Preis und dem Civis Preis ausgezeichnet. Im Zentrum seiner Arbeit stehen die Lust am Denken und Lernen, die Zumutungen belehrt zu werden und die endlosen Dramen des Erwachsenwerdens. Mit dem Film „Treibhäuser der Zukunft – wie Schulen in Deutschland gelingen“ legte er den Grundstein für das „Archiv der Zukunft“, aus dem inzwischen ein Netzwerk mit mehr als 1500 Mitgliedern entstanden ist. Zuletzt produzierte er die Kinodokumentation „KINDER! – Über das Lerngenie“.
Ulrike Kegler
Ulrike Kegler leitet seit 15 Jahren die staatliche Montessori Oberschule in Potsdam, eine Gemeinschaftsschule für die Klassen 1 bis 10. In einem Sabbatjahr schrieb sie ihr Buch „In Zukunft lernen wir anders“. Inzwischen wieder in der Schule, hat sie eines der aufregendsten pädagogischen Projekte begonnen. Schüler aus den 7. und 8. Klassen kultivieren einen Tag die Woche ein ehemaliges Ferienheim der Stasi am Schlänitzsee bei Potsdam.
Diemut Schilling
Die bildende Künstlerin Diemut Schilling initiiert seit Jahren Beteiligungskunst in Stadtteil und Schule. In eigenen Projekten und als Künstlerin im MUS-E Programm der Yehudi Menuhin Stiftung Deutschland entwickelte sie Modelle kreativer Unterrichtsgestaltung und forcierte die Einbindung der Künste als integraler Bestandteil schulischer Bildung. Diemut Schilling ist Meisterschülerin von Tony Cragg und Gewinnerin zahlreicher Stipendien. Ihre eigenen Werke finden international Anerkennung und können in zahlreichen Museen und Kunstsammlungen bewundert werden.

